Sport : Unten angekommen

Der FC Schalke 04 hatte sich eine große Saison vorgenommen – doch nach drei Niederlagen kommt langsam Panik auf

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Eine gewisse Dramatik ist in Schalke nicht mehr zu leugnen. Nach dem 0:3 beim VfL Wolfsburg sah Manager Rudi Assauer Gesprächsbedarf. „Wir werden uns zusammensetzen und sehen, wie wir da wieder rauskommen.“ Mit drei Niederlagen aus vier Spielen der noch jungen Saison hat der FC Schalke 04 den schlechtesten Bundesligastart seit elf Jahren hingelegt, und in Wolfsburg riefen einzelne Fans schon „Heynckes raus“. Langsam kommt Panik auf im Klub. Assauer nimmt den Trainer in Schutz – aber nicht ohne Einschränkung. „An dieser Situation ist nicht allein der Trainer schuld“, sagte er. Ein Freispruch klingt anders.

Wenn Heynckes redet und schönredet, wirkt Assauer zuweilen wie abwesend. Die Distanz zwischen den beiden Männern, die den Klub wieder groß rausbringen wollten, scheint größer geworden zu sein. Der Trainer gerät allmählich unter Erfolgsdruck. Kritiker werfen ihm vor, er spreche zu viel über die Vergangenheit bei Real Madrid, statt sich mit den begrenzten Möglichkeiten in Schalke zu arrangieren.

Im ersten Jahr hatten Vorstand und Fans viel Geduld aufgebracht. Heynckes war Assauers Ruf kurzfristig gefolgt und aus Bilbao ins Ruhrgebiet gewechselt - ohne Urlaub und Einfluss auf die Personalpolitik. In diesem Sommer aber bekam er die Spieler, die er sich wünschte, mit Ausnahme des niederländischen Mittelfeldspielers Mark van Bommel, von dem er sich eine Belebung des Spielaufbaus und des Selbstbewusstseins versprach. Der Niederländer war zu teuer für die Westfalen, die inzwischen knapp kalkulieren müssen. Schalke hatte sich bei der Verpflichtung des Torjägers Ailton und der beiden Abwehrkräfte Bordon und Krstajic finanziell verausgabt. Heynckes will diese Transfers aber nicht als Erfolgsgarantie verstanden wissen. „Es ist absurd zu glauben, dass man ein Meisterteam hat, wenn man drei, vier neue Spieler holt.“

Ailton ist gesperrt, Sand noch nicht wieder fit. Dem zweiten Sturm mit Jungprofis wie Hanke oder Delura fehlt es an Torgefährlichkeit. Und die neuen Stars in der Abwehr tragen an der Hypothek, „dass die anderen sich zu sehr auf die beiden verlassen“, wie Heynckes sagt. Es gibt allerlei Erklärungen für den Fehlstart, der nur durch sechs Siege im UI- Cup und die folgende Qualifikation für den Uefa-Pokal gemildert wurde.

Heynckes sagt, es müsse „sich schleunigst etwas ändern“. Schalke hat auf seinen Wunsch hin viel Geld ausgegeben und braucht in dieser Saison sportlichen Erfolg, um wirtschaftlich nicht noch mehr in Schieflage zu geraten. Torhüter Frank Rost, von Heynckes kürzlich zum Kapitän ernannt hat, sieht seine Mannschaft „in einer blöden Situation“. Der Vorstand müsse sich „Gedanken machen“. Wen oder was er damit wohl gemeint hat?

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