• Unser Blog zum Bundesliga-Wochenende: Wird mit Dahoud jetzt alles wieder gut in Gladbach?

Unser Blog zum Bundesliga-Wochenende : Wird mit Dahoud jetzt alles wieder gut in Gladbach?

Unser Bundesliga-Blog am Montag: Mit Mahmoud Dahoud, Julian Draxler und den Spitzennullen. Dazu will die Hertha auch noch ins Pokalfinale.

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Mahmoud Dahoud (l.) gab ein starkes Comeback gegen Bremen.
Mahmoud Dahoud (l.) gab ein starkes Comeback gegen Bremen.Foto: dpa

Alles nur wegen Dahoud? Stefan Hermanns ist heute leider nicht im Blog-Einsatz, trotzdem soll ein Schlenker zu Borussia Mönchengladbach nicht fehlen. Am Freitag gab's den ersten Sieg in der Rückrunde und der fiel beim 5:1 gegen Werder Bremen gleich recht deutlich aus. Gut, der Gegner hat praktisch ohne Abwehr und echten Torwart gespielt, trotzdem war es schon bemerkenswert, wie spielfreudig die Gladbacher agierten. Überragend dabei: Mahmoud Dahoud, der erst 20-Jährige Deutsch-Syrer. Sein Spielverständnis, seine Technik - das hat schon was. Gerade in der ersten Halbzeit wirbelte er die Bremer einige Mal heftigst durcheinander. Von Krise redet deshalb jetzt niemand mehr bei der Borussia. Dabei bot das Spiel durchaus auch Anschauungsunterricht dafür, dass eben noch nicht alles restlos rund läuft im Team von André Schubert. Nach dem Bremer Anschlusstor wackelten die Gladbacher nämlich bedenklich, das 2:3 schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Erst plumpes Abwehrverhalten von Werders Vestergaard vor dem Elfmeter zum 4:1 half den Borussen wieder auf die Beine. So gut Dahoud auch war (Kickernote 1), er allein wird nicht ausreichen, damit Gladbach wieder eine Siegesserie startet.

Zwei Spitzenspiele, keine Tore. Ich (Jörg Leopold) sprach am Sonntag vor dem Snookerfinale im Tempodrom mit einem englischen Journalisten, der sich ein Ticket für das Fußballspiel Hertha gegen Dortmund besorgt hatte. Im Vorfeld war er voller Vorfreude, danach war er zwiegespalten. "Ein volles Olympiastadion, da ist schon klasse." Gewundert hatte er sich über den großen Anteil an Gästefans, erklärte sich das aber richtigerweise mit den vielen nach Berlin Zugezogenen (gut, die Dortmunder Fans gelten eh als reisefreudig). Weniger schön war seiner Meinung nach das Spiel. Er nannte es "poor", dabei wissen die Hertha-Fans eigentlich aus der noch nicht so lange zurückliegenden Vergangenheit zur Genüge, das Spiele ihres Klubs durchaus viel armseliger sein können. Erschwerend hinzu kam für den immerhin akkreditieren Kollegen die katastrophale Wlan-Situation im Stadion, er konnte einfach keinen Text senden - und musste sich teuer Datenvolumen nachkaufen. Immerhin ist ihm in der ganzen Hektik noch José Mourinho aufgefallen, der dem Spiel auf Einladung von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke beiwohnte. Dass der Portugiese bald Manchester United als Trainer übernehmen könnte, hält der englische Kollege für möglich. "Das kann durchaus passieren", meinte er. Abends waren die guten Freunde Watzke und Mourinho dann noch beim Italiener, während die Mannschaft sich das Basketball-Spiel von Alba Berlin gegen Ludwigsburg an der Arena am Ostbahnhof anschauten (siehe Tweet).

Auf das 0:0 in Berlin folgte später noch ein weiteres torloses Remis in einem Bundesliga-Spitzenspiel. Leverkusen und Bayern knüpften nahtlos an das Niveau von Hertha gegen Dortmund an. Wobei diesmal die Leverkusener die Rolle des Spielverderbers übernahmen und versuchten, das Spiel der Münchner zu zerstören. Anders als bei der Hertha ging das bei Bayer aber fast komplett zulasten der eigenen Offensivbemühungen, die wenigen Torchancen hatten eigentlich ausschließlich die Bayern - und das auch erst nach der Pause. Womöglich hätten Guardiolas Elf auch noch mehr auf Sieg gespielt, wenn Dortmund in Berlin gewonnen hätte. Andererseits - am Ende waren die Bayern dran, wer weiß, ob Leverkusen das 0:0 über die Zeit gebracht hätte, wenn es den Platzverweis für Xabi Alonso nicht gegeben hätte. An der Spitze der Bundesliga-Tabelle hat sich damit nichts getan, es bleibt bei acht Punkten Vorsprung für den FC Bayern auf den BVB und damit bei gepflegter Langeweile im Titelkampf.

