Sport : Union will Geld für Heimweh

Kostadin Widolow von Berlins Zweitligisten will zurück nach Bulgarien, und der Verein würde gern daran verdienen

Karsten Doneck

Berlin. Im ICE fuhr die Mannschaft gestern Mittag von Berlin nach Karlsruhe. Knapp fünfeinhalb Stunden Bahnfahrt als Vorbereitung auf die Partie heute beim Karlsruher SC – nicht unbedingt für jeden Fußballprofi ein Genuss. Kostadin Widolow indes blieb die Reise erspart. Der Regisseur des Zweitligisten 1. FC Union schlägt sich derzeit mit zwei Problemen herum: mit einer langwierigen Oberschenkelzerrung und – weitaus schlimmer noch – mit Heimweh. Der Bulgare hat bei seinem Arbeitgeber um Auflösung seines bis Juni 2004 befristeten Vertrages gebeten. Er will seiner Ehefrau und den Kindern folgen, die nach einem kurzen Berlin-Aufenthalt längst wieder in Sofia leben.

Union ist nicht abgeneigt, den Wunsch Widolows zu erfüllen. Der Verein muss mit jedem Euro-Schein knausern, und der 33-jährige Spielmacher ist mit einem geschätzten Monatsgehalt von rund 15 000 Euro der Topverdiener bei den Köpenickern.

Alle in der Zweiten Liga sind sich einig: Kostadin Widolow ist ein technisch blendend ausgebildeter Fußballer, ein Mann, der eine Mannschaft führen kann, dem mitunter traumhafte Pässe gelingen und dessen Freistöße die Sprungkraft gegnerischer Torhüter oft überfordern. Aber: Seine Leistungskurve ging zuletzt steil bergab. „Er hat in der Hinrunde höchst selten sein Potenzial abgerufen“, sagt Unions Sprecher Lars Töffling. Seit seiner verletzungsbedingten Auswechslung im DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen kam er nicht wieder richtig auf die Beine.

Sportlich glaubt der 1. FC Union, den Verlust Widolows verschmerzen zu können. In seine Rolle hat sich zuletzt Thomas Sobotzik recht ordentlich „eingearbeitet“. In der Begegnung heute in Karslruhe, für die Sobotzik ebenso gesperrt ist wie Steffen Baumgart und Björn Joppe, wird wohl Chibuike Okeke Regie führen, denkbar wäre in dieser Rolle aber auch ein Allzweck-Fußballer wie der 24-jährige Florian Bruns. Genug Ersatz also. Dass Union dennoch einer sofortigen Vertragsauflösung mit Widolow nicht zustimmt, hängt damit zusammen, dass der Verein gerne noch ein bisschen Geld aus dieser Geschichte herausschlagen möchte – notfalls um zum Jahreswechsel selbst noch mal auf dem Transfermarkt aktiv zu werden.

Widolow habe, so heißt es bei Union, vor der Saison eine Einmalzahlung in Höhe eines Monatsgehalts bekommen. Diese Summe würde der Verein bei einer vorzeitigen Vertragsauflösung gerne verrechnen. Außerdem gibt es Gerüchte, Lewski Sofia, vom ehemaligen Union-Trainer Georgi Wassilew trainiert, biete Widolow einen neuen Arbeitsplatz. Dann, so glauben die Verantwortlichen bei Union, ließe sich sogar noch eine Ablösesumme herausschlagen.

„Bis Ende nächster Woche werden wir diese Angelegenheit vom Tisch haben“, kündigt Lars Töffling an. Dass Widolow geht, gilt als nahezu sicher. Töffling: „Wir können ihn ja nicht anketten.“

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