Union im Trainingslager : Aufstieg? Macht die Schatulle auf!

Union Berlin bereit sich im Trainingslager im spanischen Chiclana auf eine graue Rückrunde vor - und denkt bereits an die Ziele für die kommende Saison. Doch zuvor müssen noch die Rahmenbedingungen für die ehrgeizigen Ziele geschaffen werden.

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Uwe Neuhaus erhofft auch im Trainingslager in Südspanien von Medienvertretern in erster Linie, dass sie ganz konkret über Fußball schreiben. Bunte Facetten des Lebens im Zusammenhang mit seiner Mannschaft sind dem Trainer des Zweitligisten 1. FC Union ein Gräuel. Insofern ist die Frage nach den mittelfristigen Aussichten seines Vereins auf die erste Bundesliga durchaus statthaft. Nach der starken Hinrunde träumt schließlich so mancher Fan, dass vielleicht schon im Sommer der Köpenicker Angriff auf die Erstklassigkeit beginnt.

Neuhaus ist sich da aber nicht ganz so sicher. „Ich muss erst mal mit dem Präsidenten sprechen. Ich weiß gar nicht, wie viel Kohle mir im nächsten Jahr zur Verfügung steht“, meint Neuhaus. „Meine persönlichen Ziele decken sich mit denen des Vereins.“ Hinsichtlich Kader, Geld und Zeitplan müsse er aber noch einiges in seinem „stillen Kämmerlein ausbrüten“.

Kapitän Torsten Mattuschka wurde am Sonntagmittag ein wenig offensiver. „Die Bundesliga ist der Traum jedes Spielers“, findet Mattuschka. Der offensive Mittelfeldspieler, der für lockere Sprüche bekannt ist, übersetzt die wohlüberlegte Aussage von Neuhaus zur Ersten Liga zudem mit seinen Worten. „Dann muss der Präsident mal die Schatulle aufmachen.“

Vereinsoberhaupt Dirk Zingler war am Atlantik nicht dabei. So ein Trainingslager sei kein Betriebsausflug, hatte Zingler verlauten lassen. Dass sich die Berliner nach vier Jahren mal wieder einen Wintertrip leisteten, spricht auf jeden Fall dafür, dass in Köpenick größere Dinge geplant werden.

Dass es in der Rückrunde kaum nach oben oder unten gehen kann, interessiert Neuhaus wenig. „Die Leistung ist entscheidend. Sicherlich ist es angenehmer, nicht wie in den letzten beiden Jahren bis kurz vor Schluss zu warten, dass man gerettet ist“, sagt der Fußballlehrer. „Wir wollen uns aber nicht warmlaufen für die nächste Saison, sondern die Partien mit 100 Prozent Siegermentalität angehen. Das verlange ich bis zum Schluss. Vielleicht können wir uns noch ein bisschen steigern.“

Momentan rangiert Union nach der besten Hinrunde der Zweitliga-Vereinshistorie auf dem siebten Platz. Neuhaus erwartet, dass seine Akteure bis zum Saisonende alles aus sich herausholen – auch aus ganz profanen Gründen: „Wir spielen Fußball, um Punkte zu holen und Geld zu verdienen. Der Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft ist riesengroß. Wer die Leistung nicht bringt, ist nicht dabei. Das muss Anreiz genug sein.“

Personell sind die Planungen schon sehr weit vorangeschritten. Von den Spielern, die zuletzt am häufigsten in der Startelf standen, besitzen alle einen Vertrag über das Saisonende hinaus. Bei Torwart Jan Glinker ist das zwar noch nicht der Fall. Doch im Trainingslager wurden die Weichen gestellt. Die langfristig geplanten Gespräche verliefen aus Glinkers Sicht erfolgreich. „Wir haben zusammengesessen und seine sportliche Perspektive erläutert. Jetzt unterhalten sich der Spielerberater und der Verein. Für Jan geht es weiter, wenn wir uns einigen können“, sagte Neuhaus.

Die Aussichten des kanadischen Testspielers Nana Attakora auf einen Vertrag in Berlin wollte Trainer Uwe Neuhaus dagegen in Spanien nicht konkretisieren. „Ich kann dazu noch nichts sagen. Ich werde sicher noch am Dienstag in Berlin ein Gespräch mit ihm führen“, meinte Neuhaus. In den beiden einzigen Freundschaftsspielen in Spanien gegen den Drittligisten FC Cadiz (0:3) und den Viertligisten SD San Fernando (2:4) konnte der zuletzt für die San Jose Earthquakes auflaufende Innenverteidiger nicht hervorstechen. Und seine Rückkehr nach Kanada ist bereits für Mittwoch geplant. Zudem vertraut Uwe Neuhaus dem aktuellen Kader.

Die beiden Niederlagen gegen unterklassige spanische Teams trübten den sportlichen Gesamteindruck des Aufenthaltes in Andalusien. „Wenn man die Spiele nimmt, muss man schon Abstriche machen“, sagte Neuhaus. „Wir werden uns steigern müssen. Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen. Ich sehe uns trotzdem auf einem ganz guten Weg.“

Ob der irgendwann ganz nach oben führt, wird man sehen.

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