Sport : Unklarheit am Clearing Point

Robert Ide

Das tut weh: Vor den Stadiontoren betteln Fans um Karten, drinnen bleiben Sitzreihen frei. Zugegeben, es sind seltene Bilder bei einer freudvollen WM. Trotzdem muss jeder Fall untersucht werden – vor allem die Panne in Leipzig, als im ausverkauften Zentralstadion gut 1000 Plätze frei blieben. Die Indizien, dass Sponsoren die Karten verfallen ließen, sind genau zu überprüfen, um Wiederholungen zu verhindern.

Der Kartenverkauf funktioniert nicht, so einfach könnte die Erklärung sein. So einfach ist es nicht. Die deutschen Organisatoren haben – auch im Streit mit dem Fußball-Weltverband Fifa – ein System durchgesetzt, das zwar kompliziert, aber transparent ist. Durch die Personenbindung der Karten kann zumindest ansatzweise nachvollzogen werden, wer Karten nicht nutzt oder illegal weitergibt.

Der Kartenverkauf funktioniert, aber nicht in der ursprünglichen Form. Viele Fans halten sich an die Personenbindung, mehr als 100 000 ließen ihre Karten kurzfristig umschreiben. Die Organisatoren haben dagegen heimlich die Regeln aufgeweicht, um keinen Ärger mit abgewiesenen Fans zu riskieren. So gelangen immer mehr Besucher mit Karten vom Schwarzmarkt in die Arenen (wie bei vielen Weltmeisterschaften zuvor), so können Karten nach gescheiterter Einlasskontrolle nachträglich umgebucht werden (wie bei keiner WM zuvor). An den so genannten „Clearing Points“ wird das System der Realität angepasst.

An den Fans liegt es wohl nicht, dass Plätze frei bleiben. Sie verkaufen ungenutzte Karten einfach weiter.

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