Sport : Union und TeBe: Sympathien

Karsten Doneck

Er gehört wahrlich nicht zu den Traumtänzern, von denen in jüngster Vergangenheit viel zu viele ihr Unwesen bei Tennis Borussia trieben. Robert Jaspert pflegt noch nicht einmal Animositäten gegen die lokale Konkurrenz. So bereitet es ihm wenig Probleme, Realitäten als solche anzuerkennen. "Die Zeiten haben sich geändert. Wir sind nicht mehr die zweite Kraft in Berlin", bekannte der Trainer des Fußball-Regionalligisten Tennis Borussia unlängst. Neid auf den an TeBe vorbeigezogenen 1. FC Union? Keine Spur. "Ich würde mich freuen", so Jaspert, "wenn Union aufsteigen würde. Das wäre wichtig für die Stadt. Zumal der Klub jetzt eine gesunde finanzielle Basis hat." Über das aktuelle Kräfteverhältnis zwischen TeBe und Union wird am Freitag (19.30 Uhr, Mommsenstadion) wohl auch das Lokalderby Auskunft geben.

Robert Jaspert ist der etwas andere Trainer. Nach außen hin wirkt er ruhig und gelassen. Gefühlsausbrüche und große Gesten sind bei ihm selten. Sein Arbeitsstil trägt leicht antiquierte Züge. Von wegen Demokratie. "Ich bin sehr resolut, habe klare Auffassungen von Hierarchien und Autoritäten", sagt Jaspert über sich. Und er weiß: "Meine Methoden sind sicher nicht leicht zu erdulden." Einmal getroffene Entscheidungen stößt der Trainer selten um. Er hebt sich in diesem Punkt wesentlich von seinen Vorgängern Winfried Schäfer und Mirko Slomka ab. Schäfer suspendierte reihenweise Spieler, begnadigte sie kurze Zeit später - oder auch nicht, und fuhr generell einen Zickzackkurs, durch den allmählich seine Autorität schwand. Slomka verfuhr mit TeBe-Spielmacher Ifet Taljevic während der Hinrunde ähnlich. Taljevic, 20 Jahre alt, ist - zumindest auf dem Fußballplatz - für manche Eigenwilligkeit bekannt. "Der hat", erkannte Jaspert, "keinen akzeptiert, der besser Fußball spielt als er." Solche Marotten hat der neue Trainer dem jungen Mann ausgetrieben. "Diese Ein-Mann-Show, die er immer abgezogen hat, hat Ifet abgestellt."

Jasperts Position ist nicht mehr unumstritten. Fünf Niederlagen in Folge hat TeBe hinnehmen müssen, ist jetzt Tabellenletzter. Logisch, dass da der Trainer in die Kritik gerät. Aber ein Verein, der eineinhalb Jahre lang einen Winfried Schäfer klaglos ertragen hat, hat in der Trainerfrage erhöhte Toleranzwerte. Jaspert darf weitermachen. Vorerst.

Manchmal geht Jasperts Ehrgeiz dem Verein ja sogar ein bisschen zu weit. Das Los im Paul-Rusch-Pokal wollte es mal, dass TeBe mit der 1. Mannschaft, damals von Hermann Gerland betreut, auf die von Jaspert trainierte 2. Mannschaft traf. Klarer Fall. Allgemein wurde erwartet, dass sich TeBe II kein Bein ausreißt und den Gegner nach Lust und Laune gewähren lässt. Denkste! Die "Erste" gewann mühsam 1:0 durch ein Tor von Müslüm Can. Und Jaspert musste sich ob der zähen Gegenwehr seiner Elf hinterher heftige Vorwürfe anhören. "Was da nach dem Spiel im Kabinengang los war, will ich lieber nicht erzählen", sagt er. Mannhaft verteidigte er indes seine Vorgehensweise, selbst gegen die 1. Mannschaft Vollgas zu geben. Jaspert: "Ich lasse mir nun mal ungern reinreden."

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