Union war gestern : Hertha empfängt offensive Karlsruher

Im Mai 2009 verabschiedete sich der Karlsruher SC mit einem 4:0 über Hertha BSC aus der Bundesliga. Nach dem Abstieg der Berliner ein Jahr später treffen sich die beiden Teams heute in der Zweiten Liga wieder.

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Der Brasilianer Raffael spiegelt wie kein Zweiter Herthas Anpassungsprobleme in der Zweiten Liga wieder.
Der Brasilianer Raffael spiegelt wie kein Zweiter Herthas Anpassungsprobleme in der Zweiten Liga wieder.Foto: dpa

Berlin - Gar nicht so einfach, die Sache mit der Qualität. In der vergangenen Saison hat sie Hertha BSC so sehr gefehlt, dass sich der damalige Kapitän laut und publikumswirksam darüber ausließ und sein Verein dabei abstürzte in Liga zwei. In diesem Jahr nun ist angeblich so viel Qualität vorhanden, dass das Vertrauen darauf die Herrschaften in Blau-Weiß zu einer gewissen Überheblichkeit verleitet und zum Verzicht auf Laufbereitschaft und Zweikampfführung. So jedenfalls hat Trainer Markus Babbel das seltsame Berliner Derby am Freitag beim 1. FC Union gedeutet. Wer nach nicht einmal zwei Minuten 1:0 führt und sich dann von einem mit eher bescheidenem Talent gesegneten Gegner an die Wand spielen lässt, der muss irgendetwas falsch gemacht haben. Nur mit Qualität allein geht es nicht in dieser Liga der gepflegten Grätschkultur.

Da trifft es sich ganz gut, dass Hertha am Dienstag (17.30, Olympiastadion) auf den Karlsruher SC trifft – eine Mannschaft, die nach Babbels Dafürhalten zu den technisch besten der Liga gehört. Vor einer Woche war der KSC mitverantwortlich für das bislang spektakulärste Spiel dieser Saison, es fand statt bei Energie Cottbus und endete 5:5. „Die können richtig gut nach vorne spielen“, findet Babbel und natürlich erwartet er das auch von seiner Mannschaft. Dann ist da noch die leidige Systemfrage, zu der Babbel nur sagen mag, „dass ich das System schon im Kopf habe“ und allein die personelle Ausgestaltung noch offen sei.

Er wird es wohl wieder mit den beiden zentralen Offensivgestaltern Raffael und Domowtschiski versuchen. Am Freitag hatte das nicht so gut funktioniert, was vor allem an Raffael lag. Der Brasilianer spiegelt wie kein Zweiter Herthas Anpassungsprobleme in der ungeliebten Liga wieder. An guten Tagen ist Raffael der beste Spieler zwischen Osnabrück und Aue, an schwächeren steht er mit seiner an Lustlosigkeit grenzenden Körpersprache für die vermeintliche Arroganz einer Mannschaft, die den Aufstieg in Gedanken schon geschafft hat.

Für Babbels Aufstiegsmission ist es von zentraler Bedeutung, Raffael einen der Zweiten Liga angemessenen Qualitätsbegriff näher zu bringen. Babbel hat es mit öffentlicher Zurechtweisung versucht, aber so einfach ist der Fall nicht. Beim 3:1 vor zwei Wochen gegen Bielefeld deutete der Brasilianer zumindest an, wie groß sein Wert auch im körperbetonten Kraftfußball sein kann. Doch schon gegen Union verlor sich seine Kunst wieder zwischen robusten Abwehrbeinen. Fortsetzung folgt am Dienstag.

So will Hertha spielen: Aerts – Lell, Hubnik, Mijatovic, Kobiaschwili, Niemeyer – Rukavytsya, Raffael, Domowtschiski – Ramos, Friend.

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