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Unser Blog zum Bundesliga-Wochenende : Joachim Löw wirft Max Kruse aus Kader

Hertha BSC sucht ein neues Stadion, doch braucht dafür Geld. Max Kruse ist nie langweilig und Mario Götze ist traurig.

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Max Kruse ist der etwas andere Profi.
Max Kruse ist der etwas andere Profi.Foto: dpa

Damit möchte ich mich dem Nichtstun widmen und mich von Ihnen verabschieden. Vielen Dank für Ihre Ideen und Anregungen. Bleiben Sie uns gewogen.

16.00 Uhr: Ist Löws Reaktion überzogen?

Jetzt kann sich Kruse nicht viel dafür kaufen, dass er noch einer der wenigen verbliebenen Typen im Fußball ist. Vielleicht ist der definitorische Zusammenhang "Quatsch machen gleich Typ sein" ohnehin großer Käse. Falls Sie meine Meinung interessiert, also ich finde die Reaktion von Löw überzogen. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei der aufdringlichen Frau, die Kruse bei dessen Feier zum 28. Geburtstag fotografiert, um "Bild"-Reporterin Jessica Pillatzki. Kann ja auch nerven, dieses Leben in der Öffentlichkeit. Deswegen war es sicher nicht in Ordnung von Kruse, ihr das Handy abzunehmen. Aber ihn deswegen gleich aus dem Kader werfen? Es lag wohl an der Vermengung von Schlagzeilen, die Kruse machte.

15.30 Uhr: Max Kruse aus dem Kader der Nationalmannschaft gestrichen

Jetzt kam gerade folgende Meldung vom DFB rein: "Bundestrainer Joachim Löw hat Max Kruse vom VfL Wolfsburg aus dem Kader der Nationalmannschaft gestrichen. Ausschlaggebend hierfür waren verschiedene Vorfälle, in denen der 28 Jahre alte Kruse nach Einschätzung des Bundestrainers seiner Vorbildrolle als Nationalspieler nicht nachgekommen sei und sich unprofessionell verhalten habe. 'Schon vergangene Woche habe ich Max Kruse klar gesagt, was ich von ihm erwarte, sowohl auf als auch neben dem Platz'", wird Bundestrainer Joachim Löw in der Pressemitteilung zitiert. "Ich möchte Spieler, die sich auf den Fußball und die EM konzentrieren, auch zwischen den Spielen. Der Vorfall am zurückliegenden Wochenende widerspricht meinen Erwartungen. Max hat sich zum wiederholten Male unprofessionell verhalten. Das akzeptiere ich nicht. Die Europameisterschaft im Sommer wirft ihre Schatten voraus, dort haben wir mit der Nationalmannschaft große Ziele. Wir brauchen Spieler, die fokussiert und konzentriert und sich auch ihrer Vorbildrolle bewusst sind."

Laut DFB betrifft die Suspendierung zunächst die beiden bevorstehenden Länderspiele am Samstag, 26. März (ab 20.45 Uhr, live im ZDF), in Berlin gegen England und am Dienstag, 29. März (ab 20.45 Uhr, live in der ARD), in München gegen Italien. "Wir waren auch ständig in Kontakt mit dem VfL Wolfsburg und haben uns eng mit Klaus Allofs und Dieter Hecking abgestimmt", sagte Manager Oliver Bierhoff.

Das nunmehr aus 26 Spielern bestehende Aufgebot der Nationalmannschaft trifft sich am Dienstag in Berlin.

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Löw streicht Kruse aus DFB-Kader
Löw streicht Kruse aus DFB-Kader

