Sport : Unser kleiner Bruder

Wie Footballer Pennington die New York Jets zu Siegern macht

Matthias B. Krause

New York. Er sieht aus wie ein Milchbubi, der sich im Land der Hünen verlaufen hat. Mit seinem schmalen Gesicht, seinem strubbeligen roten Haar und seinen abstehenden Ohren wirkt Chad Pennington noch jünger, als er mit seinen 26 Jahren ohnehin ist. Auch seine 1,88 Meter Körperlänge und seine dünnen Arme sind nicht dazu geschaffen, den Gegnern Angst einzuflößen. Trotzdem hat der junge Spielmacher des Football-Teams New York Jets in seinen zwölf Spielen eine der erstaunlichsten Geschichten der National Football League (NFL) geschrieben.

Er führte die Jets aus dem Tabellenkeller und mit einem atemraubenden Endspurt noch in die Play-offs. Auch deswegen vergleichen die ersten Pennington schon mit der Quarterback-Legende Joe Montana, der in den Achtzigern die San Francisco 49ers zu vier Titeln führte. Zunächst müssen die Jets jedoch die erste Play-off-Runde überstehen, die für sie am Samstag mit einem Heimspiel gegen die Indianapolis Colts beginnt.

Das zweite Spiel der American Football Conference (AFC) in der ersten Runde bestreiten Cleveland und Pittsburgh, in der National Footbal Conference (NFC) spielen Atlanta gegen Green Bay und die New York Giants gegen San Francisco. Die Sieger treffen dann auf die besten Vorrundenteams, die erst in der zweiten Runde in 14 Tagen eingreifen. In der AFC sind das Oakland und Tennessee, in der NFC Philadelphia und Tampa Bay. Eine Woche später finden die Conference-Finals statt. Der Gewinner der AFC spielt dann am 26. Januar in San Diego gegen den Gewinner der NFC um den Super Bowl. Als Favoriten gelten Oakland und Philadelphia. Daneben gibt es einige Teams, die eine Überraschung versprechen. Zu ihnen zählen auch die Jets.

Dabei hatte die Saison schlecht begonnen. Von der Ersatzbank aus musste Pennington mit ansehen, wie sein Team Spiel um Spiel verlor. Dort litt er zusammen mit Todd Husak, der im Sommer mit Berlin Thunder den World Bowl gewonnen hatte. Nach der dritten Niederlage in vier Spielen tauschte Trainer Herman Edwards dann den 39-jährigen Quarterback Vinny Testaverde aus – ohne wirklich von Pennington überzeugt zu sein.

Auch das Vertrauen seiner Teamkollegen musste sich der junge Quarterback erwerben. „Wir hatten das Gefühl, er ist unser kleiner Bruder, dem wir helfen müssen“, erinnert sich Running Back Curtis Martin, „doch irgendwann haben wir festgestellt, dass es der kleine Bruder ist, der uns anführt.“ Der einzige, der stets an Pennington glaubte, war er selbst. Höhepunkt war der 42:17- Sieg gegen Green Bay im letzten Hauptrundenspiel. Im Duell mit dem besten Quarterback der Liga, Brett Favre, triumphierte Pennington eindrucksvoll und warf vier Touchdowns.

Sogar Testaverde erkennt das große Talent seines Nachfolgers an: „Viele der Jüngeren versuchen, zu schnell eine Entscheidung zu treffen. Chad ist immer entspannt und geduldig.“ Und College-Coach Bob Pruett beschreibt die Fähigkeiten seines früheren Schützlings: „Er zieht die Leute in seinen Bann, gibt ihnen ein gutes Gefühl. Es würde mich nicht wundern, wenn er eines Tages ein führender Politiker wäre.“ Derzeit hat Pennington allerdings eine andere Mission. Sie führt nach San Diego.

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