Sport : Unions Hammelsprung

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Benedikt Voigt über Auswirkungen der Entscheidung auf die Bundesliga

Die Methode kennt man aus dem Bundestag. Wenn das Abstimmungsverhältnis unklar ist, müssen die Abgeordneten den Sitzungsraum verlassen und durch unterschiedliche Türen zurückkehren, über die „Ja“, „Nein“ oder „Enthaltung“ geschrieben steht. Hammelsprung nennt sich diese Art der Entscheidungsfindung, die gestern auch der 1. FC Union anwandte. Nacheinander mussten die Spieler des Zweitligisten die Tür zum Geschäftszimmer des Vizepräsidenten Bernd Hofmann durchschreiten, um dort jeweils einzeln ihr Abstimmungsverhalten zur fünfprozentigen Kürzung des eigenen Gehaltes kundzutun. 15 sagten „Ja“, 6 enthielten sich. Die übrigen 35 Klubs der finanzkrisengeplagten Bundesligen werden das Ergebnis mit großem Interesse registriert haben.

Längst wird auch in Cottbus, Kaiserslautern oder Stuttgart über Gehaltseinbußen der Spieler debattiert oder in Form von Prämienverzicht durchgesetzt. Doch neben Mannheim, wo bereits der dritte Spieler entlassen wurde, ist die Vorgehensweise bei Union die radikalste. Die Wahl zwischen Gehaltskürzungen oder Kündigung ist rechtlich umstritten. Der Sportjurist Reinhard Rauball sagte in der „Bild am Sonntag“: „Der betreffende Spieler könnte vor das Arbeitsgericht ziehen, um sein Geld einzuklagen.“

Trotzdem waren 15 Spieler bereit, den Weg des Präsidiums mitzugehen. Zu ihrer Entscheidung dürfte beigetragen haben, dass sogar der Anwalt der Spielervereinigung nach Akteneinsicht überzeugt ist, dass der Verein nur durch den Gehaltsverzicht in der Lage ist, den Spielbetrieb über die Saison hinaus aufrecht zu erhalten. Es kann nämlich angesichts der Finanzkrise der Liga sein, dass der gestrige Hammelsprung nicht das letzte Mal war, dass sich die Spieler in einer Schlange anstellen müssen. Das kann ihnen auf dem Arbeitsamt auch passieren.

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