Julian Draxler, da war doch mal was. Es war die Rückkehr des Wochenendes, Julian Draxler spielte erstmals auf Schalke gegen Schalke. Für 36 Millionen Euro hatte er seinen Heimatklub im vergangenen Sommer verlassen, um beim VfL Wolfsburg höhere Ziele zu verfolgen. Davon sind die Niedersachsen derzeit weit entfernt, nach sieben Spielen in Folge ohne Sieg droht Mittelmaß. Schalke ist inzwischen in der Tabelle sechs Punkte voraus. Und bei der 0:3-Niederlage an alter Wirkungsstätte konnte Draxler auch nicht viel ausrichten. Seine auffälligste Szene hatte er kurz vor dem 0:1, als er die vielleicht beste Chance für den VfL vergab und Schalkes Torwart Fährmann anschließend den schnellen Gegenangriff einleitete. Immerhin wusste man immer, wann Draxler am Ball war, dann nämlich gab es laute Pfiffe im Stadion. Insgesamt war der 22-Jährige überhaupt kein Faktor und ging letztlich gemeinsam mit seinem Team unter. Und die Aussichten für Wolfsburg sind nicht wirklich rosig. Die Balance zwischen Abwehr und Angriff im Team stimmt nicht. Die Offensiven arbeiten kaum nach hinten und die Abwehrspieler wollen am liebsten auch noch mitstürmen. Die Folge: die Mannschaft läuft immer wieder in Konter, da ein Mittelfeld, das diesen Namen verdient, praktisch nicht existent ist, erst recht, wenn Luiz Gustavo ausfällt. Dafür drängen sich vorn im Team von Dieter Hecking die Außenbahnspieler, nach dem Ausfall von Bas Dost fehlt ein Stoßstürmer. Ob der Neuzugang Bruno Henrique diese Lücke füllen kann, bleibt abzuwarten. Zumindest hatte er am Samstag nach seiner Einwechslung noch die besten Chancen, während Dost-Vertreter Nicklas Bendter nur unmotiviert über den Platz stolperte. Für Hecking ist es die erste große Bewährungsprobe, er muss zeigen, dass er seine Mannschaft aus der Krise führen kann. Vor allem im taktischen Bereich muss er sich etwas einfallen lassen, denn im Moment ist es erstaunlich einfach, gegen den VfL zu spielen. Es reicht schon, die Räume eng zu machen, auf einen Fehlpass zu warten und dann den Konter zu fahren. Zumindest in der Bundesliga hat sich das in dieser Saison rumgesprochen, gerade in fremden Stadien spielt kaum ein Klub eindimensionaler als der immer noch amtierende Vizemeister. Daran hat auch Julian Draxler nichts ändern können.

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Okay, der kostet. Geld in das Schlechte-Sprüche-Schwein, denn die Nummer mit "Hertha nähert sich Berlin" ist wohl ausgereizt. Nun hat der Pal Dardai schon vor Jahren erzählt, wie toll es ist, wenn er mit seinem Sohn zum DFB-Pokalfinale ins Olympiastadion geht. "Einmal dabei sein auf dem Rasen", wollte der Profi Dardai. Es hat nicht geklappt, trotzig hat der Trainer dann vor der Saison das Ziel Finalteilnahme im eigenen Haus angekündigt - und wurde freundlich ausgelacht. Jetzt aber lachen sie nicht mal mehr in Heidenheim. Dort wird Hertha am Mittwoch nämlich mit einem Sieg das Halbfinale erreichen. 1553 Fans fahren mit, genau nachgezählt also - haben die Herthaner auf der PK heute Mittag verkündet. Der Trainer hat gesagt: "Wir dürfen den Gegner nicht unterschätzen. Wir nehmen das Spiel sehr ernst und wollen weiterkommen." Prima, später dann mehr an dieser Stelle.

Am Mittwoch macht ihr das aber nicht.  Der Heidenheimer Torschütze Robert Leipertz (l) bejubelt mit Torhüter Jan Zimmermann das Siegtor zum 1:0 in Düsseldorf.
Am Mittwoch macht ihr das aber nicht. Der Heidenheimer Torschütze Robert Leipertz (l) bejubelt mit Torhüter Jan Zimmermann das...

Meanwhile in Berlin. Ist ja bald auch noch ein Spiel im Olympiastadion. Schon am frühen Montagmorgen gab es Mitgliederstau an der Geschäftsstelle an Hanns-Braun-Straße. Die Besonderheit für das Heimspiel gegen die Bayern Ende April: Pro Mitglied dürfen nur zwei Karten erworben werden. Wir lehnen uns mal gaaaanz weit aus dem Fenster: Da droht ein ausverkauftes Olympiastadion.

