Sport : Unser Freund, der Trainer

Sawtschenko und Szolkowy halten zu Steuer

Christiane Mitatselis[Turin]

Aljona Sawtschenko war glücklich und gelöst, das merkte man ihr deutlich an. Endlich durfte die 22-Jährige Eiskunstläuferin mal wieder über ihren Sport reden – und nicht nur über ihren stasibelasteten Trainer Ingo Steuer. „Das war eine schwere kämpferische Kür“, sagte die Paarläuferin nach ihrem olympischen Abschluss-Auftritt von Turin. Ihr Partner Robin Szolkowy fühlte sich ebenfalls „sehr erleichtert“ nach dem ordentlichen, nur von kleinen Wacklern getrübten Auftritt. Er wolle Olympia jetzt einfach nur genießen, kündigte der 26-jährige Chemnitzer an, „mal in die Berge fahren, ein bisschen Snowboard schauen“. Mit Rang sechs schlossen die beiden ihre ersten gemeinsamen Olympischen Spiele ab, einen Platz machte das beste deutsche Paar gegenüber dem Kurzprogramm gut. „Das ist eine gute Leistung in diesen schweren Tagen“, sagte Szolkowy.

Verdiente Olympiasieger wurden die Russen Tatjana Totmianina und Maxim Marinin, die eine edle, technisch makellose „Romeo und Julia“-Kür aufs Eis zauberten. Die Chinesen Dan und Hao Zhang belegten Platz zwei. Dan Zhang war schwer gestürzt, nach mehr als zweiminütiger Pause nahmen die Chinesen aber die Kür wieder auf – eigentlich ist nur eine Pause von zwei Minuten erlaubt. Da aber niemand protestierte, gewannen sie Silber vor ihren Landsleuten Xue Shen und Hongbo Zhao.

Natürlich mussten Sawtschenko und Szolkowy, später am Abend, auch über das Steuer-Thema reden. Die Essenz: Sie stehen weiter zu dem 39-Jährigen, den das Nationale Olympische Komitee (NOK) aus dem deutschen Team hatte verbannen wollen. Erst vor Gericht erstritt der Trainer die Olympiateilnahme. Dass Steuer mit ihnen zur WM nach Calgary im März fahren werde, stellten die Athleten außer Frage. „Wir sind ein Trio und das wird so bleiben“, sagte Szolkowy. Sawtschenko erklärte sogar, ohne ihren Trainer wäre sie gar nicht nach Turin gekommen: „Er gehört zu uns. Er ist wie mein zweites Paar Schuhe.“ Auch Reinhard Mirmseker, Präsident der Deutschen Eislauf-Union (DEU), hat nichts mehr gegen Steuer einzuwenden. „Es wäre nicht sinnvoll, kurzfristig etwas zu ändern“, sagte der Funktionär.

Dahinter steht sicher die Hoffnung, das deutsche Paar möge in Kanada die Medaille gewinnen, die sich der erfolgsentwöhnte Verband bereits für Turin erhofft hatte. Die Chancen stehen gut: Die russischen Olympiasieger beenden ihre Karriere, und die drittplatzierten Chinesen Shen/Zhao werden ebenfalls in Calgary fehlen. „Wir bereiten uns jetzt auf die WM vor. Wir wollen unter die ersten drei Paare“, kündigte Sawtschenko an. Und irgendwie hoffen sie wohl alle, dass mit dem Gewinn einer WM-Medaille das Stasi-Thema in den Hintergrund rücken könnte. Steuer vermeidet es weiterhin, klar Stellung zu seiner Vergangenheit zu beziehen. Er sagte nur: „Deutschland sollte einsehen, dass wir drei ein gutes Team sind.“ Steuer wird sich aber wohl eine neue Geldquelle suchen müssen. Seine ohnehin im Oktober auslaufende Zugehörigkeit zur Bundeswehr wird er vermutlich beenden müssen. Olympiasiegerin Katarina Witt, die zu DDR-Zeiten von Steuer bespitzelt worden war und ihn zuletzt in Schutz genommen hatte, wünschte sich nun dies: „Vielleicht wäre es schöner gewesen, wenn sich Ingo einmal entschuldigt hätte.“

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