15.00 Uhr: Kehrt Mario Götze zu Borussia Dortmund zurück?

Vielleicht täte Mario Götze ein Mini-Portiönchen von Zornigers Selbstbewusstsein gut. Wie unten bereits beschrieben, ließ Bayern-Trainer Pep Guardiola im Spiel gegen den 1. FC Köln einige seiner besten Spieler auf der Bank wegen der anstrengenden Champions-League-Begegnung wenige Tage zuvor. Mario Götze hatte gegen Juventus Turin auch auf der Bank gesessen und war daher frisch vor dem Spiel gegen Köln. Was machte Guardiola? Er ließ ihn gegen die Kölner wieder nicht spielen. Nun sind heute die Zeitungen voll mit dem "Problemfall Götze" und zeigen Bilder, die einen großen, traurigen Jungen auf der Ersatzbank zeigen. Und natürlich wird jetzt schon spekuliert: Wie lange bleibt Götze noch beim FC Bayern München? Die "Welt" fragt: "Kehrt er zu Borussia Dortmund zurück?" Aber vielleicht muss er das gar nicht. Bekanntlich wechselt dieser knallharte spanische Trainer nach dieser Saison vom FC Bayern München zu Manchester City und es kommt der Italiener Carlo Ancelotti nach München. Der gilt im Gegensatz zum asketisch-strengen Guardiola als lieber Bär, der gerade durch seinen fürsorglichen Umgang mit Problemfällen wie Götze bekannt ist.

Mario Götze sitzt mehr als dass er spielt beim FC Bayern.
Mario Götze sitzt mehr als dass er spielt beim FC Bayern.Foto: REUTERS

14.20 Uhr: Zorniger über sich selbst: "Ich habe richtig gute Qualitäten"

Wieder weg vom Olympiastadion und wieder hin zu echten Typen. Sie gibt es also immer noch, nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch daneben. Einer, der zumindest gestern von Sky-Moderator Patrick Wasserziehr als Typ gebauchpinselt worden ist, ist der ehemalige Trainer vom VfB-Stuttgart, Alexander Zorniger. Gestern war sein erster öffentlicher Auftritt nach seiner Entlassung beim VfB. Bei Sky haben sie das jedenfalls behauptet. Mit Alexander Zorniger hat der VfB in 13 Spielen 31 Gegentore kassiert, er stand auf dem 16 Tabellenplatz und alle fragten sich, warum die Verantwortlichen diesem waghalsig-wahnsinnigen Trainer 13 Spiele Zeit gaben, ehe sie sich von ihm trennten.

Ein Grund könnte gewesen, dass dieser Zorniger trotz der ganzen Pleiten eine bemerkenswerte Zuversicht ausstrahlte. Das würde nämlich auch mit dem gestrigen Auftritt Zornigers bei Sky zusammenpassen. Der 48-Jährige erklärte, dass der VfB unter seiner Verantwortung bei besserer Chancenverwertung eigentlich alle Spiele hätte gewinnen müssen, selbst gegen Bayern München seien zwei Großchancen vergeben worden und im Übrigen habe Bayern zwei Abseitstore gegen die Stuttgarter erzielt. Auch meinte Zorniger: "Ich glaube schon, dass ich eine Art und Weise von Fußball spielen vermitteln kann, die wahnsinnig spannend und interessant ist. Ich habe richtig gute Qualitäten im Bereich des Fußballtrainers." Im Schwäbischen sagt man zu solchen Leuten: "Der hod ab'r a ganz sche große Gosch."

Alexander Zorniger ist von sich selbst recht überzeugt.
Alexander Zorniger ist von sich selbst recht überzeugt.Foto: dpa

13.30 Uhr: Vorschlag von einem Leser: "Hertha muss die Sicherheit verbessern und die Biermarke wechseln"

An dieser Stelle will ich mal wieder einen kommentierenden Tagesspiegel-Leser zu Wort kommen lassen. Vielen Dank, "bsc128"!

Er schreibt: "Ich würde viel lieber ins Stadion kommen, wenn drei Dinge geändert würden:
1. Die Sicherheit verbessern:
Wie will Hertha die Zuschauer vor Anschlägen schützen, wenn sie es nicht mal schaffen, besoffenen "Fans" die Pyro abzunehmen?

2. Die An- und Abfahrt verbessern:

Anfahrt und noch mehr die Abfahrt vom Olympiastadion sind eine einzige Zumutung und eine Spaßbremse erster Güte. Aktuell sperrt die BVG die U2 von Spandau zum Stadion, die S-Bahn sperrt den Ringzubringer zum Stadion und die Straßenzufahrt ist schon jahrelang durch Sperrungen und Umleitungen behindert.

3. Die Biermarke wechseln:

Sponsor hin oder her, wer möchte denn tatsächlich eine Plörre zu überhöhten Preisen trinken, die mit Berlin nicht mal dem Namen nach was zu tun hat. Da bleibt doch mancher lieber in der Kneipe bei Großbild und genießt sein Schulli.

Das Stadion wäre bei Heimspielen garantiert besser besucht, wenn nur einer dieser Vorschläge umgesetzt würde."

