Sport : Union hat’s erwischt

Im achten Spiel verlieren die Köpenicker erstmals

Matthias Koch[Duisburg]

Christian Beecks erste Einschätzung des Spiels fiel ungewöhnlich aus. „In der Kabine gab es nach dem Spiel wie immer Putengeschnetzeltes mit Nudeln“, sagte der Sportdirektor des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union direkt nach der Partie beim MSV Duisburg in den Katakomben des Stadions. Das Essen war also bekannt, doch für Beecks Mannschaft gab es am Freitagabend vor 12 017 Zuschauern auch eine völlig neue Erfahrung. Im achten Saisonspiel kassierten die Berliner beim 1:3 (0:1) ihre erste Niederlage.

„Jetzt hat es uns erwischt. Ich denke jedoch, dass das für uns kein Beinbruch ist, in Duisburg zu verlieren. Aber ich sage ganz klar: Es war unnötig“, befand Union-Trainer Uwe Neuhaus. „Vielleicht ist das auch ein Lernprozess für uns, dass man nicht nur mit Schönspielen und gutem Fußball erfolgreich sein kann.“ Mit Michael Bemben leitete einer der bewährtesten Köpenicker Profis nach 28 Minuten die Niederlage ein. Ihm unterlief ein Fehlpass vor dem 0:1 durch den späteren dreimaligen Duisburger Torschützen Sören Larsen. Bemben, der auch schon beim 2:1-Erfolg gegen Rot-Weiss Ahlen den Gegentreffer verursacht hatte, gab das auch zu. „Das 0:1 geht klar auf meine Kappe“, sagte er. „In der Zweiten Liga werden Fehler schneller bestraft als in der Dritten.“

Dass Union trotz mehrerer Großchancen durch Torsten Mattuschka, Marco Gebhardt, Karim Benyamina, Hüzeyfe Dogan, Patrick Kohlmann, John Jairo Mosquera und Björn Brunnemann nur zum zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstor durch Shergo Biran kam, verlängerte beim MSV die Arbeitserlaubnis von Peter Neururer. Der Duisburger Trainer hatte im Fall einer Niederlage seinen Rücktritt in Aussicht gestellt.

Wie knapp der Übungsleiter davon kam, war in seiner Spielanalyse herauszuhören. „Man kann in dieser Liga Spiele gewinnen, wenn man sich auf Kampf- und Laufbereitschaft konzentriert. Wir haben gegen einen sehr, sehr guten Gegner glücklich, aber nicht unverdient gewonnen“, sagte Neururer, der sich nun jedoch eine andere Art der Motivation für seine Elf überlegen muss. „Natürlich ist eine Riesenpatrone zum Platzen gebracht worden. Und so viele Patronen hat man als Trainer nicht im Gürtel“, sagte Neururer. „Beim nächsten Mal müssen der Präsident oder der Manager eine Patrone raus lassen. Dann gewinnen wir wieder.“

Siegen möchte auch Union im kommenden Heimspiel gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth. Und zumindest die Motivation erscheint einfacher als in Duisburg. „Man muss sich immer wieder konzentrieren und nicht denken, man hätte schon alles erreicht“, sagte Uwe Neuhaus. Unions Coach kommt wie Neururer aus dem Ruhrgebiet, doch neben der Sachlichkeit liegen auch räumlich Welten zwischen beiden Trainern. Neuhaus blieb nicht mal über das freie Wochenende in seiner alten Heimat. Unions Sportchef Christian Beeck wusste auch warum: „Der Trainer kommt ja nicht mehr von hier.“

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