Sport : Unstürmische Zeiten

Auch in dieser Saison schießen Herthas Angreifer zu wenig Tore

Stefan Hermanns

Berlin - Fredi Bobic wird am Donnerstag zu einem ungewöhnlichen Auftritt erwartet. Der Stürmer des Fußball-Bundesligisten soll in Steglitz in der Johann-Thienemann-Hauptschule aus Stefan Effenbergs rotzig-trotziger Autobiographie „Ich hab’s allen gezeigt“ vorlesen. Dass Bobic gerade aus diesem Werk vorträgt, war der ausdrückliche Wunsch der Schüler. Aber vermutlich haben sie Herthas Stürmer mit dieser Idee aus dem Herzen gesprochen. Bobic hat immer wieder darauf hingewiesen, dass er sich schon oft genug gegen allerlei Schwierigkeiten durchgesetzt habe. Und gerade jetzt befindet er sich wieder in einer Situation, die seinen Widerstandsgeist herausfordern sollte. Weil Bobic am Sonntag in Hamburg zwei gute Chancen vergeben hat, wird er jetzt in erster Linie für die 1:2-Niederlage gegen den HSV verantwortlich gemacht. „Die Chancenverwertung macht mir große Sorgen“, sagt Manager Dieter Hoeneß. „Der Punkt drückt uns im Moment am meisten.“

Doch Fredi Bobic ist nur Teil des Problems. Schon nach dem 0:0 in Nürnberg hatte Kapitän Arne Friedrich die Harmlosigkeit des Angriffs aufgegriffen, damit aber vor allem Artur Wichniarek gemeint. Bobic kann immerhin von sich behaupten, der einzige Stürmer zu sein, der in dieser Saison überhaupt ein Tor erzielt hat. Wichniarek und Nando Rafael waren bisher ebenso wenig erfolgreich wie die beiden Nachwuchsstürmer Ashkan Dejagah und Sejad Salihovic, die aber eigentlich noch zum Kader der Amateure gehören. „Was fehlt, ist der Ertrag“, sagt Hoeneß.

Dass der 18 Jahre alte Dejagah und der auch erst ein Jahr ältere Salihovic bereits bei den Profis zum Einsatz gekommen sind, zeigt die Dimension des aktuellen Problems: Wenn die etablierten Stürmer versagen oder ausfallen, fehlen Trainer Falko Götz die Alternativen. Weil Rafael gesperrt war, musste er in Hamburg für die Schlussoffensive auf den Bundesliga- Debütanten Salihovic zurückgreifen. Am Samstag in Kaiserslautern droht eine ähnliche Situation, falls Rafael wegen seiner Oberschenkelverletzung ausfallen sollte.

„Wir haben festgestellt, dass unsere Decke ziemlich dünn ist“, sagt Götz. Herthas Trainer hat daher mit Manager Hoeneß über die Verpflichtung eines neuen Angreifers in der Winterpause gesprochen. Einen arbeitslosen Profi, der sofort kommen könnte, hat Hertha nicht im Blick. „Es muss aber auch passen“, sagt Götz. Bleibt die Frage, warum Hertha nicht schon im Sommer über eine Verstärkung für den Sturm nachgedacht hat. „Weil wir auf anderen Positionen größeren Bedarf gesehen haben“, antwortet Götz.

Hoeneß sagt, er habe auch die Etatgrenzen sehen müssen: „Wir wissen schon, wo wir Probleme haben, aber das ist kein Wunschkonzert.“ Spätestens im Sommer will Herthas Manager einen neuen Stürmer holen. Schon in der vorigen Saison hatten weder Bobic (acht Tore) noch Rafael (fünf) oder Wichniarek (zwei) überzeugt. Und dass Giuseppe Reina, der Herthas Offensivspiel im Frühjahr deutlich belebt hatte, nach seinem Kreuzbandriss noch mehrere Monate fehlen würde, war ebenfalls abzusehen. Immerhin: Reina soll in zehn Tagen wieder vollständig mit der Mannschaft trainieren.

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