Und dann möchte ich auch noch einen Gedanken von "kruehil" in die Runde werfen. Er schreibt: Durch den öffentlich gemachten Vorschlag von Hertha BSC, sich nach einer Alternative fürs Olympiastadion umzusehen, bereitet der Klub eine "Pachtverlängerung des Olympia-Stadions zu moderaten Preisen vor". Will Hertha mit dem Ansinnen nur die Miete drücken für das Olympiastadion? Der Vertrag mit der Betreibergesellschaft läuft noch bis 2017.

13.00 Uhr - Gladbach: Lieber daddeln statt Tore schießen

Wo wir gerade bei Ralf Fährmann sind. Ich habe das Spiel zwischen Schalke und Gladbach am Freitagabend auch gesehen. Ich fühlte mich ein bisschen an meine Kindheit erinnert. In der E- oder C-Jugend, also bei den ganz jungen Fußballern ,verhält es sich bei frappierender Überlegenheit oft so, dass die Spieler anfangen, mit dem Ball zu jonglieren oder ihn spaßeshalber nochmal zum Mitspieler zu passen, statt ihn ins Tor zu schießen - weil das ja viel zu einfach wäre. In dieses kindliche Schema verfielen auch die Gladbacher. Die Mannschaft von Trainer André Schubert hat dann dieses Spiel verloren, dass sie mit mindestens vier Toren Differenz hätte gewinnen sollen.

Erwachsene werden im Fußball manchmal zu Kindern, nichts Neues, ich merke das ja auch, wenn ich mich im Seniorenalter ab und zu auf den Platz wage und es zu emotionalen Ausbrüchen wegen winziger Kleinigkeiten kommt. Schalkes Trainer André Breitenreiter hat nach dem Spiel ganz kühl analysiert, dass sein Team viel schlechter gewesen sei als die Gladbacher und dass das pure Glück ihm drei Punkte beschert habe. Er sagte aber, dass ihm das völlig egal sei. Wichtig seien drei Punkte. Das hätte ich an seiner Stelle auch gesagt. Aber ich habe so ein Bauchgefühl, und wenn mir jetzt jemand zehn Euro in die Hand drücken würde und ich gerade nichts zu tun hätte, würde ich vielleicht wetten, dass André Breitenreiter keine besonders lange Zukunft mehr auf Schalke haben wird. Ist aber nur so ein Bauchgefühl.

12.00 Uhr - Was schreiben die Zeitungen heute?

Claudio Catuogno von der "Süddeutschen Zeitung" beschreibt in seiner "Hängenden Spitze" sehr amüsant und nicht ganz ernst gemeint das künftige Prozedere bei Videobeweisen in der Bundesliga. Demnach soll in strittigen Szenen immer nur, um Kosten zu sparen, die Meinung des ehemaligen Schiedsrichters und aktuellen Sky-Experten Markus Merk eingeholt werden. Merk hatte am Wochenende Hannovers Trainer Thomas Schaaf in Rage gebracht, weil er sich bei Sky gewundert hatte, dass sich die Spieler von Hannover 96 nach einem vermeintlich elfmeterwürdigen Foul nicht beschwert hatten. Schaaf merkte zu Recht an: "Wenn ein Spieler zum Schiedsrichter läuft und sich beschwert, wird er doch sofort gesperrt." Der "Ober-GAU" seien für ihn solche Experteneinschätzungen, sagte Schaaf. SZ-Ressortleiter Klaus Hoeltzenbein fragt sich ebenfalls, warum bei Hertha BSC so viele Plätze leer bleiben und Ulrich Hartmann stellt fest, dass Mario Götze so ziemlich das Gegenteil von Thomas Müller ist. Weil er beim FC Bayern selten trifft, ja meist nicht einmal spielt.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hat den "Mann des Spieltages" gekürt: Es ist Torhüter Oliver Baumann von der TSG Hoffenheim. Eine EM-Chance hat der 25-Jährige aber nicht. Unter dem "Mann des Tages" hat die "FAZ" den Spielbericht von Schalkes Sieg gegen Gladbach platziert. Der Untertitel lautet: "Fährmanns perfekter Tag." Auch der Schalker Torwart wäre ein Kandidat für den Mann des Spieltages gewesen, und auch Fährmann dürfte bei der EM in Frankreich nicht im Kader der deutschen Nationalmannschaft stehen. Ein solches Überangebot an guten Torhütern gab es selbst im Torhüterland Deutschland selten.

