Sport : Unten geblieben

Am Abschlusstag verliert das deutsche Daviscup-Team beide Einzel gegen die Slowakei und verpasst den Aufstieg in die Weltgruppe

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Bratislava Florian Mayer vergrub sein Gesicht in einem Handtuch. Er wollte allein sein mit seinem Schmerz. So konnte er nicht sehen, dass es Nicolas Kiefer war, der ihm von hinten aufmunternd auf die Schulter klopfte. Er konnte auch nicht sehen, dass vor ihm die beiden Slowaken Dominik Hrbaty und Karol Kucera mit einer Fahne in der Hand durch die Halle liefen. Das hätte seinen Schmerz sicher noch vergrößert. Mayer hat es verpasst, die deutsche Daviscup-Mannschaft im letzten Einzel doch noch zum Sieg zu bringen. So bleibt Deutschland im Männertennis zweitklassig.

Die Rückkehr in die Weltgruppe hatten die Deutschen am Sonntag so dicht und deutlich vor Augen. 2:1 führten sie nach dem Doppel. Doch dann versagten Thomas Haas und Debütant Florian Mayer in Bratislava die Nerven. Deutschland unterlag gegen die Slowakei 2:3. Statt in der Weltgruppe muss sich die Mannschaft von Kapitän Patrik Kühnen nun mindestens ein weiteres Jahr in der Europa/Afrika-Liga durchschlagen.

Sein erstes Einzel und das Doppel hatte Thomas Haas schon gewonnen, doch im dritten Spiel ging ihm die Kraft aus. Er kam nicht mehr an gegen den unglaublich stark aufspielenden Dominik Hrbaty und den Lärm der 3500 Zuschauer. 3:6, 3:6, 5:7 unterlag Haas. Mayer kam im Anschluss mit der Last der finalen Entscheidung nicht zurecht und verlor gegen Karol Kucera 4:6, 0:6 und 2:6, den sein Kapitän Miloslav Mecir kurzfristig aufgestellt hatte.

Nach dem Spiel wussten die Deutschen nicht, was sie hätten anders machen sollen. „Hrbaty hat gespielt wie von einem anderen Stern. Er hatte immer eine Antwort parat. Ich weiß nicht, wer ihn heute hätte schlagen können“, sagte Haas. „Ich wollte nichts so sehr als zurück in die Weltgruppe. Aber Dominik hat sich in einen Rausch gespielt. Es ist so wahnsinnig frustrierend.“ Auch Kühnen war angesichts der Übermacht des Slowaken ratlos: „Tommy hat alles versucht, aber Hrbaty war nicht beizukommen. Für uns ist das hart, aber wir müssen die Leistung sportlich fair anerkennen.“ Die Niederlage von Haas im Einzel war erst seine zweite in insgesamt 16 Daviscupspielen. Florian Mayers Taktik, auf Fehler des 30-jährigen Kucera zu warten, erwies sich dann als falsch. Denn der Lokalmatador wurde mit jedem Schlag sicherer und spielte seine Routine aus.

Seinen letzten Arbeitstag hätte sich Bundestrainer Kühnen, dessen Vertrag am Sonntag auslief, anders vorgestellt. Nach dem Abstieg im Vorjahr gegen Weißrussland, dem ersten einer deutschen Daviscup-Mannschaft seit 1983, musste der 38-Jährige einen weiteren Tiefpunkt verkraften. Trotzdem will der Präsident des Deutschen Tennis-Bundes, Georg von Waldenfels, auf ihn nicht verzichten: „Wir werden uns schnell auf eine weitere Zusammenarbeit verständigen.“ Trotz der sportlichen Pleite gab es auch Erfreuliches in Bratislava. Kühnen hat es geschafft, eine Mannschaft zu formen, die auch in der Niederlage zusammenhält. Der verletzte Nicolas Kiefer fieberte in der Halle mit, und Rainer Schüttler wäre auch mitgefahren, wenn seine ansteckende Angina es nicht verboten hätte. Er wollte vor dem Fernseher die Daumen drücken. Doch das WDR-Fernsehen schaltete mitten in Mayers Spiel zum Reiten um. dpa/Tsp

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