Sport : Unions Antwort

Der 2:1-Sieg bei Waldhof Mannheim hat Trainer Georgi Wassilew etwas Ruhe verschafft – bis zur nächsten Niederlage

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Von Karsten Doneck

Mannheim. André Egli bekam ein Ständchen. Und zwar ein wenig charmantes. Nach einer bekannten Kindermelodie teilten die Zuschauer dem Trainer aus der Schweiz lauthals singend mit: „Egli, deine Welt sind die Berge.“ Dorthin würden die Fans des Fußball-Zweitligisten SV Waldhof Mannheim ihren Coach am liebsten zurückjagen. Spätestens nach der 1:2–Heimniederlage am Freitagabend gegen den 1. FC Union zählt Egli plötzlich zu den Kandidaten, deren Position schon recht wacklig ist, obwohl in der neuen Saison noch nicht mal die ersten beiden Spieltage komplett abgewickelt sind.

Wie gut hat es da doch Georgi Wassilew. Unions Trainer steckte selbst in der Klemme nach dem 0:2-Fehlstart vor einer Woche gegen Mainz 05. Die Debatte ist nach dem Gewinn der drei Punkte verstummt. Das Tor von Sreto Ristic zum 2:1 nach exakt einer Stunde machte es möglich, dass Wassilew freudig registrierte: „Wir können jetzt wieder in Ruhe arbeiten.“ Süffisanter Zusatz: „…bis zur nächsten Niederlage jedenfalls.“

Ristic selbst hatte nach seinem Tor, von Steffen Baumgart brillant vorbereitet, gar nicht erst die Gratulation der Mitspieler abgewartet, sondern war schnurstracks zur Außenlinie gerannt. Dort schloss er erst einmal Georgi Wassilew in die Arme, dem so viel Zuneigung fast ein bisschen peinlich zu sein schien. Es war nur eine kurze Umarmung, aber mit tiefem Hintersinn, wie Ristic später einräumte: „Der Trainer hat eine Menge unberechtigter Kritik einstecken müssen. Ich habe mit ihm gelitten. Er hat ja nach dem Mainz-Spiel alle Schuld von uns abgewälzt und auf sich genommen, schon allein das zeugt von seiner Klasse.“

Am Ende entstand fast schon der Eindruck, Unions Mannschaft habe nicht für sich, schon gar nicht für den Verein, sondern einzig zur Rehabilitierung des Trainers gewonnen. Salif Keita, der in Mannheim der Schütze zum 1:1 war, spürte schon nach der Pleite gegen Mainz, dass ein neuer Geist über der Wuhlheide schwebte. „Die Spieler waren vorige Woche im Training sehr aggressiv, wir haben hart gearbeitet“, sagte Keita. In Mannheim bot Union spielerisch anfangs äußerst Biederes. Aber: Die Mannschaft kämpfte verbissen, verschaffte sich mit unbändigem Einsatz Respekt. Allmählich gewann sie dadurch an Sicherheit – und fand auch spielerisch ihre Linie.

„Das war genau die richtige Antwort, die wir geben mussten“, sagte Präsident Heiner Bertram und schien heilfroh, endlich alles Krisengerede vom Tisch zu haben.

Bei so viel Freude und Wohlwollen wollte sich offenbar auch Georgi Wassilew nicht lumpen lassen. Zeugwart Detlef Schneeweiß war im Auftrag des Bulgaren nach dem Abpfiff für kurze Zeit in Mannheims Nacht eingetaucht. Als er ins Carl-Benz-Stadion zurückkehrte, hatte er im Materialwagen, in dem sonst Bälle und Trikots transportiert werden, auch zwei Kästen Bier. Diesen Teil der Fracht lud er um in den zur Abfahrt nach Berlin bereitstehenden Mannschaftsbus. Wassilew spendierte den Spielern das Bier. Verteidiger Daniel Ernemann fand dazu das passende Schlusswort: „Die Trainerdiskussion war absolut unnötig.“

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