Sport : Unter afrikanischer Flagge: Was Senegals Sieg wirklich bedeutet

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Von Helmut Schümann

Senegal also. Nicht Kamerun, nicht Nigeria, Senegal ist die Mannschaft, die es weit nach vorne bringen kann. Die haben jetzt den Sieger aus Japan gegen Türkei vor sich und eine breite Brust. Weil sie Frankreich besiegt haben und Uruguay getrotzt und Dänemark widerstanden und gegen Schweden auch bei Rückstand nicht aufgaben. Sind Japaner oder Türken aus dem Weg geräumt, kommt Brasilien, England oder Belgien. Machbar für starke Senegalesen. Plötzlich stünden sie im Finale. Das ist alles nur Spekulation, und schon einmal ist eine afrikanische Mannschaft, Kamerun 1990 in Italien, bis ins Viertelfinale vorgestoßen. Damals sprach man vom Durchbruch des afrikanischen Fußballs. Der wird seit Jahrzehnten prophezeit. Auch heute. Senegals bester Spieler, El-Hadj Diouf, der Stürmer, betont ja immer, wie wichtig ein Sieg Senegals für Afrika ist. Für den Fußball und überhaupt.

Man darf das bezweifeln. Dass Afrika brillante Fußballer hat, das weiß jeder, besonders jeder europäische Vereinsmanager. In Senegals Kader gibt es einen, den Kalidou Cissokho, der spielt in Dakar, und Omar Diallo hütet bei Olympique Khourigba in Marokko das Tor, Ersatzkeeper alle beide. Tony Sylva, die Nummer eins wehrt sonst bei AS Monaco Bälle ab, die während der französischen Saison geschossen werden – unter anderem von den übrigen Spielern des senegalesischen Kaders. Alle, außer Pape Thiaw, der ist bei Lausanne Sports in der Schweiz unter Vertrag, verdienten vor dieser WM in Frankreich ihr Geld. Diouf und Salif Diao kriegen es demnächst vom großen FC Liverpool in England.

Sie sind lange schon aushäusig, über die Stärke des afrikanischen Fußballs sagt Senegals Erfolg wenig aus. Das sind individuelle Könner, Profis auf Montage. Diesmal hat sich eine starke Mannschaft unter der Flagge Senegals zusammengefunden. Samt französischem Trainer. Beim nächsten Mal ist es vielleicht Ghana oder Sambia. Wenige afrikanische Mannschaften haben es geschafft, das Niveau über mehrere Jahre aufrechtzuerhalten. Selbst Kamerun, Südafrika und Nigeria haben damit Probleme. Obwohl sie über das größte Reservoir an Talenten verfügen. Zu oft, das heißt noch häufiger als in Europa, wechseln die Trainer, zu schnell greifen Politiker und Offizielle in die sportlichen Belange ein. Den Erfolg der großartigen senegalesischen Fußballer schmälert das nicht. Den senegalesichen Erfolg, es muss ja nicht gleich ein gesamtafrikanischer sein.

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