Unser Blog zum Bundesliga-Wochenende : Hertha und die Überraschungsteams

Außerdem heute im Bundesligablog: Entscheidet Bayern am Sonntag die Meisterschaft? Trifft Lewandowski 100fach? Hat es sich schon ausgetuchelt beim BVB?

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Hertha Per Skjelbred feiert das 1:1 bei Eintracht Frankfurt
Hertha Per Skjelbred feiert das 1:1 bei Eintracht FrankfurtFoto: AFP

Hertha und die Überraschungsteams. Zum Abschluss noch ein Wort zu den Überraschungsmannschaften. Hertha BSC vor dem 1. FC Köln vor dem FC Ingolstadt vor Darmstadt 98! Wer hätte das erwartet? Auf Platz 15 bis 18 vielleicht, aber auf Rang sechs bis neun? Selbst Dauer-Relegationsteilnehmer Hamburger SV auf Platz zehn geht fast schon als Sensation durch. Die Aufsteiger bestechen dabei auswärts mit Minimalistenfußball, Ingolstadt holte so in der Fremde zehn Punkte, Rekord für einen Bundesliga-Neuling. Darmstadt punktete nach einem Sieg in Leverkusen und einem Remis bei Schalke auch beim 2:2 in Dortmund. Köln kann sich dagegen auf den neuen Stürmer Anthony Modeste verlassen, der die Hälfte der zehn Kölner Saisontore erzielte. Und Hertha? "Wir haben die Punkte alle verdient und nicht durch Zufall geholt", sagt Trainer Pal Dardai nach dem 1:1 in Frankfurt, das die Berliner in den Europapokalrängen hält. Doch lesen Sie mehr darüber in unserem Bericht von Michael Rosentritt (Link), der Blog verabschiedet sich mit 100fachem Dank fürs Lesen.

Hat es sich schon ausgetuchelt beim BVB? An dieser Stelle übergebe ich das Wort an unsere Leser. "Bye Bye BVB", schreibt User "karamergen" unter unserem Spielbericht zum 2:2 von Borussia Dortmund gegen Darmstadt 98. "Hurra, langsam hat's sich ausgetuchelt", kommentiert User "alleachtung" schadenfreudig. Etwas fachkundiger analysiert BVB-Fan "belo2013": "Alle Medien [...] behaupten, dass der BVB unter Tuchel anders spielt als unter Klopp. Das mag stimmen, aber am Ende sind es immer noch die gleichen Arten von Gegentoren, die gleichen nicht genutzten Chancen." Nach elf Pflichtspielsiegen zum Start reichen zwei Unentschieden in Folge offenbar, um die Euphorie in Dortmund kippen zu lassen. Und das vor dem Spitzenspiel am Sonntag bei den Bayern. Auch Mats Hummels ist die gute Laune vergangen. Der BVB-Kapitän schlug nach dem späten Ausgleich erst gegen eine Werbebande und kritisierte dann die Mitspieler: "Wir haben anscheinend den Sieg nicht gewollt. Das ist keine Verteidigung."  Trainer Thomas Tuchel gefiel der Satzbau nicht: "Ich tue mich schwer mit dem Satz 'Man muss das besser verteidigen'. Das ist für mich eine Floskel. Ich gehe aber davon aus, dass Mats sich von der Kritik nicht ausgenommen hat." Mit eingenommen in die Kritik hat Hummels auf jeden Fall Tagesspiegel-User "Lulla": "Der fuchtelnde Hummels ist selbst Teil des - relativen! - Desasters beim BVB", lautet sein Kommentar. "Besonders seine Reaktionsgeschwindigkeit ist am Zerfallen."

BVB-Trainer Thomas Tuchel war nach dem späten 2:2 gegen Darmstadt wenig amüsiert.
BVB-Trainer Thomas Tuchel war nach dem späten 2:2 gegen Darmstadt wenig amüsiert.Foto: dpa

