Sport : Unsere 11 Freunde

Ein Uruguayer, ein Holländer, zwei Portugiesen, drei Deutsche und vier Spanier – der Tagesspiegel hat seine WM-Elf nominiert

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TOR

Eduardo: Niemand hat bei der WM so bitterlich geweint wie der Portugiese nach dem Aus gegen Spanien. Es war Eduardos erste Niederlage mit Portugal. Seit 2009 spielt er im Nationalteam, seitdem hatte Portugal von 19 Spielen keins verloren. Ein Top-Torwart ist im entscheidenden Moment zur Stelle, auch wenn er vorher nicht viel zu halten hatte. Eduardo verhinderte mit seinen Paraden, dass Portugal in der Vorrunde ein Tor kassierte, ob gegen den Ivorer Gervinho oder reihenweise gegen die Brasilianer. Nur David Villa konnte Eduardo bezwingen. Nachdem dieser zuvor im Abseits gestanden hatte.

ABWEHR

Sergio Ramos: Seine Flanken könnten etwas genauer kommen, aber Sergio Ramos dominierte die rechte Seite noch mehr als Brasiliens Maicon. Im linkslastigen Spiel der Spanier ist er rechter Verteidiger, Mittelfeldspieler und Außenstürmer in einer Person. Im Zweikampf macht er keine Kompromisse, im Spielaufbau ist er verlässliche Anspielstation, und in der Offensive zieht er auch in den gegnerischen Strafraum. Ramos ist nicht nur deshalb wichtig, weil er im Mannschaftsbus der DJ ist und Flamenco auflegt.

Gerard Piqué: Keiner verkörpert das Spiel des modernen Innenverteidigers so elegant, effizient und fehlerfrei wie der katalanische Hüne. Balleroberung und Pass sind eins, dazu ist sein Zweikampfverhalten von fast dekadenter Fairness. Und doch wird von Piqués WM vor allem folgende Szene in Erinnerung bleiben: wie er im Viertelfinale dem Paraguayer Oscar Cardozo im Strafraum fast den Arm abriss und einen Elfmeter verschuldete. In Erinnerung bleibt das deshalb, weil es Piqués einziger Fehler im Turnier war.

Arne Friedrich: Gerüchten zufolge soll die Fifa erwogen haben, Arne Friedrich zum besten Nachwuchsspieler der WM zu wählen. Diesen Friedrich kannte die Welt bisher noch nicht. Dummerweise hat dann jemand festgestellt, dass der Verteidiger schon 31 ist und bereits 2006 für Deutschland gespielt hat. Mit dem Friedrich Nullsechs aber hat der Arne Zwanzigzehn nur die Rückennummer gemein. Vom Absteiger zum WM-Helden in acht Wochen. Friedrich war es, dem Deutschlands Abwehr ihren Halt verdankte. Unvergesslich auch, wie er dem Engländer Jermain Defoe den Ball stibitzte, ihn sich vom linken auf den rechten Fuß schnippte, Steven Gerrard damit ins Leere laufen ließ und gleich den Gegenangriff einleitete. Einer der großen kleinen Momente dieser WM.

Fabio Coentrao: Doppelt so oft wie auf links starteten die Teams bei der WM ihre Angriffe auf der rechten Seite. Nicht nur Deutschland fehlt ein überragender Linksverteidiger, der das Spiel nach vorne treiben kann. Der Portugiese Coentrao gehört zu dieser seltenen Spezies, auch weil er viel für eine andere vom Aussterben bedrohte Art getan hat: den guten alten Flankenlauf bis zur Grundlinie. Schnell und wendig schlüpfte er durch die Abwehrnetze – das können auch andere. Sie vermögen aber meist nicht das, was Coentrao beherrscht: bei vollem Tempo den Ball noch gefährlich in die Mitte zu bringen. Hinten steht er sicher, mit seiner Spielübersicht ist er aber auch ein Mann fürs Mittelfeld. Vor ein paar Tagen hat Bayern München sein Interesse an ihm offiziell zurückgezogen: Coentrao ist wirklich gut, aber inzwischen zu teuer.

MITTELFELD

Bastian Schweinsteiger: Der Münchner war von Joachim Löw schon vorab zum emotionalen Leader des deutschen Teams ernannt worden, und Schweinsteiger hat dieses Amt zur allgemeinen Zufriedenheit ausgefüllt. Selbst gegen Spanien, als die Deutschen hoffnungslos unterlegen waren, wurde der zarte Widerstand von Schweinsteiger angeführt. Allein von Schweinsteiger. Der Münchner, jahrelang dem Ressort der Dribbler und Fummler zugeteilt, hat offenbar seine Bestimmung auf dem Platz gefunden: als Spielgestalter aus der Tiefe des Mittelfelds.

