UNSERE Experten : Das Grauen, überall das Grauen

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Vor dem Spiel hatte ich gesagt, dass das Spiel nach zehn Minuten beendet sein wird, weil die Deutschen die Österreicher gleich erst einmal niederrennen. Das taten sie, und wenn schon Arne Friedrich einen Zweikampf gewinnen und sich per Doppelpass in den Angriff schalten kann, dann ist das eigentlich der Beleg dafür, dass die Österreicher sich gemeinsam mit den Griechen für den Titel des erbärmlichsten EM-Auftritts bewerben. Und dann war das Spiel nach zehn Minuten tatsächlich vorbei, das erfreuliche Spiel. Der Rest: das Grauen. Von Lehmann – die Körpersprache der Sicherheit geht anders – bis KloseGomez nahezu komplett das Grauen. Die Ausnahme heißt natürlich Ballack, aber was hat man von seiner Weltklasse, wenn sie aushelfen muss in der Defensive, weil sich da zwei Innenverteidiger aufs Überleben beschränken, da der Berliner Außenverteidiger Friedrich dort weitermacht, wo der Berliner Ramelow aufhört, und von dem war niemals klar, warum er in der Nationalmannschaft spielt. Und dann ist da auch noch Torsten Frings, der eigentlich den defensiven Part im Mittelfeld übernehmen soll, aber nur rumläuft, fuhrwerkt, ach, es ist zum Heulen. Philipp Lahm, ja, der bemüht sich, der versucht was, der hat offensichtlich die Fähigkeit zur Selbstkritik besessen und an seinen Schwächen gearbeitet. Und der große Rest? Was haben die gemacht, wofür hat es eine Vorbereitung gegeben, wofür gibt es circa 26 Fitness-Coaches, 14 Scouts und 32, oder sind es 46 Ernährungsberater? Wofür das Ganze? Für einen heftig getretenen Freistoß, den nicht jeder Torwart auf der Welt durchlässt? Ach so, für das Erreichen des Viertelfinales, na super, dann hat es sich ja gelohnt. Und der KloseGomez, der Sturm? Man hat eine blasse Erinnerung, dass die beiden mal ungefähr wussten, wo das Tor steht, es ist aber wirklich verdammt lange her. Das Schlimmste an dieser versammelten Freudlosigkeit: Damit hauen sie dann auch noch Portugal raus undsoweiter. Die Italiener wiederum räumen zwischenzeitlich die fulminanten Holländer aus dem Weg. Dann kommt es zu einem hinreißenden Finale zwischen Deutschland und Italien. Deutschland gewinnt. Und ich wache schweißgebadet auf.

Hier kommentieren Marcel Reif, Mirko Slomka, Fredi Bobic, Nadine Angerer und Lars Ricken im Wechsel die EM. Alle Kolumnen unter www.tagesspiegel.de/em2008.

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