Sport : Union im Ungefähren

Drei Dinge braucht der Klub: Trainer, Spieler, Bürgschaft

Karsten Doneck

Berlin. Nur eine kniehohe Mauer trennte Jürgen Schlebrowski von dem Fan, der da voller Emotionen auf ihn einredete. Erst nach einer Weile kam auch Schlebrowski zu Wort. „Ich muss mal klarstellen“, hob der Präsident des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union an, um dann die frohe Botschaft zu verkünden: „Die Welt geht doch nicht unter, wenn wir wirklich absteigen sollten.“ Der Fan nahm die Worte erleichtert zur Kenntnis, es hätte nur noch gefehlt, der Mann hätte die kleine Mauer, die im Stadion an der Alten Försterei die Grenze zum Vip-Zelt markiert, kurzerhand übersprungen und wäre Schlebrowski voller Dankbarkeit um den Hals gefallen.

Bei anderen Fans machte sich nach der „2:2-Niederlage“ – so ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions – gegen RW Oberhausen sehr wohl Weltuntergangsstimmung breit. Unions Abstieg ist drei Runden vor Saisonende so gut wie besiegelt. Und immer wieder taucht die bange Frage auf, wie es denn danach weitergehe? Die Lizenz für die Regionalliga haben die Köpenicker noch längst nicht sicher. Angeblich weist der von Union eingereichte Zwei-Millionen-Etat für die Regionalliga grobe Lücken auf. „Das halte ich für Panikmache. Wir haben für beide Ligen eine sehr solide, seriöse Planung abgegeben“, widerspricht Schlebrowski. Dennoch hat die Deutsche Fußball-Liga dem 1. FC Union harte Bedingungen auferlegt. Dazu zählt offenbar eine vom Verein zu erbringende millionenschwere Bürgschaft. Union legte Beschwerde ein, über die in spätestens zwei Wochen entschieden sein soll. Würde der Beschwerde nicht stattgegeben, droht Union mit verschärfter Gangart. „Dann müsste man klagen“, sagt Schlebrowski.

Viel hängt davon ab, ob der Hauptsponsor, die Berliner Stadtreinigung (BSR), auch in der dritten Liga ihr Engagement – wenngleich mit reduziertem Finanzeinsatz – beibehält. Dass in der vorigen Woche Antonio Hurtado den Vorsitz im Aufsichtsrat von Union übernahm, darf als gutes Zeichen gewertet werden. Hurtado ist Manager bei der BSR und wird wohl in seinem Unternehmen genügend Überzeugungskraft besitzen. Auch wenn er mahnend sagt: „In dieser Saison sind manche Dinge im Verein nicht gerade reputationsfördernd gewesen.“

Präsident Schlebrowski hat sich vorgenommen, zunächst die Trainerfrage zu klären. Der jetzige Coach Aleksandar Ristic wäre für Union in der Regionalliga mit Sicherheit nicht bezahlbar. Also bleiben die Kandidaten, die auch im Verlauf der jetzt zu Ende gehenden Saison immer mal wieder im Gespräch waren: Frank Wormuth zum Beispiel oder Hermann Andreev. Dass bei Union fast alle Spielerverträge am Saisonende auslaufen und bis jetzt kein einziger neuer Akteur verpflichtet wurde, beunruhigt Schlebrowski nicht: „Wir werden einen vernünftigen Kader zusammenstellen – auch für die Regionalliga.“

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