Sport : Unschlagbar – bis in die nächste Generation

Seit zwölf Jahren haben die deutschen Fußballerinnen bei einer EM nicht mehr verloren – ein Ende ihrer Dominanz ist nicht in Sicht

Andreas Morbach[Blackburn]

Ein bisschen erschöpft sah Bjarne Berntsen aus, ansonsten aber war der gemütliche Coach mit sich und seinen norwegischen Fußballerinnen ganz offensichtlich im Reinen. Er blickte aus müden Augen in die Runde und erklärte: „Mit der Silbermedaille bin ich zufrieden.“ Zufrieden damit, das Finale der Europameisterschaft erreicht und dort dann achtbar nur 1:3 gegen Deutschland verloren zu haben. „Denn“, machte Berntsen zum besseren Verständnis kurz deutlich: „Wir haben heute gegen das beste Team der Welt gespielt.“

Bis zum Sonntagabend ist das „beste Team der Welt“ von Tina Theune-Meyer betreut worden. Die Bundestrainerin, die ihren Posten nun an Assistenztrainerin Silvia Neid übergibt, versprach ihrer Mannschaft als letzte Amtshandlung ein größeres Fest. „Bei der Abschlussbesprechung hat sie gesagt: Ich habe heute total Bock auf eine Party“, berichtete Innenverteidigerin Steffi Jones. Bevor sich dann Trainerin und Mannschaft im Prestoner Mannschaftshotel ins Getümmel warfen, machte sich Birgit Prinz noch ein paar Gedanken über Tina Theune-Meyer. „Da gibt es so viele Kleinigkeiten, die einen an sie erinnern. Ich weiß gar nicht, wie es ohne sie werden wird“, sagte die Kapitänin leise. Währenddessen musste die gelöste Trainerin ihrerseits eine Liebeserklärung an ihr Team loswerden. „Einfach klasse“ seien ihre Spielerinnen, sagte Theune-Meyer.

Mitten in den Feierlichkeiten interessierte nicht mehr, dass die Vorstellungen der Deutschen beim Turnier in England vor dem sehenswerten Endspiel gegen Norwegen nicht nur glanzvoll waren. Aber es reichte halt gegen die europäische Konkurrenz, die weiter denn je vom Leistungsniveau der Deutschen entfernt scheint. Was die Zukunft der Mannschaft angeht, stehen die Chancen auf eine Titelverteidigung bei der Weltmeisterschaft 2007 in China wohl nicht schlecht. Auf dem eigenen Kontinent ist die Erfolgsserie der deutschen Fußballerinnen beängstigend für die Konkurrenz: Seit zwölf Jahren, seit 20 Spielen, haben die Deutschen bei EM-Endrunden nicht mehr verloren. „Ja, Wahnsinn“, fällt Theune-Meyer bei dieser Statistik bloß ein. Und die neue Bundestrainerin Silvia Neid, neun Jahre lang ihre Assistentin, wird nun versuchen, diese Serie noch weiter auszudehnen.

Einige der frisch gekürten Europameisterinnen, vor allem im Abwehrbereich, haben dabei aber das beste Fußballerinnenalter bereits überschritten. Steffi Jones ist 32, Außenverteidigerin Sandra Minnert ebenfalls, Torhüterin Silke Rottenberg 33. Aber diese Frauen denken noch nicht ans Aufhören. „Ich denke, dass die alle noch die WM spielen wollen“, sagte Tina Theune-Meyer.

Und sollte doch eine der erfahrenen Spielerinnen an das Karriereende denken – ein Problem stellt das für die künftige Bundestrainerin Neid wohl kaum dar. Denn auch im Nachwuchsbereich sind die deutschen Frauen das Maß aller Dinge: Die U-19-Nationalmannschaft ist im vergangenen November in Thailand Weltmeister geworden.

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