Union-Stürmer Silvio : Geld auf der Tribüne

Er erzielte das einzige Tor des Monats in der Geschichte des 1. FC Union. Doch jetzt will Berlins Fußballzweitligist seinen brasilianischen Stürmer Silvio unbedingt loswerden.

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Bessere Tage. Silvios (r.) letztes Pflichtspiel für Union liegt schon etwas zurück. Foto: picture alliance / dpa
Bessere Tage. Silvios (r.) letztes Pflichtspiel für Union liegt schon etwas zurück.Foto: picture alliance / dpa

Wuchtig jagte Silvio den Ball ins Netz. Immer und immer wieder. Aus der Drehung oder als Direktabnahme, mal per Kopf und mal mit dem Fuß. Ganz gleich, was der Brasilianer an diesem Vormittag beim Torschusstraining auch versuchte, es gelang meistens. Nur wird Silvio seine Fähigkeiten wohl nicht mehr im Trikot des 1. FC Union zeigen. Der Stürmer soll den Berliner Zweitligisten bis zum Ende der Transferperiode Anfang September verlassen, Silvios Berater Dino Lamberti sucht eifrig nach einem neuen Verein. „Wir streben eine baldige Lösung an, allerdings ist das nicht einfach“, sagt Lamberti. Der Schweizer, der auch Herthas Ronny vertritt, spricht in Silvios Fall zwar von etlichen Anfragen, „leider jedoch immer aus Ländern, in denen die Zahlungsmoral nicht so ausgeprägt ist“.

Für Silvio eine schwierige Situation. In Berlin fühlt er sich wohl, mit seiner Frau und den zwei Kindern hat er ein Haus im Südosten bezogen. Auf der anderen Seite ist er mit 28 Jahren noch zu jung, um ständig auf der Tribüne zu sitzen. In der teaminternen Stürmerhierarchie ist Silvio auf Platz vier hinter Adam Nemec, Simon Terodde und Steven Skrzybski abgerutscht. Zählt man den vielseitig einsetzbaren Neuzugang Sören Brandy ebenfalls als Stürmer, ist er sogar nur die Nummer fünf. Die Aussichten auf Spielzeit sind für Silvio sehr gering, in dieser Saison stand er in keinem Pflichtspiel im Kader.

Mental sei sein Spieler „schon ein bisschen angeschlagen“, sagt Lamberti, die vergangenen Monate hätten ihm zugesetzt. Reden will Silvio offiziell nicht – heißt es vonseiten des 1. FC Union. Auch Trainer Uwe Neuhaus hat wenig Lust, über seinen einstigen Vorzeigeangreifer zu sprechen. Auf die Frage, ob Silvio denn eine Chance erhalte, falls er in den nächsten Wochen keinen neuen Verein findet, sagt Neuhaus: „Darüber sprechen wir Anfang September.“ Grundsätzlich plant der 1. FC Union aber ohne ihn, das wurde dem Spieler mitgeteilt. „Der Klub war immer sehr korrekt zu Silvio“, sagt Lamberti. „Wir wissen, woran wir sind.“

Dabei hatte alles so gut begonnen zwischen Silvio und den Berlinern. Vor zwei Jahren kam er vom FC Zürich und überzeugte sofort. Ihm gelangen acht Tore, darunter auch ein spektakulärer Volleytreffer gegen Ingolstadt. Silvio wurde als erster und bisher einziger Spieler in der Geschichte des 1. FC Union als Torschütze des Monats ausgezeichnet. Die Plakette teilte er anschließend mit Torsten Mattuschka und Patrick Kohlmann, die mit ihren Vorlagen zu dem grandiosen Treffer beigetragen hatten.

In der vergangenen Saison änderte sich seine Situation, eine hartnäckige Knöchelverletzung machte Silvio zu schaffen. Er stieg zu früh wieder ins Training ein, die Schmerzen wollten lange nicht vollständig abklingen. Im Training konnte er sich nicht mehr empfehlen, Trainer Neuhaus verlor mehr und mehr das Vertrauen.

Dem 1. FC Union dürfte am Abgang Silvios einiges gelegen sein. Der Brasilianer gehört nicht gerade zu den Geringverdienern, außerdem läuft sein Vertrag nach der Saison aus. Dann würden die Köpenicker keinen Cent mehr für Silvio bekommen, egal wo er den Ball dann ins Tor wuchtet.

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