11.30 Uhr - Max Kruse vor dem Rauswurf?

Gewiss kein großer Langweiler ist Nationalspieler Max Kruse. Es wird oft bemängelt, dass es keine Typen mehr gäbe im Fußball. Alle geleckt, sagen immer artig Unverfängliches, machen keinen Quatsch, essen fettarm, verzichten inzwischen sogar auf Nudeln, Alkohol kommt natürlich überhaupt nicht infrage und, und, und. Nationalspieler Max Kruse ist da anders, er macht definitiv Quatsch. Vor wenigen Tagen kam raus, dass er das bekanntlich unfreundlich auftretende Berliner Taxi-Gewerbe mit einer unfreiwilligen Spende in Höhe von 75.000 Euro aufgeheitert haben soll.

Und heute steht im "Kicker", dass Kruse bei der Feier seines 28. Geburtstages in einem Berliner Klub am Abend nach dem 1:1 gegen Darmstadt einer Frau das Handy entwendet haben soll. Der Grund: Sie soll ihn mehrmals fotografiert haben, woraufhin sich der Angreifer kurzerhand das Smartphone schnappte und die Bilder löschte. Ein Mann der Tat eben. Jetzt heißt es, dass ihm der Rauswurf aus seinem Klub VfL Wolfsburg und der Nationalmannschaft droht. "Wir haben es ihm schon in der vergangenen Woche erklärt. Das gibt es nicht mehr viel Spielraum: Er muss sein Verhalten ändern", wurde VfL-Manager Klaus Allofs im "Kicker" zitiert.

11.00 Uhr: Die Mimosenhaftigkeit des FC Bayern

Ich wende mich mal dem FC Bayern München zu. Wenn Hertha die große Überraschung der Saison ist, dann ist der FC Bayern der große Langweiler. Das Thema der Bayern-Dominanz ist seit ein paar Jährchen eine Konstante in der Berichterstattung. Ich finde auch zu Recht. Denn eine Bundesligatruppe kann noch so gut zusammenpassen, die Spieler können noch so tapfer für den anderen laufen, noch so viel Glück in bestimmten Momenten der Begegnung haben, wenn sie gegen die Bayern antreten, werden sie die Partie trotzdem mit großer Wahrscheinlichkeit verlieren.

Karl-Heinz Rummenigge will jegliches Risiko für den FC Bayern minimieren.
Karl-Heinz Rummenigge will jegliches Risiko für den FC Bayern minimieren.Foto: dpa

Also zum Beispiel der 1. FC Köln. Der ist nun am Samstag gelobt worden für seine 0:1-Niederlage gegen die Münchner. Es stimmt ja auch: Mit einem Tor Differenz gegen die Bayern ein Spiel zu beenden, ist für alle Bundesligaklubs mit Ausnahme von Borussia Dortmund ein fantastisches Ergebnis. Die Sache bei dem Spiel am Samstag war nur: Die Bayern hatten dieses mörderische, über 120 Minuten andauernde Champions-League-Spiel gegen Juventus Turin in den Beinen. Und die richtig guten Jungs wie Thomas Müller oder Arturo Vidal saßen auf der Ersatzbank. Es waren früher immer die Krisenzeiten beim FC Bayern in der Liga, wenn die Kräfte in der Champions League gelassen wurden. Jetzt reicht es trotzdem zum Sieg.

Deswegen habe ich mich in der vergangenen Woche auch über Karl-Heinz Rummenigge geärgert. Nach dem Spiel gegen Juventus forderte der Bayern-Vorstandsvorsitzende Setzlisten in der Champions League. Darf ja nicht sein, dass es in der Champions League im Achtelfinale anders laufen soll als in der Bundesliga, dass mal ein Gegner die Bayern richtig fordert, so wie es Juventus getan hat. Ich finde den Vorschlag mit den Setzlisten schon sehr mimosenhaft.