Thomas Müller: Die Parallelen waren fast schon beängstigend: Der gleiche Name (Müller), die gleiche Rückennummer (13), und dann auch noch diese Szene im Spiel gegen Argentinien: Thomas Müller spielt im Sitzen einen tödlichen Pass auf Lukas Podolski. Seit Gerd Müller hat es keinen besseren Sitzfußballer mehr gegeben. Dieser Müller, Vorname Thomas, ist ein Rätsel, und seiner Entschlüsselung ist man auch bei dieser WM nicht deutlich näher gekommen. Vielleicht kann man ihn so am besten erklären: Müller kann nichts wirklich überragend, aber es gibt auch nichts, was er gar nicht kann. Den Wert solcher Spieler erkennt man oft erst, wenn sie nicht dabei sind. So wie im Halbfinale, als den Deutschen Müllers Drang in die Tiefe fehlte.

Andres Iniesta: Er ist wirklich Spanier. Iniesta wirkt anämisch, dabei pumpt er technisch brillant gemeinsam mit Xavi das Leben in die immerwährende Ballzirkulation seiner Mannschaft. Ist man es leid und will ihm den Ball wegnehmen, hat er sich schon woanders hin gedreht, und der Ball ist auch weg. Gegen die Schweiz war Iniesta angeschlagen, leitete aber die besten Chancen ein. Gegen Honduras fehlte er, im entscheidenden Gruppenspiel gegen Chile traf er dann selbst. Im Achtelfinale gegen Portugal leitete Iniesta das Siegtor ein, und als sich im Viertelfinale gegen Paraguay einfach keine Lücke fand, startete er ein Solo und legte den Ball vor dem entscheidenden Tor wunderbar ab. Vor allem aber wird ganz Spanien von ihm einen Moment in Erinnerung behalten: Finale, 116. Minute, Iniesta schießt Spanien zum WM-Titel.

Wesley Sneijder: Sein zweiter Vorname ist Benjamin. Aber das führt ebenso in die Irre wie seine Körpergröße von nur 1,70 Meter. Wie kein Zweiter hat der Mittelfeldspieler den neuen Stil der Holländer verkörpert. Die Mannschaft verfügt über beste Anlagen, in Erinnerung aber wird vor allem ihre Fokussierung auf das Wesentliche bleiben – so wie bei Sneijder. Fünf Tore hat der begnadete Techniker bis zum Finale erzielt, er hat nicht nur als Vorbereiter geglänzt, sondern auch als Vollstrecker. Wesley Benjamin Sneijder war der Killer mit dem Babygesicht.

STURM

Diego Forlan: Mehr als ein Stürmer. Diego Forlan kann auch dirigieren und antreiben, er schießt alle Ecken und Freistöße für Uruguay und glänzt als Vorlagengeber. Am auffälligsten ist seine Ballbehandlung. Sie zeigt sich zum einen in der verwirrend schnellen Abfolge von Haken, mit denen er gegnerische Verteidiger narrt. Zum anderen an seiner Schusstechnik, die dem Ball einen so ungewöhnlichen Spin verleiht, dass fast jeder Torhüter bei der WM daran verzweifelt ist. Dass Forlan gleich vier Mal gegen Südafrika, Ghana, Holland und zum Schluss gegen die Deutschen mit ungewöhnlich krummen Schüssen zum Torerfolg kam, kann nicht nur am umstrittenen WM-Ball Jabulani liegen.

David Villa: Es ist gar nicht so einfach, Villas Vorzüge hinreichend zu würdigen. Sein Laufstil ist genauso wenig von Eleganz gekennzeichnet wie seine Dribblings. Der Spanier ist bei 175 Zentimetern Körpergröße auch kein großartiger Kopfballspieler. Seine Stärke ist die Schnelligkeit, auf den Beinen und im Kopf. Villa versteht das Spiel wie kein anderer, er sieht Lücken, wo noch keine sind, und wenn er erst in Position steht, weiß kein Torhüter, was er nun machen wird: schlenzen, lupfen, verzögern oder einfach mit roher Gewalt schießen? Kein Tor steht so gut für seine Mischung aus Raffinesse und Instinkt wie das aus der Vorrunde gegen Chile, als Villa den Ball aus 40 Metern über den zu weit aufgerückten Torwart zwirbelte.

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