Union-Gegner Kaiserslautern : Trainer Runjaic setzt auf Streicheleinheiten

Unter Kosta Runjaic geht es beim 1. FC Kaiserslautern wieder aufwärts. Der neue Trainer fing sogar Stürmer Mohamadou Idrissou ein – so gut es in dessen Fall möglich ist. Heute spielen die Pfälzer im DFB-Pokal-Achtelfinale beim 1. FC Union.

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Handspiel. Seit Runjaic Kaiserslautern trainiert, ist es auch ruhiger um Idrissou geworden – zumindest neben dem Platz.
Handspiel. Seit Runjaic Kaiserslautern trainiert, ist es auch ruhiger um Idrissou geworden – zumindest neben dem Platz.Foto: picture alliance / dpa

Geschichten über Mohamadou "Mo" Idrissou müssen nicht erfunden oder von kreativen Beratern initiiert werden. Der 33 Jahre alte Stürmer aus Kamerun liefert sie selbst. Meist öfter, als es seinen Trainern oder Klubchefs lieb ist. Und oft muss ein eilig gestricktes Krisenmanagement helfen, wenn es wieder einmal passiert. Der 42 Jahre alte Kosta Runjaic kommt damit ziemlich gut klar. Runjaic ist Trainer des 1. FC Kaiserslautern und von Idrissou. Seit Mitte September. Und seitdem geht es mit dem 1. FC Kaiserslautern wieder aufwärts – und Idrissou funktioniert auch ganz ordentlich.

Selbst bei solch heiklen Ereignissen wie dem 3:0-Sieg in der Zweiten Liga über Union Berlin, als der lebhafte Idrissou Gefahr lief, vom Platz zu fliegen, weil er sich mit Schiedsrichter Deniz Aytekin anlegte. Später warf er ihm vor, ihn „rassistisch beleidigt“ zu haben. Runjaic holte den besten Pfälzer Angreifer vom Platz und klärte die Sache gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz und dem Unparteiischen. Idrissou nahm die Vorwürfe zurück und der FCK hatte eine weitere Episode überstanden.

Dass Stefan Kuntz den kommunikativen Runjaic als Nachfolger des eher verschlossenen Franco Foda geholt hat, erwies sich nicht nur für den FCK-Chef als Glücksfall. Seitdem ist auch der Aufstieg wieder ein realistisches Thema. Die zusätzlichen Einnahmen nach einem Bundesligaaufstieg würden die Arbeit der nächsten Jahre ungemein erleichtern, was auch für die aus dem DFB-Pokalwettbewerb gilt. Noch wichtiger aber erscheint, dass der neue Coach seiner Mannschaft Struktur und deren Spiel eine Handschrift gab: Eher gestaltend als abwartend sieht das FCK-Spiel mittlerweile aus. Die Außenverteidiger agieren zudem wesentlich offensiver als unter Foda, was zu weiteren Anspielmöglichkeiten führt.

Und er fing eben Idrissou ein – so gut es in dessen Fall möglich ist. Dazu gehört auch, dass das FCK-Spiel nicht mehr ausschließlich auf den Afrikaner zugeschnitten ist. Früher musste Idrissou oft genug in die Rolle des alleinigen Retters schlüpfen, was ihn zusätzlich unter Druck setzte. Seit Runjaics taktischen Änderungen verfügt Kaiserslautern mit Oliver Occean und Simon Zoller über weitere Akteure, die Tore schießen. Zoller traf wie Idrissou acht Mal. Trotzdem bleibt Idrissou erste Wahl im Angriff und wird vom Trainer weiterhin gestreichelt. Runjaic nennt ihn eine „Waffe“ und lobt den stolzen Stürmer vielleicht eine Spur mehr als andere Spieler in seinem Kader. Damit hat er nicht nur geschafft, Idrissou zu motivieren. „Die Mannschaft macht Spaß“, sagte Runjaic zuletzt. Neben seinen Motivationskünsten ist vor allem auch sein Fußball-Sachverstand gefragt: Beim ZDF arbeitet er nebenher als Taktik-Einflüsterer im Hintergrund bei Länderspielen für Ex-Nationaltorwart und Co-Moderator Oliver Kahn.

In Kaiserslautern sind die Fähigkeiten des in Wien geborenen Sohns jugoslawischer Einwanderer schon länger bekannt. Von 2004 bis 2006 trainierte der ehemalige Amateurkicker Runjaic die zweite Mannschaft des FCK. Später erwarb er sich bei Darmstadt 98 und beim MSV Duisburg den Ruf, aus wenig viel machen zu können. In der täglichen Trainingsarbeit liefert der Fußballlehrer konkrete Analysen und Lösungswege. Doch anders als Vorgänger Foda gilt er keineswegs als Spaßbremse. Und der „Spaß“, den Runjaic vermittelt, beflügelt schließlich auch den Mann, der zuweilen als Problemfall gilt: Mohamadou Idrissou. Das könnte sich nun auch im Pokalspiel bei Union Berlin auszahlen. „Ziel ist das Viertelfinale“, sagt Runjaic. „Unser Kernziel aber ist der Aufstieg in die Bundesliga.“

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