Sport : „Uns fehlt das Aha-Erlebnis“

DTB-Präsident von Waldenfels über Schüttlers Ausscheiden

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GEORG VON WALDENFELS (59)

Der Rechtsanwalt ist seit 1999 Präsident des Deutschen Tennis Bundes. Zuvor arbeitete er auch als bayrischer Finanzminister.

Foto: dpa

Wie haben Sie das Ergebnis von Rainer Schüttlers nächtlichem Erstrundenmatch bei den Australian Open erfahren?

Ich musste heute Morgen sehr früh losfahren, da habe ich die Nachricht in meinem Autoradio auf Bayern 3 gehört.

Konnten Sie das Auto noch in der Spur halten, nachdem Sie gehört hatten, dass er gegen einen 19-jährigen Schweden verloren hatte?

Das ging schon noch. Jeder weiß, dass das Herren-Feld bei den Australian Open sehr eng ist und dort viele Spitzenspieler antreten.

Aber Robin Söderling zählt nicht wie Rainer Schüttler zu den Spitzenspielern der ATP-Tour.

Der hatte eben eine Sternstunde, das muss man akzeptieren. Rainer Schüttler bleibt ein Weltklassespieler, auch wenn er in diesem Jahr noch nicht gewonnen hat. Er braucht nur ein Erfolgserlebnis.

Wann wird er das haben?

Keiner wird mehr deprimiert sein als Rainer Schüttler selbst. Er muss sich mental topfit fühlen, dann wird auch die alte Stärke zurückkommen.

Wie weit wirft das den Deutschen Tennis Bund zurück? Nur noch fünf Spieler stehen im Wettbewerb, alle vier deutschen Spieler, die am Montag spielten, verloren ihr Match.

Wir werden das Aha-Erlebnis vermissen, das wir im vergangenen Jahr durch Schüttlers Finaleinzug in Melbourne hatten. Das ist mehr als bedauerlich. Aber wir haben in diesem Jahr auch den Daviscup, der auf uns zukommt.

Da geht es um die Rückkehr in die Weltgruppe.

Es geht darum, eine gute Mannschaft zu basteln. Wenn Schüttler, Kiefer und Haas alle wieder richtig spielen könnten, wären wir in der Weltklasse. Aber da sind wir wieder bei dem Wort „wenn“.

Wer könnte nun in Melbourne überraschen?

Vielleicht Nicolas Kiefer. Man weiß ja, dass er vorne mitspielen kann.

Für Sie hat das Aus von Schüttler einen Vorteil. Sie werden wohl nicht mehr wie vor einem Jahr innerhalb von 24 Stunden nach Australien zum Finale jetten müssen.

Glauben Sie mir, ich hätte das gerne wieder gemacht.

Das Gespräch führte Benedikt Voigt .

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