Sport : Unparteiische vor Gericht

Robert Hoyzer und Dominik Marks müssen sich in Moabit verantworten – ebenso wie der Spieler Steffen Karl und die Gebrüder S. vom Café King

Steffen Hudemann

Berlin - Eine Einbrecherbande, die in mehr als 30 Fällen Geld und Computer gestohlen haben soll. Eine 69-jährige Berlinerin, der vorgeworfen wird, ihren Mann erstochen zu haben. Eine Anklage wegen einer Vergewaltigung in einer Britzer Gartenlaube und ein Prozess wegen sexuellen Missbrauchs. Das ist nur ein Auszug dessen, was heute Morgen im Kriminalgericht Moabit auf der Tagesordnung steht. Das Kriminalgericht beherbergt die Strafsachen der Berliner Amtsgerichte, des Landgerichts und die Büros der Staatsanwaltschaft. Es ist das größte Gerichtsgebäude Europas. An den mächtigen Altbau aus wilhelminischer Zeit an der Turmstraße ballen sich scheinbar endlose hässliche Zweckbauten aus späteren Jahrzehnten. Viele sagen, das Moabiter Gericht sei ein Moloch.

Und doch gibt es immer wieder Strafverfahren, die herausragen aus der alltäglichen Kriminalität. Der Fall Hoyzer gehört dazu. „Das schlägt derzeit alles“, sagt Arnd Bödeker, Sprecher der Berliner Strafgerichte, über den Prozess, der heute um 10 Uhr im Saal 500 über dem Hauptportal beginnt. Nicht die Schwere der Tat ist ungewöhnlich, sondern die sportpolitische Brisanz. Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Profifußballs steht ein Schiedsrichter vor Gericht, weil er Spiele manipuliert haben soll, weil er für Geld seine Unparteilichkeit verkauft hat. Zugleich erhofft sich die Öffentlichkeit einen Einblick in die dubiose Welt der Profizocker, die aus den Hinterzimmern des Café King, unweit des Berliner Kurfürstendamms, Ergebnisse beeinflussten und Wetten in ganz Europa platzierten.

Für den Prozess gegen die Schiedsrichter Robert Hoyzer, 26, und Dominik Marks, 30, den Spieler Steffen Karl, 35, sowie die Gebrüder S., Ante, 29, Milan, 40, und Filip, 37, stehen 52 Presseplätze im zweitgrößten Saal des Gerichts bereit, „deutlich mehr als 100 Journalisten“ hätten angefragt, sagt Bödeker. Außerdem gibt es 60 Plätze für interessierte Zuschauer. Wer den Prozess beobachten möchte, muss vor allem am ersten Verhandlungstag sehr früh aufstehen.

Gelegenheiten, die Verhandlung zu verfolgen, wird es allerdings noch viele geben. Die 12. Große Strafkammer des Landgerichts, besetzt mit drei Berufsrichtern und zwei Schöffen unter Vorsitz der Richterin Gerti Kramer, wird vorerst bis zum Jahresende jeweils dienstags und donnerstags zusammentreten. Die Anklageschrift umfasst 289 Seiten. Als Tatorte werden Berlin, Frankfurt, Dortmund, die italienischen Städte Viroli und Frosinone sowie Ankara genannt. 170 Zeugen hat die Staatsanwaltschaft aufgeboten. Auch wenn das Gericht nur einen Teil davon hören wird, könnte sich der Prozess bis weit ins WM-Jahr 2006 hinein strecken.

In allen sechs Fällen lautet die Anklage auf gewerbs- und bandenmäßigen Betrug. Die vorgeworfenen Taten unterscheiden sich jedoch gewaltig. Steffen Karl soll unter anderem versucht haben, den damaligen Cottbuser Torhüter Georg Koch anzuwerben. Während Karl als eher kleines Licht noch auf eine Geldstrafe hoffen darf, muss der mutmaßliche Drahtzieher Ante S., der als einziger Beschuldigter noch in Untersuchungshaft sitzt, im Fall einer Verurteilung mit einer mehrjährigen Gefängnisstrafe rechnen.

Robert Hoyzer wird darauf hoffen, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen. Mildernde Umstände hat er jedenfalls rechtzeitig geschaffen. Mit seinem umfassenden Geständnis hat er die Aufklärung des Skandals vorangetrieben. Im Vergleich zu Ante S. machte er eher bescheidene Gewinne. Robert Hoyzer ist nicht vorbestraft, und Wiederholungsgefahr besteht ohnehin nicht. An die Pfeife wird man ihn in Deutschland schließlich nicht mehr lassen.

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