Union gegen Hertha : Der Star ist das Stadion

Beim 3:5 gegen Hertha BSC feiern die Fans des 1 .FC Union die alte und neue Heimstättean der Alten Försterei – und sich selber.

Sven Goldmann,Michael Rosentritt
Försterei
Volle Försterei. 19.000 Zuschauer bejubeln die Eröffnung ihres Stadions. -Foto: dpa

Berlin – Um kurz vor zehn tauchten vier Raketen den Berliner Abendhimmel in leuchtendes Rot. Unten zelebrierte der 1. FC Union die Einweihung der neuen Alten Försterei, sie war natürlich ausverkauft. Nur das Ergebnis fügte sich nicht so recht in den stimmungsvollen Abend. Der Erstligist Hertha BSC gewann das Testspiel gegen den Zweitligaaufsteiger 5:3 (2:1), was die Union-Fans allerdings nicht weiter störte. Sie feierten 90 Minuten lang ihre Mannschaft und vor allem sich selbst für den Kraftakt eines einjährigen Stadionbaus. Der Mann des Spiels aber trug ein Hertha-Trikot. Neuzugang Artur Wichniarek schoss zwei Tore und bereitete ein weiteres vor.

So viel zum sportlichen Aspekt. Denn der heimliche Star war natürlich das Stadion. In der Alten Försterei herrschte eine Atmosphäre, wie sie selbst beim 1. FC Union selten ist. Zwar passen in das mühe- und liebevoll sanierte Stadion in der Wuhlheide nur 19 000 Besucher, aber die waren gestern auch gekommen zur Einweihung – und verursachten bisweilen chaotische Zustände auf den Straßen und in den Bahnen. Der allgemeinen Ausgelassenheit tat das keinen Abbruch.

Dazu taugte schon eher eine Szene aus der zehnten Spielminute, als Wichniarek im Strafraum der Unioner zu Fall kam. Schiedsrichter Manuel Gräfe entschied auf Strafstoß. Den Ball schnappte sich Cicero, doch dann schritt Herthas Kapitän Arne Friedrich ein. Er ging zu dem Brasilianer, die beiden wechselten ein paar Worte miteinander, und schließlich rückte Cicero etwas missmutig den Ball raus. Schließlich landete der Ball bei Wichniarek, der den Elfmeter zur frühen Führung verwandelte.

Sinn und Zweck der Intervention des Hertha-Kapitäns waren leicht zu erraten. Ein Tor vor dieser Kulisse bei dieser Atmosphäre war genau das, was der aus Bielefeld nach Berlin zurückgekehrte Wichniarek brauchte zur Stärkung seines Selbstbewusstseins. Genau das war der Fall. Der Pole bewegte sich gut, hatte viele gute Ballkontakte und ließ seinem ersten Tor für Hertha gleich noch ein zweites folgen. Das war in der 24. Minute, als Lucio, Pal Dardai und Lukasz Piszczek den Ball vom linken auf den rechten Flügel wandern ließen. Piszczeks Flanke fand den mitgelaufenen Wichniarek, der den Ball nur noch ins leere Tor drücken musste. Zwischenzeitlich hatte der 1. FC Union ausgeglichen, mit einem spektakulären Kopfball von Karim Benyamina.

Union spielte frech mit, Marco Gebhardt und Kenan Sahin hatten viele gute Szenen im Mittelfeld, und vorn irritierte Benyamina allzu oft Herthas Innenverteidigung, die am Mittwoch in der ersten Halbzeit aus Friedrich und dem langen Brasilianer Rodnei bestand. Christoph Janker, neben Wichniarek der bislang einzige Neuzugang, verteidigte unauffällig auf der linken Seite.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit würfelte Herthas Trainer Lucien Favre seine Mannschaft etwas durcheinander. So blieben Torwart Jaroslav Drobny, Friedrich, Piszczek und Dardai in der Kabine. Für sie kamen Sascha Burchert, Steve von Bergen, Lennart Hartmann und Marc Stein ins Spiel. Aber auch beim Gastgeber, der mit der Aufstiegself begann, kamen einige Neuzugänge zum Zuge. Beispielsweise Björn Brunnemann und Dominic Peitz. Bevor aber die Neuen den Rhythmus des Spiels aufgenommen hatten, erzielte Raffael das 3:1 für Hertha – nach schöner Vorarbeit Wichniareks. Überhaupt sah das Spiel des Bundesligisten im zweiten Abschnitt besser aus. Der Ball zirkulierte jetzt mit höherer Geschwindigkeit, die Anspiele waren direkter und auch die Favre so wichtige Balleroberung funktionierte besser. Der für Wichniarek eingewechselte Waleri Domowtschiski und der ebenfalls neu gekommene Amine Chermiti trafen noch zweimal für Hertha, das zweite Union-Tor besorgte abermals Benyamina, das dritte Shergo Biran mit dem Schlusspfiff.

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