Sport : Union hält an Votava fest

Der Trainer bleibt auch nach dem 2:2 gegen Jahn Regensburg

Karsten Doneck

Berlin. Nachdenklich rührte Heiner Bertram mit dem Löffel in seiner Kaffeetasse, knetete danach mit den Fingern das Röhrchen mit dem Zucker. Sein Blick war nach unten gerichtet. Geradewegs so, als erwarte er, im Kaffeesatz die Lösung seiner Probleme zu finden. 2:2 (1:0) hatte Fußball-Zweitligist 1. FC Union daheim gegen Aufsteiger Jahn Regensburg gespielt. Zu wenig, um den letzten Tabellenplatz zu verlassen. Aber immer noch genug, um an Trainer Mirko Votava festzuhalten. Bertram, der Präsident, stellte auf entsprechende Fragen im Pressezelt des Stadions an der Alten Försterei nach Spielende unmissverständlich klar: „Der Trainer sitzt neben mir, und er wird auch nach dem nächsten Spiel hier neben mir sitzen.“ Schluss der Diskussion – bis auf weiteres jedenfalls.

Votava fand derlei Unterstützung durch den Präsidenten „super“, wie er sagte, wies aber im gleichen Atemzug auf die wirklich wichtigen Dinge seines derzeitigen Arbeitslebens hin: „Es kam mir schon vor, als sei das hier der 1. FC Votava. Es geht aber ausschließlich um den Verein als solches.“ Um dessen Zweitliga-Zukunft darf nach dem Auftritt gegen Regensburg heftigst gezittert werden. Obwohl die Mannschaft eine Menge Willen erkennen ließ, sich aus dem Schlamassel herauszuwinden. Zweimal führte Union vor 7198 Zuschauern. Beide Male war Steffen Baumgart mit seinen Saisontreffern Nummer drei und vier der Torschütze. Nach dem 1:0 scheiterten Kostadin Widolow und Salif Keita auch noch am Torgestänge der Regensburger. „Vier, fünf Mal hätten wir den Sack nach dem 1:0 zumachen können“, ärgerte sich Votava.

Doch so überlegen, wie sich das anhört, waren die Gastgeber keineswegs. Regensburg hielt jederzeit mit. Dass die Mannschaft durch Karsten Hutwelker und den früheren Hertha-Profi Altin Rraklli zweimal ausglich, war letztlich verdient. Auch deshalb, weil Unions Abwehr von Beginn an durch ein paar wenig vertrauenerweckende Aktionen die Stürmer des Kontrahenten ermutigte.

Heiner Bertram fühlte sich hinterher bemüßigt, seine Treue zu Votava ein bisschen näher zu begründen. „Ein Trainer, der in einer solch angespannten Situation ist, der alles geben will, der ständig unter Druck steht – das ist keine leichte Aufgabe. Bei uns wird nach wie vor hervorragend trainiert und gut gearbeitet, die Mannschaft muss das jetzt nur mal umsetzen“, sagte der Präsident.

Unions Fangemeinde sieht das inzwischen offenbar ähnlich. Hatten ein paar Dutzend erzürnte Anhänger nach dem vorletzten Heimspiel gegen VfB Lübeck (1:2) noch mit „Votava raus“-Rufen mächtig Dampf abgelassen, so hing diesmal im Stadion ein Transparent, auf dem stand geschrieben: „Der Einzige, der hier pfeift, ist der Schiedsrichter“. Trotzdem waren auch wieder vereinzelt „Votava raus“-Rufe zu hören, ganz leise nur, aber immerhin. Votava trug es mit Fassung. „Das waren doch nur die Fans aus Regensburg“, sagte der Trainer.

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