Union im Rausch : Zwei denkwürdige Spiele am selben Tag

Jeweils mit Beteiligung des 1. FC Union fanden am Montag in Berlin zwei Fußballspiele statt. Doch während die Begegnung gegen Frankfurt hohe Wellen schlug, lief zeitgleich ein traditionsreiches, aber kaum beachtetes Derby ab.

Frank Willmann
Das Zweitliga-Spiel zwischen Union und Frankfurt fand vor großer Kulisse statt. In dieser Szene kämpfen Patrick Kohlmann (l.) und Sebastian Rode um den Ball.
Das Zweitliga-Spiel zwischen Union und Frankfurt fand vor großer Kulisse statt. In dieser Szene kämpfen Patrick Kohlmann (l.) und...Foto: dapd

Knapp über 700 Zuschauer wollten ihren siechen BFC Dynamo gegen Union II beim Kicken zusehen. Unter ihnen auch zehn Union-Fans, die aus dem gefürchteten Lager der Spielereltern zu kommen schienen. Eine traurige Kulisse für dieses traditionsreiche Derby. Aus Furcht vor möglichen Ausschreitungen wurde vom NOFV der Jahnsportpark als Austragungsort gewählt. Angst und Schrecken verbreitet der BFC inzwischen allenfalls um den Zapfhahn herum. Ergreifend war die Schar der trunkenen Trolle, die nach Spielende gen Heimat torkelten. Ein Kick gegen Union lockt immer wieder den Mulm aus den Ritzen. Die Mutmaßung, es könnte ja etwas passieren, ist Lockstoff genug. Wobei sich am Montag gar die Idiotendichte in Grenzen hielt, zu erbärmlich kickt der einstige DDR-Rekordmeister.

18 Uhr 45 im Jahnsportpark, der Stadionsprecher beschwört über den Stadionfunk ein Wunder herauf. Die zänkischen Brüder der englischen Formation Oasis berichteten gerüchteweise von einer mythischen Dame. Sie sei für jegliche Erlösung zuständig. Das Verheißung versprechende Zauberwesen ist nur über kurvenreiche Pfade zu erreichen. Und der Held der Geschichte weiß unzweifelhaft, er ist der Einzige, der Auserwählte. Der gigantische Liebe im Herzen trägt. Und wenn sie nicht entschlafen sind, wartet spätestens am St. Nimmerleinstag Errettung auf sie.

So kann man die Situation der letzten 22 Jahre beim BFC Dynamo gut beschreiben. Während auf der Gegengerade des Jahnsportpark die Sonne über dem Westteil unserer Hauptstadt unterging, fragte ich mich, was ich verdammt nochmal hier tue. Eine Frage, die nur mit feinsinnigstem Schweigen zu beantworten ist. Vorbei an gelangweilten Ordnern und halbstrengen Polizisten genehmigte ich mir ein winziges Schlückchen Sonnenstich.

Es war ein trauriges Derby. Zu allem Ärger von den Verantwortlichen auf einen Heimspieltermin der 1. Mannschaft des 1. FC Union gelegt. Um Auseinandersetzungen zu vermeiden? Um Probleme nach hinten zu schieben? Ein Armutszeugnis, dass sich Fans, Polizei, Vereinsfunktionäre und NOFV gegenseitig ausstellen dürfen. Warum setzt man sich nicht an einen Tisch, nimmt den Partner ernst und versucht ein zurechnungsfähiges Fußballspiel zu gestalten? Mit Ernst und Würde. Bevormundung und Nichtachtung sind prägende Substantive der DDR-Zeit. Fasst euch bei den Händen und tanzt den Jesus Christus. Zumal Union-Präsident Dirk Zingler jüngst „zugeben durfte“, dass es mit seinem Hass auf den BFC, die Stasi und die DDR-Nomenklatura eine ganz besondere Sache ist.

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