Rette mich wer kann. Huub Stevens bei der Arbeit.
Rette mich wer kann. Huub Stevens bei der Arbeit.Foto: dpa/Anspach

Am Ende bleiben uns Ingol- und Darmstadt also erhalten? Das sieht so aus, denn neben Thomas Schaaf bereitet sich auch Huub Stevens mit der TSG Hoffenheim auf seinen Abstieg vor. 0:2 gegen Darmstadt 98, mein Gott. Nur zwei Siege 20 Spielen - die Zwischenbilanz von 14 Punkten teilt die 1899 mit 96: Lediglich ein Heimsieg steht zu Buche - ein mühsames 1:0 gegen Hannover. Wen sonst? Und was machen nun? Ein Trainerwechsel ist "keine Alternative", sagt Sportchef Alexander Rosen. Huub Stevens Bilanz fällt mit zehn Spielen und einem Sieg mehr als bescheiden aus. Nach zwei Rettungsaktionen mit dem VfB Stuttgart verspielt der Niederländer in Hoffenheim gerade auch einen Ruf, schreibt die "dpa", also nicht so wie Schaaf aber eben den Retteruf. „Wir müssen noch mehr zusammenhalten“, sagt Stevens. Egal, wer braucht schon Hoffenheim außerhalb von B-W? Wenige Menschen, trauern wir mit den Niedersachsen und freuen wir uns mit den Sachsen - es dauert nicht mehr lange und endlich feiert der Ostfußball seine Renaissance in der Bundesliga. Wie ist eigentlich die DDR-Oberliga-Bilanz von RB Leipzig? Und machen Bundesligisten in Darm- und Ingolstadt mehr Sinn als Hannover?

Setzt Thomas Schaaf seinen "guten" Ruf aufs Spiel? Steht in der Welt. Aber war der Ruf von Schaaf noch gut bevor er nach Hannover kam und vor allem: Funktioniert der Ur-Bremer (in Mannheim geboren) überhaupt außerhalb des Werderaner Kosmus'? Dass die Verunsicherung in der Mannschaft groß ist, hat der Trainer natürlich erkannt. Ein Paradebeispiel die Szene, die in der AWD-Arena zum Mainzer 1:0-Siegtor am Sonnabend führte. Fünf 96-Spieler eskortierten den späteren Torschützen Jairo - aber keiner griff an. Schaaf sagte zu der Szene: "Zwei mehr, dann hätten wir neun Spieler gehabt, die zugucken." Interessant, dass der Trainer nach seinem Null-Einstand mit drei Niederlagen in drei Spielen Sarkasmus offensichtlich als letztes Rettungsrezept bemüht. Aus Hilflosigkeit oder um sich von der Leistung der Mannschaft zu distanzieren. um den eigenen Restruf zu retten?

Was kann der Rasen denn dafür? Hannovers Hiroki Sakai schlägt zu nach dem 0:1 gegen Mainz.
Was kann der Rasen denn dafür? Hannovers Hiroki Sakai schlägt zu nach dem 0:1 gegen Mainz.Foto: Steffen/dpa

9138,26 Kilometer! Das ist die Entfernung zwischen Santa Clara und dem Berliner Hauptbahnhof (Luftlinie, Quelle entfernungsrechnerkm.com). So nah kamen also die meisten von uns (okay, in Emden waren sie näher dran) Super Bowl 50. Und trotzdem: Das zog viele in den Bann: Pop-up-Sport ist wie Spargelzeit. Schön und unverbindlich und vor allem eine kurze Party. Und keiner erwartet nach dem Genuss im Mai, dass sich jemand noch im November mit Spargel beschäftigt (okay, von ein paar Millionen Football-Nerds in diesem Land mal abgesehen). Es war eben zuletzt ist die Zeit der Pop-up-Sportevents. Ein Wochenende lag sich mehr Deutschland als Handballdeutschland heftig und kurz in den Armen, ein Sonntagmorgen wurde Tenniswunder Angie Kerber gefeiert und nun haben sich Millionen Menschen im Lande die Nacht um die Ohren geschlagen für ein Spiel im American Football, sorry das Spiel natürlich. Und das Tamtam um die Superschüssel war so groß, dass man sich auch mal über die kleinen Nöte in Fußballdeutschland lustig machen konnte: Heidwitzka, was ist da bloß in Hannover los? Unser Kolumnist Frank Lüdecke hat eine erste Antwort, er glaubt, dass Thomas Schaaf... genau: hier sein Text: Nichtschwimmer als Bademeister. Und: Zwischen Santa Clara und Hannover liegen nur 9007,92 Kilometer.

Da ist der Berlin-Bezug: Chris Martin von der Gruppe Coldplay bei der Halbzeitshow beim Super Bowl. Coldplay hat 2008 die Arena am Ostbahnhof mit einem Konzert eröffnet.
Da ist der Berlin-Bezug: Chris Martin von der Gruppe Coldplay bei der Halbzeitshow beim Super Bowl. Coldplay hat 2008 die Arena am...Foto: dpa/Smith

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