UNSERE Experten : Eine harte Landung

Zum Glück gab es Australien und die Zeit danach. Nicht weil die deutsche Mannschaft da so berauschend gespielt hat und so in den Himmel gelobt wurde. Es gab zum Glück Australien, weil sie da richtig mit einem Ergebnis umgegangen sind. Sie haben sich nicht blenden lassen. Ein bisschen hoch geflogen sind sie, ja klar, aber es war kein blinder Höhenflug. Und so müssen sie auch jetzt mit diesem Ergebnis umgehen: seriös. Sie wissen, dass eine WM nach einem 4:0 gegen Australien nicht gewonnen ist, aber sie wissen auch, dass sie nach einem 0:1 im zweiten Spiel gegen Serbien noch nicht verloren ist. Eines ist aber passiert: Sie sind gelandet auf dem afrikanischen Boden.

Während gegen Australien alles wie von selbst lief, ging gegen Serbien nicht mehr viel zusammen. Da versprangen die Bälle, da kamen die Pässe nicht an. Da wackelte die Abwehr. Und dann noch dieser Elfmeter. Schwach war der geschossen, natürlich. Aber nicht von einem Schwachen. Podolski hat sich viele Chancen erarbeitet, und er war derjenige, der sich am besten gefühlt hat, deshalb war es auch richtig, dass er geschossen hat. Es gibt in diesem Team keinen geborenen Schützen. Und eine peinliche Niederlage ist das 0:1 gegen Serbien auch nicht. Deutschland hat selbst mit zehn Mann über weite Strecken noch ein ordentliches Spiel abgeliefert und sich Chancen erarbeitet.

Und es nützt natürlich nichts, aber erwähnt werden muss es an dieser Stelle schon auch: Wie ein Schiedsrichter in einem an sich wenig giftigen Spiel acht Gelbe Karten und eine Gelb-Rote zücken kann, ist ein absolutes Rätsel. Für viele Spieler war es der erwartet harte Test. Einfach zu sagen „nicht bestanden“, wäre aber zu einfach. „Redlich bemüht“ wäre gemein. Das Ergebnis lautet eher: „unbefriedigend, aber nicht durchgefallen“. Nur muss sich jeder bewusst sein, dass noch härtere Spiele kommen werden. Eines mindestens. Das ist das Wesen einer WM.

Jetzt schon Schlüsse zu ziehen, über eine andere Aufstellung für das Spiel gegen Ghana nachzudenken, wäre zu früh. Natürlich wird der Sturm ein anderer sein, weil Klose wegen des Platzverweises fehlen wird. Aber auch über Holger Badstuber jetzt zu urteilen wäre verfrüht. Die Spieler, Trainer, Betreuer und ja, irgendwie auch das ganze Land, müssen jetzt erst mal durchatmen. Jeder muss mit seiner Bauchlandung umgehen, die er gegen die geschickt agierenden Serben, hingelegt hat.

Aber so viel steht fest: Die WM hat für die Deutschen richtig begonnen. Sie sind gefordert. Lobeshymnen wird es nach diesem Spiel nicht geben – und das ist vielleicht auch gut so. Aber bitte auch keine unsachliche Kritik.

Marcel Reif kommentiert hier im Wechsel mit Arnd Zeigler, Philipp Köster, Michael Oenning und Fredi Bobic die WM.

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