Wie dem auch sei, vielleicht liege ich doch daneben und die Bayern bekommen in der Liga noch ein paar Problemchen, am 31. Spieltag eventuell, dann kommt es zum Duell mit Hertha BSC. Das Hinspiel in München hatten die Berliner 0:2 verloren. Und was dieses Hinspiel betrifft, habe ich ein altes Video ausgegraben. Es stammt vom Dezember letzten Jahres und zeigt die unschönen Seiten des Trainerberufs: Besuche bei den Fanklubs. In diesem Fall erwischte es Pep Guardiola. Der Spanier musste bei den Bayern Bazis Vilsbiburg Rede und Antwort stehen an der Taktiktafel. Aus Berliner Sicht ist das Video aber durchaus interessant, weil Guardiola darin seine Strategie erklärt, wie er Hertha BSC schlagen wollte. Etwas vereinfacht ging seine Taktik so: Alle Mann so weit wie möglich nach vorne, auch Boateng sollte möglichst im Mittelfeld spielen und von dort seine gefürchteten langen Pässe in die Tiefe spielen. Denn, wie Guardiola den Bazis erklärte: Der Gegner steht sehr tief. Du denkst ja, nach dem 2:0, der Gegner geht nicht mehr in die Tiefe. Aber das passiert nicht." Nein, das passiert fast nie, wenn Bayern München spielt.

10.30 Uhr - Neues Stadion - Wo denn bitte?

Ich möchte hier einmal einen sehr launigen Kommentar von WW-Wastl zur Diskussion stellen. Er oder sie schreibt: "Tja, das war ja (fast schon wieder) zu erwarten. Da spielt Hertha mal eine Saison unerwartet sehr ordentlich - und schon kommen wieder Blütenträume auf den Tisch. Hat Hertha mal wieder den Bezug zur Realität verloren? Ist der Hedgefond-"Reichtum" einigen in den Kopf gestiegen? Es fängt mit den Grundstückskosten und der Lokalisierung an: Wo denn bitte? Der denkmalgeschützte Olympiapark scheidet aus. In der rapide wachsenden Stadt Berlin würde mich sehr interessieren, wo Hertha ein Grundstück mit der notwendigen Verkehrsinfrastruktur ausgemacht hat. Vielleicht ein Umzug nach Brandenburg?

Meine Empfehlung: Rand halten, Saison ruhig zu Ende spielen und sich des Alleinstellungsmerkmals freuen - keine Mannschaft der Bundesliga darf in einem Olympiastadion spielen. Und wie das Pokalfinale zeigt: Ein gutes Spiel wird auch nicht durch die blaue Laufbahn gestört. Andere Sportarten haben das Problem der Füllung einer großen Arena (für ihre Sportart gemessen) ja auch gelöst: Vielleicht sollte Hertha einmal die Füchse oder die Volleys fragen, wie die es geschafft haben......"

Auch unser Kolumnist Frank Lüdecke hat sich in weiser Voraussicht mit Hertha BSC und seiner Spielstätte befasst. Er schreibt: "Hertha spielt im Dinosaurier unter den Bundesligastadien." Er hat auch ein paar Ideen für Neuerungen im Olympiastadion.

10.00 Uhr - Sind die Pläne nach einem neuen Stadion für Hertha BSC umsetzbar?

Es ist im Übrigen nicht das erste Mal, dass sie bei Hertha BSC darüber nachdenken, aus dem Olympiastadion auszuziehen. Ich habe gerade in unserem Archiv nachgesehen: Am 19. September 2008 erschien ein Artikel im "Tagesspiegel" mit der Überschrift: "Hertha denkt an Auszug." Darin steht: "Der Fußball-Bundesligist denkt zumindest darüber nach, ein neues, reines Fußballstadion zu bauen. In Kürze will Hertha eine Studie in Auftrag geben, um prüfen zu lassen, ob ein solches Projekt machbar ist. Das Ergebnis soll in spätestens einem Jahr vorliegen." Der Stadionneubau sei ein akutes Thema, sagte Dieter Hoeneß damals. Jetzt schreiben wir das Jahr 2016 und Hertha spielt immer noch im Olympiastadion. Das Problem war damals das liebe Geld. Zumal die öffentliche Hand 242 Millionen Euro für die Renovierung des Olympiastadions ausgegeben hatte. Finanzielle Hilfen des Landes, auf die Hertha angewiesen wäre, gab es damals nicht - und die wird es ganz sicher auch dieses Mal nicht geben, in Zeiten, in denen die Stadt ganz andere Probleme hat. Hertha müsste also Privatinvestoren finden und hofft laut "Berliner Morgenpost" auf die internationalen Kontakte von Anteilseigner KKR (New York) oder von Horst J. Pudwill (Hongkong). Aber ein neues Stadion, das würde teuer. Gerade in Berlin würde es teuer, werden viele sagen, Stichwort Flughafen. Und wo sollte es gebaut werden, in Berlin, in Brandenburg wie in Drei Linden? Es ist in jedem Fall ein ambitioniertes Vorhaben von Hertha BSC.

