Sport : Unkreativ und schlampig

Die Eisbären schlagen Kassel nach schlechtem Spiel 4:2 und sind jetzt wieder Tabellenführer

Claus Vetter

Berlin. Irgendwie passte das Spiel zum Wetter. Es wehte ein kräftiger Wind, dunkle Wolken hingen am Himmel, Regen war angesagt, alles in allem eine triste Angelegenheit. Mitunter fühlte man diese Stimmung auch im Sportforum Hohenschönhausen. Dabei hätte man sich am Sonntag unterm Dach ein wenig mehr Ablenkung von der Silhouette am Himmel gewünscht.

Aber die Eisbären wollten oder konnten gestern nicht durchweg für blendende Laune sorgen. Aber – und das war für die 5000 Zuschauer im ausverkauften Sportforum dann doch erfreulich –, das Ergebnis litt nicht unter der durchschnittlichen Leistung der Berliner. Die Eisbären kamen gegen die Kassel Huskies zu einem ungefährdeten 4:2 (2:0, 0:0, 2:2)-Erfolg, und weil Mannheim am Abend in Düsseldorf verlor, sind sie jetzt wieder Tabellenführer.

Es war keine glückliche Nachricht, die Eisbären-Trainer Pierre Pagé gestern Mittag von Ricard Persson erfuhr. Der schwedische Verteidiger in Diensten der Eisbären musste mit einer Blinddarmentzündung ins Krankenhaus, er wurde noch am Abend operiert. Da zudem John Gruden (Hüftverletzung) wieder passen musste, wurde es eng in der Defensivabteilung. So kam es dann, dass nicht nur Sven Felski, sondern mit Florian Keller ein weiterer etatmäßiger Stürmer in der Verteidigung aushelfen musste.

Ohne die Leistung von Felski und Keller schmälern zu wollen: Die Ideen von Gruden und Persson wurden gestern im Berliner Spiel schmerzlich vermisst. Unkreativ und teilweise schlampig und zu wenig dynamisch gingen die Eisbären meist zu Werke. Das war allerdings kein Problem, denn schließlich klappte zumindest das Überzahlspiel. Zwei Tore gelangen den Berlinern im ersten Drittel bei numerischer Überlegenheit. Und eigentlich hätte der Schiedsrichter nach den Treffern von Steve Walker und Yvon Corriveau auch schon das Spiel für beendet erklären können oder zumindest dafür plädieren können, zumindest das zweite Drittel auszulassen. Da Derartiges natürlich nicht passierte, durften sich alle Zuschauer 20 Minuten lang kräftig langweilen. Erst im letzten Drittel wurde es wieder bunter und mitunter sogar ganz interessant.

Zunächst gelang Steve Walker das 3:0. Dann durften die harmlosen Huskies doch einmal Eisbären-Torhüter Oliver Jonas überwinden: Nach 48 Minuten gelang dem ehemaligen Eisbären-Stürmer Mikael Wahlberg der Anschlusstreffer. Und tatsächlich, es wurde doch noch ein wenig dramatisch. Zumindest für ein paar Minuten. Denn neun Minuten vor Schluss beendete Corriveau mit seinem zweiten Tor alle Spannung. Dafür sorgte Rob Leask noch mit einem Check für Trubel und durfte vier Minuten vor Spielende vorzeitig in die Kabine. Das bedeutete für die Eisbären: noch ein Verteidiger weniger, und zudem mussten sie nach der Tat von Leask bis Spielende in Unterzahl agieren. So kam Kassel elf Sekunden vor Schluss sogar noch zu einem zweiten Tor. Aber das spielte nun auch keine große Rolle mehr. Die Berliner Fans ließen sich ihre Freude durch dieses Gegentor nicht nehmen.

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