Sport : Union siegt zum Auftakt – dank Heinrich

Karsten Doneck

Berlin - Die Bewegungen gingen fließend ineinander über. Ballannahme, Schusshaltung einnehmen, der Schuss – alles perfekt. Einer wie Jörg Heinrich, der bei Klubs wie dem AC Florenz und Borussia Dortmund gespielt hat, Weltpokalsieger geworden ist, 37 Länderspiele bestritten hat, der beherrscht diese Grundelemente des Fußballs im Schlaf. Und so war es kein Wunder, dass Jörg Heinrich beim Saisonstart seines neuen Klubs, des Oberligisten 1. FC Union, den Unterschied zum Gegner Berliner AK 07 ausmachte. Nach Vorlage von Karim Benyamina erzielte Heinrich nach 65 Minuten mit einem Volleyschuss aus acht Metern das Siegtor zum 2:1 (1:1) für den Aufstiegsfavoriten. 6500 Zuschauer füllten mit ihrem Jubel akustisch das Stadion an der Alten Försterei.

Lange Zeit hatte sich Union sehr schwer getan gegen ein engagiertes Team des BAK. „Das ist ja auch nicht irgendeine Truppe. BAK war verdammt stark und hat in der ersten Hälfte viel Druck gemacht“, sagte Heinrich. Der frühere Dortmunder, aus Ludwigsfelde zu Union gewechselt, zeigte sich vor der Pause, von wenigen guten Szenen mal abgesehen, merkwürdig zurückhaltend, so als müsse er erst einmal sondieren, wie man dem Gegner den entscheidenden Schlag versetzt. „Ich war in der ersten Hälfte vielleicht etwas zu defensiv“, sagte Heinrich selbstkritisch.

Nach der Pause aber war der 36-Jährige überall: links, zentral, vorne, hinten, im ständigen Wechsel. Und dann tauchte er genau im richtigen Moment im gegnerischen Strafraum auf, um das Siegtor zu machen. „Ich wollte gewinnen und überall gleichzeitig sein“, sagte Heinrich. Mit seinem Auftritt widerlegte er die Union-Fans, die vor der Saison genörgelt hatten, einer wie Heinrich käme allenfalls noch zum Abtrainieren. Zumindest in der zweiten Halbzeit war Heinrich die Leitfigur seiner Mannschaft. „Der auffälligste Spieler auf dem Platz“, sagte Christian Backs, der BAK-Trainer, anerkennend. Da demonstrierte der Mann, der in Rathenow geboren ist, wie die Fußball-Aufbauhilfe Ost in der Praxis aussieht.

Heinrichs Tor versöhnte letztlich auch die Fans, die aufgrund langer Warteschlangen vor den Eingängen verspätet ins Stadion gekommen waren. Union traf der große Zuspruch am Freitagabend ziemlich unvorbereitet. „Für das Spiel hatten wir nur mit etwa 2500 Zuschauern gerechnet“, sagte Präsidiumsmitglied Oskar Kosche. 3000 Zuschauer im Schnitt sind im Etat vorgesehen.

Die Stimmung war, zumindest in der Schlussphase der Partie, wie zu guten, alten Zweitligazeiten. „Gänsehaut pur“, sagte Heinrich.

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