9.45 Uhr - "Was ist eine zeitgemäße Spielstätte für Hertha BSC?"

Auch die "Berliner Morgenpost" hat in puncto Olympiastadion ein paar O-Töne von Michel Preetz gesammelt. "Das Olympiastadion ist unsere Heimstätte. Das ist auch gut so. Aber es hilf nichts, wir müssen uns mit dem Thema befassen: Was ist eine zeitgemäße Spielstätte für Hertha BSC?" Ja, dann möchte ich die Frage gerne an Sie weiterleiten. Was denken Sie denn: Was ist eine zeitgemäße Spielstätte für Hertha BSC?

9.30 Uhr - Vorschlag, liebe Hertha: Wie wäre es mit einer Preishalbierung?!

Und der erste Leser hat schon einmal einen Vorschlag, wie man das Olympiastadion zumindest voller bekommt. Vielen Dank, "rumme"! Er schreibt: "Wer sich die Preisgestaltung für das nächste Heimspiel gegen den "kleinen" HSV (der aus Hannover) ansieht: Wie wäre es mit einer Preishalbierung? Plätze, auf denen man halbwegs das Spielfeld überblicken kann, beginnen bei 35 Euro und gute Plätze liegen jenseits der 50 Euro.
Zumindest bei einem schon als Absteiger fast feststehenden Gegner aus Hannover, dann auch noch Freitag Abend, ist da jetzt schon wieder mit weniger als 40.000 Zuschauern zu rechnen."

9.15 Uhr - "Hertha will neues Stadion"

Und ob Sie es glauben oder nicht: Jetzt legt mir mein Kollege die "Bild"-Zeitung auf den Tisch, und auf dem Titelblatt steht: "Hertha will neues Stadion." Die "Bild" schreibt: "Hertha hat als einziger Bundesligist keine reine Fußball-Arena. Die Laufbahn und die Größe des Olympiastadions sind oft ein Stimmungs-Killer. (...) Darum denkt Hertha-Manager Michael Preetz über den Bau eines neuen Fußball-Stadions nach." Im Sportteil wird Preetz dann zitiert: "Das Olympiastadion ist eine wunderbare Arena, aber man stelle sich mal vor, wie die Stimmung unserer großartigen Ostkurve in einer reinen Fußball-Arena wäre. Es ist jetzt die Zeit gekommen, über moderne Lösungen nachzudenken." Na, das ist ja mal ein Hammer. Dann könnte sich die Frage, wie man das Olympiastadion voll kriegt bald erledigt haben, weil man es gar nicht mehr vollbekommen muss.

9.00 Uhr - Wie bekommt Hertha BSC das Olympiastadion voll?

Und eben weil das mit Hertha so eine große Überraschung ist, wo man sagt, die müssen ja jetzt ausflippen bei diesem unerwarteten Glück, habe ich am Samstag bei der Sportschau gar nicht so sehr auf das Spielgeschehen geschaut. Zum einen, weil ich keiner bin, der um 18:30 Uhr die Ergebnisse noch nicht kennt. Das ist sogar mir zu altmodisch. Ich kannte also Ergebnis und Torschützen schon vorher. Zum anderen aber, weil mir aufgefallen war, dass Hertha BSC – die größte Überraschung im deutschen Fußball in dieser Saison – gar nicht so viele sehen wollen im Stadion. Ich sah  viele leere Sitzreihen, ja, nicht nur leere Sitzreihen, sondern ganze Blöcke waren leer. Ich habe nachgeguckt: Es waren 40.000 Zuschauer im Olympiastadion, das knapp 75.000 Menschen Platz bietet.

