Sport : Unsterblich nach zweimal lebenslänglich

Springreiter Eric Lamaze triumphiert beim CHIO

Jeannette Krauth[Aachen]
Der Himmel über Aachen. Eric Lamaze und Hickstead heben ab. Foto: dpa
Der Himmel über Aachen. Eric Lamaze und Hickstead heben ab. Foto: dpaFoto: dpa

Eric Lamaze hat schon einige nicht gerade unbedeutende Erfolge in seiner Karriere errungen. Der kanadische Springreiter ist der amtierende Olympiasieger, im Moment führt er auch die Weltrangliste an. Trotzdem bejubelte er seinen Sieg beim Großen Preis von Aachen am Sonntagabend vor 51 000 Zuschauern überschwänglich. „Das ist der Höhepunkt meiner Karriere, ein Sieg, den man unbedingt haben muss, wenn man in diesem Sport jemand sein will“, sagte Eric Lamaze. An diesem sonnig-heißen Abend im Springstadion von Aachen hatte er sich zuvor gegen 39 Reiter durchgesetzt – am Ende mit einem hauchdünnen Vorsprung. Nach zwei Runden plus Stechen gewann er mit seinem Pferd Hickstead mit knapp zwei Zehntelsekunden Vorsprung vor Pius Schwizer aus der Schweiz und Sergio Alvarez Moya aus Spanien.

Der Sieger beim CHIO ist ein Mann mit Vergangenheit. 1996 wurde er für vier Jahre wegen Kokainkonsums gesperrt, in den folgenden Jahren erhielt er zwei Mal eine eigentlich lebenslange Sperre. Einmal wurde er während der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Sydney positiv auf Ephedrin getestet, ein Schmerzmittel mit adrenalinähnlicher Wirkung. Das zweite Mal war es wieder Kokain. Sein Anwalt schaffte es jeweils, die lebenslange Sperre in eine auf einige Monate begrenzte Sperre umzuwandeln. Keine besonders gute Visitenkarte, was die Glaubwürdigkeit des Sports betrifft. Was denkt er, was soll dieser Hintergrund jungen Profireitern erzählen? „Dass man nicht aufgeben soll“, sagt Lamaze, „ich bin dankbar, dass ich weiter reiten durfte. Die Lehre aus meiner Geschichte heißt: Egal wie dunkel es ausschaut, es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels.“

Verständlich wird diese Antwort erst, wenn man seine Vergangenheit kennt: Lamaze kommt nicht aus wohlbehüteten Verhältnissen, sondern lebte als Kind abwechselnd bei seiner drogensüchtigen Mutter oder der alkoholkranken Großmutter. Seinen Weg in den Reit- und Spitzensport hat er sich hart erarbeiten müssen. Das war auch das Argument, welches sein Anwalt nutzte, um die Strafen zu mildern. Man kann die Geschichte dieses Siegers vom Großen Preis als Tellerwäscher-Karriere feiern – oder aber bedauern, dass die weiße Weste im Reitsport wohl nur in der Bekleidung zu finden ist.

Die für Deutschland startende Meredith Michaels-Beerbaum, die erst seit wenigen Monaten nach ihrer Babypause wieder dabei ist, konnte bis zum Stechen mit Lamaze mithalten, riskierte dann aber zu viel. Am dritten Sprung und in der dreifachen Kombination fielen die Stangen, das machte schließlich Platz Vier.

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