Sport : Unter allen Dächern ist Ruh’

Einst war der Hallenfußball die große Winternummer – heute spielen die Bundesligisten lieber in Asien

Frank Hellmann

Berlin - Am Einsatz hat es bei Uli Skrowny nicht gemangelt. Seit dem Sommer tüftelte der 51-Jährige aus Attendorn daran, in der Kölnarena wieder ein Hallenturnier auszurichten. Schließlich hat Skrowny, früherer Geschäftspartner von Hallenfußball-Mitbegründer Dieter Burdenski, im Vorjahr einen Weltrekord aufgestellt: 15 234 Fans kamen zum Hallenturnier beim sogenannten Rheinland-Cup – das gab es noch nie. Dazu mehr als eine halbe Million Zuschauer bei der mehrstündigen Live-Übertragung des DSF. „Eigentlich hat alles gestimmt“, sagt Skrowny, und er führt noch eine Menge Gründe an, warum so ein regional geprägtes Turnier in den deutschen Hallen seine Berechtigung hätte. Dummerweise wird in diesem Jahr die Kölnarena durch Handball und Eishockey gefüllt, nicht aber durch Fußball. „Diesmal ließ sich das Puzzle mit dem 1. FC Köln, der Arena und dem Fernsehen nicht zusammensetzen“, sagt Skrowny, „und wir mussten das Turnier schweren Herzens absagen.“

Es ist nicht das einzige Hallenereignis, das auf der Strecke geblieben ist. Nur noch vom 2. bis 6. Januar dauert die Fußballtour unterm Dach und führt über sechs eher zweitklassig besetzte Turniere in fünf Tagen. Allein Veranstaltungen in Bamberg, Frankfurt, Oldenburg, Nürnberg, Riesa und Mannheim haben überlebt und werden allesamt live vom DSF übertragen. Immerhin: In Frankfurt bei Organisator Gert Trinklein ist der Andrang für den 3. Januar in der 5000 Zuschauer fassenden Ballsporthalle so groß, dass erwogen wird, für 2008 in die große Festhalle umzuziehen. Hier steht sozusagen die Wiege des Hallenfußballs, haben in der Festhalle doch jene Turniere stattgefunden, die unter DFB-Obhut auf den schönen Titel Hallenpokal oder Hallenmasters hörten. Doch die Zeiten, in denen der Titel des deutschen Hallenmeisters Briefkopfwert hatte, sind spätestens vorbei, seit sich der DFB im Jahr 2000 aus den Hallen zurückgezogen hat.

Seitdem ist der Stellenwert der Veranstaltungen Jahr für Jahr gesunken. Das Fernsehen zahlt inzwischen so gut wie nichts mehr für die Übertragungsrechte – die Ausrichter sind schon froh, dass ihre Sponsoren ins Bild kommen. Folglich belaufen sich auch die Antrittsprämien nur noch auf fünfstellige Summen – Kleckerbeträge für mittelständische Wirtschaftsunternehmen, wie es Fußball-Bundesligisten heute sind. „Dabei ist Hallenfußball eine prima Serviceleistung für den Zuschauer“, sagt Trinklein. Autogramme sammeln, Stars aus nächster Nähe bewundern – vor allem das jugendliche Publikum liebt den Hallenspaß.

Dennoch macht auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) keine Anstalten, den Hallenfußball zu retten. Wenn aus Terminnot auch in der Saison 2007/2008 sogar das Pokalfinale wieder mitten in der Saison ausgetragen werden muss, bleibt im Rahmenterminkalender kein Platz für Hallenspielereien. Die Zukunft der winterlichen Aktivitäten der Bundesligisten liegt woanders: Um die Pausentage ertragsmaximal zu nutzen, hat DFL-Boss Werner Hackmann gerade erst noch einmal auf die Notwendigkeit von Asienreisen zu Marketingzwecken hingewiesen.

Und so macht sich die Bundesliga rar in den Hallen. Zwar gilt die Ausrede vom erhöhten Verletzungsrisiko nicht mehr. „Die neuartigen Kunstrasenspielfelder sind fast identisch mit Naturrasen“, sagt Eintracht Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel, ein Freund des Hallenfußballs. Doch die Terminnot und die ohnehin immense Belastung vor allem der Nationalspieler führen dazu, dass Bayern München etwa nur die zweite Mannschaft zum Turnier nach Riesa schickt. Die Podolskis und Schweinsteigers machen sich unterdessen auf nach Dubai. Werder Bremen schickt eine bessere Amateurmannschaft zum beliebten Event im benachbarten Oldenburg – Klose und Co. fliegen in die Türkei. Schalke 04 bleibt den ganzen Januar zwar daheim, nimmt aber an keinem Hallenturnier teil. Von den Spitzenklubs ist nur der VfB Stuttgart zweimal im Einsatz.

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