Nun kann man bestimmt sagen, dass der FC Ingolstadt nicht Bayern München und auch nicht Borussia Dortmund oder Schalke 04 ist und dass der März nicht Mai oder Juni ist (auch wenn es ein sehr schöner Märztag war am Samstag). Auch gibt es sicher viele, die sagen, jetzt hör‘ doch auf, Hertha ist Dritter und trotzdem moserst Du. Aber ich mosere ja nicht, mir ist es halt nur am Samstag während der Sportschau aufgefallen. Meine Kollegen Sven Goldmann und Johannes Laubmeier hatten sich vor ein paar Wochen schon einmal mit Hertha BSC und der fehlenden Euphorie befasst. Hier geht es zu der Reportage.

Ich hatte das an dieser Stelle schon einmal gemacht und möchte es heute wieder tun: Ihnen eine Frage stellen. Gerne können Sie hier in die Kommentarliste ihre Antworten reinschreiben. Ich stelle sie dann auch nochmal hier im Blog zur Diskussion. Also meine Frage lautet:

Wie bekommt Hertha BSC das Olympiastadion voll?

Was muss besser werden? Sind die Getränke zu teuer, zu schlecht? Die Eintrittspreise zu hoch? Das Stadion zu zugig oder zu weit weg? Oder was ist es? Das Sportliche, wie wir wissen, stimmt bei der Hertha. Ich bin gespannt auf Ihre Antworten.

So sieht das Olympiastadion aus, wenn Hertha nicht gerade spielt. Aber auch wenn Hertha spielt, könnte es voller sein.
So sieht das Olympiastadion aus, wenn Hertha nicht gerade spielt. Aber auch wenn Hertha spielt, könnte es voller sein.Foto: dpa

8.30 Uhr - Hertha BSC ist der Preis-Leistungs-Sieger

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser. Vielleicht sind ein paar unter Ihnen, die nicht wissen, wo der Tagesspiegel sitzt; also er sitzt in Berlin, und deswegen interessiert uns natürlich schon sehr, was Hertha BSC macht. Und nur mal ganz faktisch vorneweg: In der Bundesliga sind 27 Spieltage gespielt und Hertha BSC steht auf Platz drei mit vier Punkten Vorsprung auf den Vierten.

Es läuft bei Hertha BSC, dem Preis-Leistungssieger dieser Saison.
Es läuft bei Hertha BSC, dem Preis-Leistungssieger dieser Saison.Foto: dpa

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich von Sportwetten nicht viel halte. Aber hier und da habe ich schon einmal einen Tipp abgegeben, weil ich wahrscheinlich gerade nichts Besseres zu tun hatte und weil vielleicht in diesem Moment des Nichtstuns irgendwo ein Pop-up-Fenster aufgegangen ist, in dem auf Sportwetten hingewiesen worden ist. Vielleicht aber habe ich auch nur einen Spieler von Hertha BSC gesehen, und dann habe ich einen Blick auf das Trikot des Spielers geworfen, und da steht ja derzeit ganz deutlich: bet-at-home.

 Um auf den Punkt zu kommen: Ich habe kurz vor der Saison eine Wette abgegeben, es waren zehn Euro. Ich habe gewettet, dass Pal Dardai der erste Trainer sein wird, der in dieser Saison entlassen wird! Ich bin nicht stolz darauf und ich bin auch kein Hertha-Hasser. Es war halt so ein Bauchgefühl. Deswegen wiederum, finde ich, kann ich es auch ruhig zugeben. Der Bauch ist kein verlässlicher Ratgeber, und Gefühle sind es erst recht nicht! Nun ja, sechs Trainer sind bereits entlassen worden respektive wegen Erfolglosigkeit zurückgetreten. Und der allerletzte, der es nach aktuellem Stand verdient hat, entlassen zu werden, ist: Pal Dardai.

 Es ist unbestritten, dass Hertha BSC der bisherige Preis-Leistungs-Sieger unter den Bundesligisten ist. Kein anderer macht aus den vorhandenen Mitteln (gemessen am Kaderwert) so viel wie Hertha BSC. Gut, Ingolstadt oder Mainz schlagen sich auch nicht schlecht. Das ist das Schöne am Fußball, nach wie vor. Manchmal, wenn alles zusammenpasst, wenn sich da auf und neben dem Platz eine Truppe gefunden hat, wo der eine für den anderen und so weiter, da gibt es Überraschungen, da wäre nie jemand darauf gekommen. Denn mal ehrlich: Zehn Euro hat vor der Saison bestimmt keiner darauf gesetzt, dass Hertha BSC sich für die Champions League qualifiziert. Nicht einmal der Bauch würde so etwas tun.

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