Union-Kapitän Mattuschka : Hoffen aufs nächste Ständchen

Torsten Mattuschka ist beim 3:0 gegen Sandhausen einmal mehr Union Berlins bester Spieler. Die Chancen auf einen neuen Vertrag steigen für den 33-jährigen Kapitän.

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Wertvoll wie nie: Torsten Mattuschka (r.) ist seit Wochen in bestechender Form.
Wertvoll wie nie: Torsten Mattuschka (r.) ist seit Wochen in bestechender Form.Foto: dpa

In der Kabine warteten „ein, zwei Bier“, die Mitspieler herzten ihn bei jeder Gelegenheit und draußen im Stadion hatten die Fans ihm ein Lied zum Ehrentag gesungen. Man hätte meinen können, Torsten Mattuschka wäre am Freitagabend gänzlich zufrieden gewesen. War er im Grunde auch. Einen Wunsch hatte der Kapitän des 1. FC Union nach dem 3:0-Sieg gegen den SV Sandhausen aber doch noch: „Ich hoffe, das war nicht der letzte Geburtstag, den ich hier im Stadion gefeiert habe“, sagte Mattuschka.

Stand heute wäre er es. Zum Ende dieser Saison läuft sein Vertrag beim 1. FC Union aus, bisher gab es keine konkreten Gespräche. „Wir werden sehen, was der Verein vorhat. Ich kann nur spielen, alles andere liegt nicht in meinen Händen.“

Union ohne seine Nummer 17? Für viele im Verein eine surreale Vorstellung. Schließlich ist Mattuschka bald zehn Jahre im Verein. Er ist neben Torhüter Jan Glinker der einzige im aktuellen Kader, der den historischen Tiefpunkt des 1. FC Union miterlebt hat. In der Saison 2005/06 musste der Berliner Traditionsverein in der damals viertklassigen Oberliga antreten. Mattuschka, gerade aus Cottbus gekommen, kämpfte sich mit Union zurück nach oben. Zuerst in die Regionalliga, dann in die Dritte Liga und 2009 in die Zweite Liga. Nach dieser Erfolgsgeschichte könnte am Ende dieser Saison sogar der Aufstieg in die Bundesliga stehen. Es wäre zweifelsohne der Höhepunkt in der Karriere des Torsten Mattuschka. Aber reicht es bei ihm auch noch für die höchste deutsche Spielklasse? Manchem Verantwortlichen könnten da Zweifel kommen. Am Freitag wurde Mattuschka 33 Jahre alt, mittlerweile trägt er auch wieder das ein oder andere Gramm zu viel mit sich herum. So wie am Anfang seiner Karriere, als er hochbegabt beim FC Energie Cottbus rausflog und zum Dorfverein Dissenchen wechselte, wo sein Gewicht zeitweise die 100-Kilo-Grenze erreichte. „Ich war schon verdammt faul“, hat Mattuschka einmal gesagt.

Wer ihm gegen Sandhausen zusah, dürfte den Erzählungen aus dieser Zeit kaum Glauben schenken. Mattuschka rannte, so weit ihn seine Füße trugen, bis zu seiner Auswechslung zwanzig Minuten vor Schluss war er an fast allen gefährlichen Aktionen seiner Mannschaft beteiligt. Das 1:0 erzielte er selbst, das 2:0 von Simon Terodde bereitete er mit einer technisch anspruchsvollen Direktabnahme vor. Fünf Minuten bevor Mattuschka unter dem Applaus der Zuschauer vom Platz ging, erzielte Sören Brandy das dritte Tor.

Mattuschka war der beste Mann auf dem Platz. „Er hat ein hervorragendes Spiel gemacht. So wie immer in den vergangenen Wochen“, lobte Uwe Neuhaus. „Mit dem 1:0 hat er uns auf den Weg gebracht.“ Unions Trainer sprach seinem Kapitän einen „riesigen Anteil“ am sportlichen Hoch der vergangenen Wochen aus. Derzeit steht Union auf Platz zwei.

Mattuschka bestritt in dieser Saison alle Spiele von Beginn an, erzielte in zehn Einsätzen vier Tore und gab fünf Vorlagen. Die Frage nach Mattuschkas möglicher Bundesligatauglichkeit beantwortet Neuhaus so: „Wenn ich in der jetzigen Form was anderes sage, müsste man mich ja einliefern.“

Nach einem holprigen Start in die Saison spielt Mattuschka seit Wochen auf konstant hohem Niveau. Einen Grund, etwas an der Vertragssituation zu ändern, sieht Neuhaus jedoch nicht. „Nachher ändere ich noch was an seiner Spielweise. Manch einem haben Verträge schon einen Rucksack auf den Rücken gebunden“, sagt Neuhaus mit einem Augenzwinkern. Die Botschaft dahinter ist klar: Unions Trainer möchte seinen Kapitän auch weiterhin so motiviert und einsatzstark zu Werke gehen sehen. Neuhaus lässt durchblicken, dass die Vertragsverlängerung dann bald anstehen könnte. „Wenn es so weit ist, werden wir uns dazu äußern.“ Gut möglich also, dass Unions Fans ihrem Kapitän im nächsten Jahr wieder mit einem Geburtstagslied im Stadion gratulieren könnten.

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