Sport : Union trennt sich von Widolow

Trainer Votava fordert drei neue Spieler – mindestens

Karsten Doneck

Berlin. Auf der Straße An der Wuhlheide ging bereits die Straßenbeleuchtung an, da ließ Mirko Votava ein paar hundert Meter entfernt auf einem Nebenplatz des Stadions Alte Försterei gerade die Tore für ein Übungsspielchen aufstellen. Der Fußball-Zweitligist 1. FC Union trainierte gestern erstmals im neuen Jahr – und gleich bis in die Dunkelheit hinein. Jeder so, wie er es nötig hat: Die Mannschaft ist als Vorletzter stark abstiegsgefährdet. „Es wird schwer genug“, sagt Trainer Mirko Votava. „So wie die Tabelle jetzt aussieht, kann es für uns nur noch eines geben: den Nichtabstieg“, meint Spielmacher Thomas Sobotzik. Am frühen Abend, bei Kaffee und Kuchen, redete Präsident Jürgen Schlebrowski den Herren Profis dann auch noch ins Gewissen: Jeder einzelne möge sich doch bitteschön fragen, ob er im bisherigen Saisonverlauf immer sein volles Leistungsvermögen abgerufen habe.

Was sich sonst ändern muss bei Union? Da greift Votava auch im neuen Jahr zu den alten Standards. „Immer diese individuellen Aussetzer bei uns – das schlägt mir auf den Magen“, sagt er. Damit seine Magenbeschwerden nicht gleich zwingend einen Arztbesuch notwendig machen, sucht Votava nach Abhilfe. „Wir haben Personalprobleme. Da müssen wir nachlegen“, sagt er. Und die Finanzierung neuer Leute? Union ist bekanntlich chronisch knapp bei Kasse. „Es muss einfach Geld da sein, wir müssen mindestens drei Spieler holen“, fordert Votava fast ultimativ. Anfang nächster Woche stellen sich vier Spieler zum Probetraining vor: Steven Arthur aus Ghana, Umberto Romano vom Schweizer FC Wil, Marcin Szulik von Gornik Zabrze und David Siradze von Lok Tiflis. Keine großen Namen, aber für kleines Geld zu haben.

Ersatz tut Not. Unions ohnehin nicht üppiger Kader ist nämlich weiter geschrumpft. Der Bulgare Kostadin Widolow, der um vorzeitige Auflösung seines bis Juni 2004 datierten Vertrages gebeten hatte, hielt sich zwar gestern in Berlin auf, erschien aber nicht mehr zum Training. Union hat die Konditionen für eine gütliche Trennung noch einmal überdacht und nachgebessert, will das einbehaltene November- und Dezember-Gehalt noch zahlen, als kleine Gegenleistung aber anteilig eine vor der Saison geleistete Einmalzahlung gegenrechnen. Widolow gab telefonisch sein Einverständnis, seine Unterschrift soll Anfang der Woche erfolgen.

Eine andere Personalie bleibt freilich offen. Nach dem überraschenden Rückzug von Heinz Werner aus dem Präsidium nach nur drei Wochen Amtszeit sucht Schlebrowski jetzt ein neues Vorstandsmitglied. Im Gespräch ist Oskar Kosche, ehemals Torwart bei Union, dann unter dem damaligen Präsidenten Heiner Bertram schon mal Manager zur Probe, später Manager bei Babelsberg 03, derzeit arbeitslos. Kosche soll nicht abgeneigt sein, würde seine Aufgabe bei Union aber gerne als Full-Time-Job angehen – gegen monatliche Bezahlung. Union sucht nun jemanden, der das Gehalt übernimmt.

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