Sport : Unschönes historisches Ereignis Frauenstaffel nach Frühstart disqualifiziert

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Montreal Annika Liebs tauchte ganz schnell ab, wollte keinen mehr sehen und mit keinem mehr reden. Der Neuling im deutschen Team hatte bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Montreal unfreiwillig ein „historisches Ereignis“ heraufbeschworen, wie Cheftrainer Ralf Beckmann die Disqualifikation der Frauenstaffel über 4 x 200 Meter Freistil umschrieb. „Noch nie ist eine deutsche Staffel durch einen Frühstart disqualifiziert worden“, sagte Beckmann. Beim Wechsel von Meike Freitag auf Liebs war diese einen Sekundenbruchteil zu früh von ihrem Startblock abgesprungen.

„Sie hatte so einen Schiss am Morgen, sie war die Nervöseste von uns allen“, sagte die Heidelbergerin Petra Dallmann. Am vergangenen Sonntag hatte Liebs noch zu der Freistilstaffel gehört, die über 4 x 100 Meter die Silbermedaille gewann. Vor der zweiten Staffel litt die 25 Jahre alte Würzburgerin an einer Halsinfektion. Bis 7.30 Uhr am Donnerstagmorgen stand nicht fest, ob sie überhaupt schwimmen konnte. Sie konnte. Und sie schwamm laut Ralf Beckmann „Weltklasse“, die Finalteilnahme stand eigentlich außer Frage. Bis dann das Team wegen des Frühstarts disqualifiziert wurde.

„Scheiße. Es ist blöd für die Annika. Aber das passiert schon mal. Wir machen ihr keinen Vorwurf“, sagte Petra Dallmann. Diesen Trost musste sie ihrer Team-Gefährtin allerdings über das Fernsehen zusprechen – die 25 Jahre alte Liebs war verschwunden. „Sie soll sich erst einmal beruhigen“, sagte Bundestrainer Beckmann zu dem Verhalten der deutschen Meisterin über 200 Meter Rücken.

Schon zwei Mal waren deutsche Quartette Weltmeister über 4 x 200 Meter Freistil. Mit Ausnahme der WM in Barcelona 2003, als das Team nach einem schwachen Vorlauf ausschied, hatte es immer Medaillen gegeben. In Kanada hatte Beckmann wieder mit einer Medaille geliebäugelt, „weil wir im Finale ganz sicher sechs Sekunden schneller gewesen wären“. Und mit einer hoch gerechneten Zeit von unter acht Minuten hätte ein vorderer Platz erreicht werden können.

Den Teamkolleginnen Meike Freitag, Petra Dallmann und Sophie-Luise Dietrich tat Annika Liebs „einfach nur Leid“, wie Petra Dallmann sagte. Bundestrainer Beckmann fügte hinzu, einer hoch motivierten Athletin sei „ein Missgeschick passiert. Äußeren Druck hat es nicht gegeben“. Niemand im Team des Deutschen Schwimm-Verbandes werde ihr irgendeinen Vorwurf machen: „Es gibt keinen Tritt obendrauf, sondern Unterstützung, Motivation und Hilfe“, sagte Beckmann. dpa

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