Union Berlin und Norbert Düwel : An der alten Försterei wird mehr geredet

Unions neuer Trainer Norbert Düwel glaubt, dass sein Team die schwache Rückrunde noch nicht verarbeitet hat. Er setzt auf Gespräche mit den Spielern. Das 0:0 in Karlsruhe soll ein erster Schritt sein.

Matthias Koch
Setzt auf Kommunikation: Unions neuer Trainer Norbert Düwel.
Setzt auf Kommunikation: Unions neuer Trainer Norbert Düwel.Foto: dpa

Christopher Quiring traf ins Tor. Das ist im Training des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union Berlin kein ungewöhnlicher Vorgang. Da sich das Netz jedoch am Montagvormittag kurz nach einer Unterredung von Quiring mit Chefcoach Norbert Düwel zerbeulte, ließ Torsten Mattuschka einen seiner spaßigen Kommentare ab. „Hey, was so ein Gespräch so ausmacht“, brüllte Mattuschka quer über den Platz.

Düwel: "Hatten den KSC gut im Griff"

Düwel hatte bei seinem Amtsantritt am 13. Mai angekündigt, viel mit seinen Akteuren kommunizieren zu wollen. Was in der Kabine passiert, wissen nur die Beteiligten. Aber auf dem Trainingsplatz sind die Gespräche öffentlich sichtbar. Und davon gibt es in jeder Einheit mehrere. Auch einen Tag nach dem torlosen Ligaauftakt beim Karlsruher SC war dies zu beobachten.

Der Tenor Düwels nach seinem Pflichtspiel-Debüt als Union-Trainer fällt sehr wohlwollend aus, auch wenn in erster Linie nur das Defensivverhalten funktionierte. „Man kann sehr viel Positives aus so einem Spiel mitnehmen, wenn man es möchte. Wir haben defensiv überragend gestanden. Die Chancen des KSC waren überschaubar“, sagte Düwel. „Von der Grundorganisation her hatten wir es gut im Griff. Der KSC ist bekannt dafür, dass er im Umkehrspiel sehr stark ist. Aber ich habe keinen Konter des Gegners gesehen.“

Um sich Konter einzufangen, hätte Union aber auch einen Tick selbstbewusster auftreten müssen. Schließlich wurde den Fans mit dem Trainerwechsel von Uwe Neuhaus zu Düwel ein Neustart versprochen. Doch möglicherweise sind es gerade die letzten sechs Monate der Neuhaus-Ära, die der mit nur vier Neuzugängen bestückten Mannschaft zu schaffen machen. Vielen Akteuren stecke noch die letzte Saison in den Knochen, meinte Düwel. „Es ist nicht einfach so aus den Kleidern zu schütteln, dass man nach einer guten Vorrunde in der Rückrunde doch viele Spiele verloren hat“, sagte der 46-Jährige. „Da war viel Unsicherheit in der Mannschaft. Das ist mit einem Trainerwechsel und ein paar guten Testspielen nicht einfach so weg.“

Mental noch angeschlagen

2014 konnte Union von 16 Meisterschaftsspielen nur zwei gewinnen. Ziel ist es, dass am Freitag (20.30 Uhr) gegen Fortuna Düsseldorf wieder ein Sieg im Stadion An der Alten Försterei gelingt. „Da muss man auch mental topfit sein, um richtig gute Ergebnisse zu erzielen – auch um mutig zu sein. Das hat in Karlsruhe ein Stück weit gefehlt. Ich glaube schon, dass das Nachwirkungen der eher verkorksten Rückrunde sind“, meinte Düwel.

Düwel versucht, die Erinnerungen daran verblassen zu lassen. Dem alten Kader wurde ein neuer Anstrich verpasst. Er machte Damir Kreilach zum Kapitän. Vorgänger Mattuschka muss sich inzwischen mit einer Reservistenrolle abfinden. Mit Christopher Trimmel und Toni Leistner standen zwei Neuzugänge im der Startelf. Im neuen 3-5-2-System sollen Akteure wie Björn Jopek im defensiven Mittelfeld, Baris Özbek als Spielmacher und Steven Skrzybski im Angriff Zeit bekommen, effektiv zu werden.

Der Punkt beim KSC habe diesbezüglich mental geholfen. „Das wird schon noch ein Weg sein. Das ist ganz klar. Das ist ein Prozess, der nicht nur damit zu tun hat, neue Strukturen zu schaffen. Es gilt auch, Dinge aufzuarbeiten, die aus der letzten Saison mitgenommen wurden“, sagte Düwel. „Aber wir haben in Karlsruhe gemerkt, dass wir auswärts bei einer wirklich guten Mannschaft zu Null spielen können.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben