Unsere Online-Umfrage : Hertha-Fieber – kurz und heftig

Tagesspiegel-Leser trauen Hertha nicht mehr die Meisterschaft zu. Und was aus unserer Online-Umfrage noch hervorgeht.

Friedhard Teuffel
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Eine schönere Krankheit als Fußballfieber muss erst noch gefunden werden, denn in Deutschland wird höchstens noch an Weihnachten so viel gesungen wie nach dem Ausbruch dieses Fiebers. Es ist wohl die einzige Krankheit, die durch eine Pille ausgelöst wird. Ein Epizentrum in dieser Saison ist überraschenderweise Berlin, wo sich das Virus in der Vergangenheit nur schleppend ausbreiten konnte. Aber die Fußballer von Hertha BSC haben mit ihrem Trainer Lucien Favre in diesen Wochen eine kurze und heftige Epidemie ausgelöst. Das lässt sich objektiv nachweisen.

Die Wissenschaft hat in der Erforschung dieses Fiebers nämlich einige Fortschritte gemacht, und einer soll hier vorgestellt werden: die Fieberverlaufskurve. Sie basiert auf messbaren Zahlen, nämlich Klicks auf unserer Internetseite www.tagesspiegel.de. Jeden Tag seit Dezember können Leser dort ihren Fieberstand durchgeben, er reicht von Normaltemperatur, also der Ansicht, dass Hertha in dieser Saison leer ausgeht, bis hin zur heißen Vorstellung, Hertha könnte tatsächlich die Meisterschaft gewinnen.

Schon die ersten Tage dieser Messung deuten an, dass es vor allem zwei Gruppen gibt: Auf der einen Seite stehen die völlig Immunisierten, sie haben die stärksten Abwehrkräfte gegen jegliche Art von Hertha-Euphorie. Auf der anderen Seite stehen diejenigen mit leicht erhöhter Temperatur, sie trauen Hertha einen Startplatz für die Europaliga zu, also den bisherigen Uefa-Cup. In der Minderheit sind noch die chronisch Fiebernden, die immer den Titel vor Augen haben. Und nach Champions League, also Platz zwei, fühlen sich die wenigsten.

Der erste Schub kommt am ersten Spieltag der Rückrunde, mit einem 2:1 im Olympiastadion gegen Eintracht Frankfurt, zwei Tore durch Marko Pantelic bringen Hertha auf Platz zwei hinter Hoffenheim. Auf einmal sind die Meistergläubigen in der Überzahl. Die nächsten Spieltage lassen das Fieber weiter ausschlagen, es schießt nach oben nach einem Sieg gegen die Bayern und der Einnahme des Tabellengipfels, aber richtig durchgeschüttelt werden alle erst durch den Auswärtssieg beim Angstgegner Cottbus, dem 3:1 mit drei Treffern von Andrej Woronin.

Dann jedoch gibt es einen rapiden Abfall, obwohl Hertha oben bleibt, man könnte es einen Pillenknick nennen. Berlin hat sich kurz und heftig erfassen lassen vom Virus und beginnt sich dann dagegen zu sträuben. Als ob hier freie Radikale unterwegs wären, die mit Vernunft und Vitamin C bekämpft werden müssten. Inzwischen scheint alles schon wieder vorbei. Es übernehmen wieder diejenigen, die Hertha ohnehin nichts zutrauen. Berlin hat sich abgekühlt.

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