Unsportlichkeit : Schiedsrichter Fandel fordert "hammerhartes" Durchgreifen

Am letzten Spieltag kam es in der Liga zu zahlreichen bösen Fouls. Nun wollen die Referees der Entwicklung von Unsportlichkeiten in der Bundesliga entgegenwirken. Schiedsrichter Fandel forderte eine rigorose Bestrafung.

Foul
Versteckte Schläge, überharte Grätschen, hinterhältige Fouls: Die Schiedsrichter wollen dagegen vorgehen. -Foto: ddp

BerlinDie Schiedsrichter-Gilde in der Bundesliga bläst zur Offensive. "Es muss Schluss sein mit lustig. Die Spieler, die hinter dem Rücken des Schiedsrichters zuschlagen oder sich regelwidrig verhalten, müssen rigoroser bestraft werden", sagte Bundesliga- und Fifa-Referee Herbert Fandel und forderte: "Wir müssen hammerhart durchgreifen. Bei einigen helfen wohl nur Platzverweise und Sperren."

Am vergangenen Wochenende war es zu diversen Unsportlichkeiten und Unbeherrschtheiten gekommen, es herrschte Bundesliga brutal. Die angedachte Offensive hat Fandel, der Berufspianist aus Kyllburg, eng mit Volker Roth, dem Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), abgestimmt. Auch Roth hat die beunruhigende Entwicklung wahrgenommen. "Die Gesundheit der Spieler ist das oberste Gut, was wir schützen müssen", sagte der Unternehmer aus Salzgitter dem kicker.

Roth wird am 9. Oktober die Erst- und Zweitliga-Schiedsrichter bei einem Lehrgang mit einigen Aktionen der noch jungen Saison konfrontieren und sie weiter sensibilisieren. Der Termin steht schon seit längerem fest, allerdings erwartet Fandel, dass die jüngste Negativ-Entwicklung im Mittelpunkt des Treffens stehen wird.

Brutale Fouls sind für Fandel Charakterfrage

Anlass für die harsche Kritik Fandels am rücksichtslosen Verhalten einiger Bundesligaprofis sind nicht zuletzt die brutalen Aktionen des vergangenen Spieltages. Der Bremer Naldo hatte bei der Niederlage seiner Elf in Dortmund (0:3) den am Boden liegenden Borussen Jakub Blaszczykowski nach einem Zweikampf auf den Rücken getreten. Der Frankfurter Albert Streit hatte seinem Hamburger Gegenspieler Thimothee Atouba beim Sieg der Hessen gegen den HSV (2:1) bei einem Zweikampf in die Genitalien gegriffen, Atouba revanchierte sich mit einem Ellenbogenschlag.

Alle Sünder waren während der Partien ungeschoren davon gekommen. "Das kann ein Schiedsrichter nicht durchgehen lassen", monierte Hilpert im kicker.

Für Fandel sind die brutalen Szenen vom vergangenen Wochenende zweierlei: Ein Zeichen einer Besorgnis erregenden Entwicklung und eine Charakterfrage. "Es gibt zur Zeit einige Spieler, die vom Charakter her so sind, dass sie die Möglichkeit nutzen und hinter dem Rücken des Referees zuschlagen oder zutreten", erklärte der 43-Jährige, relativierte aber: "99 Prozent der Bundesligaprofis sind nicht so. Der Rest macht uns allerdings schwer zu schaffen." Da müsse man Nägel mit Köpfen machen.

Fandel befürchtet keine "Rot-Welle"

Auch Roth hat eine auffällige Verrohung der Sitten in dieser Spielzeit registriert. "Die Fouls im Verborgenen, im Rücken der Schiedsrichter, haben zugenommen", kritisierte der Schiri-Boss. Bereits beim Saison-Vorbereitungslehrgang in Altensteig-Wart im Juli hatte der 65-Jährige die Unparteiischen in Sachen Ellbogen-Checks zur Aufmerksamkeit aufgerufen. Roth: "Da müssen wir verstärkt hinsehen. Da erwarte ich aber auch mehr Unterstützung durch die Assistenten."

Fandel betonte aber auch, dass der Vorstoß seiner Zunft "rein gar nichts" mit der Forderung von Uli Hoeneß zu tun habe. Der Manager von Rekordmeister Bayern München hatte vor einigen Wochen verlangt, dass die Referees Ausnahme-Fußballer wie Franck Ribery besser gegen Fouls schützen müssten.

Ebenso wenig erwartet Fandel nach seiner verbalen Drohung eine "Rot-Welle". "Wir werden alles weiterhin sehr bedächtig machen." Es müsse aber allen klar sein, dass man den unfairen Spielern verstärkt "auf die Pelle" rücken werde, so der Leiter einer Musikschule. (mit sid)

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