Entscheiden die "halbstarken" Bayern am Sonntag die Meisterschaft? Eine Schwäche hat Lewandowski jedoch: Alle seine zehn Saisontore erzielte er erst in der zweiten Spielhälfte, die Hälfte davon in neun Zweitehalbzeitminuten. Damit passt er gut zu den "Halbstarken" (Bild) aus München, die nur ein Bundesligaverein unter vielen wären, wenn Spiele nach 45 Minuten enden würden. Statt 21 hätten sie dann nur elf Punkte gesammelt, gegen Augsburg und Wolfsburg 0:1 verloren und wären nur Tabellensiebter, weit hinter Halbzeitspitzenreiter Darmstadt 98, der zum Pausenpfiff 14 Punkte sicher gehabt hätte. Auch beim 3:0 gegen Mainz fielen alle Bayern-Treffer nach der Pause. Hinterher sprachen die Spieler davon, man habe den Gegner wieder erst müde spielen müssen. Dazu kommt, dass Trainer Pep Guardiola mit taktischen Umstellungen und Einwechslungen von Spitzenkräften einem Spiel jederzeit eine neue Wendung geben kann, siehe Lewandowski in Wolfsburg, analysiert die "SZ" in ihrer Printausausgabe. Das können Konkurrenten wie Borussia Dortmund in dieser Form nicht. Und so könnten die Münchner am kommenden Sonntag im direkten Duell mit dem Verfolger BVB nicht nur mit dem achten Sieg im achten Spiel ihren eigenen Startrekord aus der Saison 2012/13 einstellen. sondern womöglich die Meisterschaft zum Leidwesen vieler Fans früh in der Saison vorentscheiden. Denn in der zweiten Hälfte wird der FC Bayern bekanntlich ja nur stärker...

Bayerns Robert Lewandowski (l.) zeigt auf seinem Unterhemd die 100, ein dezenter Hinweis auf die Zahl seiner Treffer in der Bundesliga.
Bayerns Robert Lewandowski (l.) zeigt auf seinem Unterhemd die 100, ein dezenter Hinweis auf die Zahl seiner Treffer in der...Foto: dpa

Lewandowski in der Krise? Beim 3:0 gegen Mainz traf Robert Lewandowski nur zweimal, nicht mehr fünffach wie noch gegen Wolfsburg. "Lewy steckt in einer Krise", witzelte Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer. Zehn Tore hat der Pole nun in sechs Einsätzen erzielt. So eine Krise hätten zwölf Bundesligateams gerne, die nach sieben Spieltagen weniger Tore erzielt haben, wie unserem Kolumnisten Frank Lüdecke aufgefallen ist. Ebenso bemerkte der listige Lüdecke, dass der listige Lewandowski für seinen Torjubel keine Gelbe Karte bekam, weil er das Trikot nur anhob, nicht auszog. Aber stand die Zahl 100 auf dem T-Shirt darunter wirklich nur für den insgesamt 100. Bundesligatreffer des Stürmers oder ist sie doch eine Zielvorgabe für diese Saison? Hochgerechnet würde Lewandowski mit seiner Quote auf 34 Spieltage gerechnet am Ende knapp 49 Tore erzielt haben. Das ist nicht einmal die halbe Miete für 100 Treffer, aber wären immerhin neun Tore mehr, als ein gewisser Gerd Müller 1971/72 erzielt hat. Und der hatte damals nach sieben Spieltagen erst drei Treffer auf dem Konto, steckte also auch in der Krise...

Von null auf 100, keine lange Vorrede, kein unnötiger Schnickschnack: Es geht gleich in die Vollen im Bundesliga-Blog. Der Blog-Autor hat zur Vorbereitung schon in 100-T-Shirt von Robert Lewandowski geschlafen, vor Aufregung nur 100 Minuten die Augen zugekriegt und sich 100 gute Fragen für den Blog überlegt: Sind die Bayern schon Meister oder werden Sie es erst am kommenden Sonntag im direkten Duell mit Dortmund? Schafft Lewandowski 100 Tore in dieser Saison oder knackt er nur den Rekord von Gerd Müller? Hat es sich schon ausgetuchelt beim BVB? Was machen Hertha, Köln, Ingolstadt und Darmstadt eigentlich da so weit oben in der Tabelle? Kommt Mönchengladbach da wieder hin - mit André Schubert? Wie lange behalten Stuttgart beziehungsweise Hannover die Geduld mit ihren Trainern Zorniger respektive Frontzeck? Doch erst einmal durchatmen, der Autor trinkt erst einmal 100 Kaffee, der Schlafentzug macht sich bemerkbar, das T-Shirt kratzt. Bis dahin, zum Einstimmen und als Diskussionsgrundlage, hier schon einmal die aktuelle Tabelle:

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