Union vor dem Umbruch : Was vom Aufstieg übrig blieb

Der 1. FC Union verabschiedet sich nach der Niederlage in Sandhausen von seinen Erstligaambitionen und steht vor dem Umbruch.

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Verloren in Sandhausen. Christopher Quiring und der 1. FC Union haben wohl ein weiteres Jahr Zweite Liga vor sich.
Verloren in Sandhausen. Christopher Quiring und der 1. FC Union haben wohl ein weiteres Jahr Zweite Liga vor sich.Foto: Imago

Enttäuscht schlich Daniel Haas vom Feld. Der Torwart des 1. FC Union hatte einen Ball direkt vor die Füße des Sandhäusers Nicky Adler abgewehrt und damit die 1:2-Niederlage seines Klubs in Sandhausen mitverschuldet. Mehr noch: Es war ein Fehler, der die Berliner womöglich aller Chancen um den Aufstieg beraubte. Und Haas seinen Arbeitsplatz kosten könnte.

Der Vertrag des 30-Jährigen läuft zum Ende dieser Saison aus, und bisher gibt es keine Einigung über eine Weiterbeschäftigung – im Profigeschäft zu diesem späten Zeitpunkt der Saison meistens ein Indiz für eine Trennung. Haas ist nicht der Einzige im Kader des 1. FC Union, der sich Gedanken um seine sportliche Zukunft machen muss. Auch bei Marc Pfertzel und Patrick Kohlmann läuft der Vertrag aus, vieles deutet auf einen Abschied der beiden Außenverteidiger hin. Zumal Union in Person des Österreichers Christopher Trimmel von Rapid Wien schon einen Spieler für Pfertzels Position verpflichtet hat. Bei Kohlmann wurden die Vertragsverhandlungen im Winter gestoppt, als der Verein sich mitten im Aufstiegsrennen wähnte. Die Bundesliga traute man dem 31-Jährigen dann wohl doch nicht mehr zu.

Im Gegensatz zu Pfertzel, Kohlmann und Haas haben Christian Stuff und Jan Glinker bereits Gewissheit, ihre Verträge werden nicht verlängert.

Die Mannschaft des 1. FC Union wird sich verändern. Spätestens nach dem 1:2 in Sandhausen dürfte die sportliche Führungsriege davon überzeugt sein, dass der aktuelle Kader den ehrgeizigen Zielen nicht genügt. In dieser Besetzung ist die Bundesliga nicht zu erreichen. Noch stehen zwar sieben Spiele in dieser Saison aus, neun Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz und sieben Punkte auf den Relegationsrang sind jedoch kaum noch aufzuholen.

Trainer Uwe Neuhaus hatte in den vergangenen Wochen latent zu verstehen gegeben, dass er sein Team für nicht bundesligatauglich hält. Zuletzt am Dienstagabend in Sandhausen. „Man kann der Mannschaft den Willen nicht absprechen. Aber ich glaube, die Ansprüche, die wir zwischendurch hatten, sind nicht gerechtfertigt“, sagte er. Schon nach den Spielen bei St. Pauli und Paderborn hatte Neuhaus gesagt: „Es ist sicherlich nicht nur Pech bei uns.“ Und gemeint: Die Qualität reicht nicht.

Das wurde vor allem in den Spielen gegen die direkten Konkurrenten deutlich. In Köln, Kaiserslautern oder gegen Fürth gab es in der Hinrunde klare Niederlagen, dazu konnte Union sechs Spiele in Folge nicht gewinnen. In der Rückrunde wartet man aktuell seit fünf Spielen auf einen Sieg. Wer sich solche Negativserien leistet, kann nicht aufsteigen. Dabei hatte Union im Schneckenrennen der Zweiten Liga oft die Möglichkeit, sich abzusetzen – und versagte. Seit Jahren war es wohl nicht mehr so einfach, aufzusteigen, weil im Vergleich zu zurückliegenden Spielzeiten alles dominierende Mannschaften wie Hertha BSC oder Eintracht Frankfurt fehlten.

Der größte Schwachpunkt der Mannschaft liegt im Angriff, obwohl Union mit 39 erzielten Toren in dieser Statistik über den drittbesten Wert der Zweiten Liga verfügt. Von den 39 Treffern gehen aber nur zehn auf das Konto der beiden Mittelstürmer Adam Nemec und Simon Terodde. Beide stehen bei fünf Saisontoren. Dazu war das Spiel nach vorne oft von Einfallslosigkeit geprägt. Gerade in den Heimspielen, wenn die Gegner sich tief in ihre Hälfte zurückzogen, fehlte es an Ideen, das Abwehrbollwerk zu durchbrechen. Nicht selten musste eine Standardsituation durch Torsten Mattuschka herhalten, um erfolgreich zu sein.

Uwe Neuhaus ließ den Kapitän in Sandhausen zunächst auf der Bank, um ihn zu schonen, obwohl Union erst am kommenden Montag gegen Cottbus spielt. Im Nachhinein eine unglückliche Entscheidung des Trainers. So wie in Köln, als er Adam Nemec als Ersatz für den gesperrten Mattuschka aufbot, auf Ballbesitz setzte und von den konterstarken Gastgebern überrannt wurde.

Neuhaus wird in der kommenden Saison einen neuen Versuch unternehmen, zusammen mit Mattuschka. Doch das verlorene Jahr schmerzt den Kapitän. Er ist mittlerweile 33 Jahre alt. Es wird immer unwahrscheinlicher, dass er Union in der Bundesliga als Kapitän aufs Feld führt.

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