Sport : Union sucht Spieler mit deutschem Pass

Karsten Doneck

Ein bisschen Smalltalk nach Feierabend in der Heimatsprache kann ja nie schaden. Das erleichtert mitunter das Einleben in der Fremde beträchtlich. Und ein Fußballprofi, der sich wohl fühlt, wird bei sich eher Höchstleistungen abrufen können als einer, der mit seinen Lebensumständen von Grund auf unzufrieden ist.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Und deshalb hat der 1. FC Union gehandelt. "Wenn mal irgendetwas ist", sagt Klaus Berge, der Manager des Vereins, "dann braucht der Petar Divic doch bloß an die Decke zu klopfen - und schon ist der Bozo da und kann ihm helfen." Der Berliner Zweitligist hat seinen neuesten Zugang, den jugoslawischen Stürmer Petar Divic, kurzerhand im Haus seines Landsmannes Bozo Djurkovic, ebenfalls Angreifer bei Union, im Stadtteil Altglienicke einquartiert. Nach zwei Trainingstagen im neuen Umfeld soll Divic heute (19.30 Uhr, Alte Försterei) sein Debüt bei Union geben: im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen RW Oberhausen.

Letzte Zweifel am Einsatz des neuen Stürmers, mit 800 000 Mark Ablöse teuerster Transfer in Unions Vereinsgeschichte, wurden gestern um 15.37 Uhr zerstreut, als bei seinem neuen Arbeitgeber die Freigabebestätigung eintrudelte. Trainer Georgi Wassilew weiß ziemlich genau, was von Petar Divic zu erwarten ist. "Ein technisch guter Spieler, er ist schnell und beweglich. Und die vielen Tore, die er für OFK Belgrad geschossen hat, sprechen natürlich auch für ihn", sagt der Bulgare.

Die Partie gegen Oberhausen ist für Union wegweisend. Gerade auch für die Fortsetzung der Einkaufspolitik. 800 000 Mark winken Union als Einnahme-Minimum im Pokal-Viertelfinale. Geld, das in einen defensiven Mittelfeldspieler investiert werden soll. Union hat sich bereits mehr als nur umgeschaut. "Wir führen Verhandlungen mit zwei Spielern von Erstligaklubs und einem aus der Zweiten Liga", sagt Präsident Heiner Bertram. Namen werden von ihm nicht verraten, doch zumindest Bertram hat sich festgelegt: "Unser Ausländerkontingent ist erschöpft. 50 Pozent Ausländer - das soll unser Limit sein. Wir wollen jetzt einen Spieler mit deutschem Pass holen, das weiß auch unser Trainer."

Nur Klaus Berge, der Manager, scheint diesen Wunsch noch nicht vollends verinnerlicht zu haben. "Den Leuten ist doch egal", sagt Berge, "welche Nationalität die Fußballer haben. Die wollen sehen, dass ihr Verein Erfolg hat. Die Fans sehen in erster Linie das Trikot, das der Spieler trägt, und das ist dann Identifikation genug." Heute müssen sich die Union-Fans erstmal an Petar Divic gewöhnen.

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