Sport : Unter der Flagge der Glückseligkeit

Angeführt von Dirk Nowitzki gibt sich das deutsche Team bei der Eröffnungsfeier besonders ausgelassen

Friedhard Teuffel[Peking]

Wenn die Eröffnungsfeier schon der erste Wettbewerb bei diesen Olympischen Spielen gewesen wäre, die deutsche Mannschaft hätte wohl ihre erste Medaille gewonnen. Unter den 204 teilnehmenden Ländern wirkte sie besonders ausgelassen. Hinter Fahnenträger Dirk Nowitzki tanzten und feierten viele deutsche Sportler in diese Spiele hinein, sie fotografierten sich gegenseitig und genossen die Atmosphäre mit 91 000 Menschen im Stadion. „Das war gigantisch“, sagte Nowitzki. „Es war toll, wie die Mannschaft mich ins Stadion geschickt hat. Wenn man ins Stadion einläuft und die Menschen sieht, da läuft es einem kalt den Rücken runter.“ Zudem verdiente sich die deutsche Mannschaft einige Originalitätspunkte. Zwei Wasserballer hatten sich aufgeschnittene Bälle auf den Kopf gesetzt.

Die deutsche Fahne war schon von weitem gut zu sehen, als der 2,13 Meter große Basketballer Nowitzki sie nach oben reckte und die deutsche Mannschaft nach dem Libanon ins Olympiastadion führte. Der Stolz war ihm dabei deutlich anzusehen. „Das ist eine Riesenehre für mich und mir ist bewusst, dass es auch ein kleiner Traditionsbruch ist“, hatte er vorher gesagt. Sonst tragen schließlich meistens Athleten die Fahne, die schon mehrfach mit olympischem Gold dekoriert sind. Für Nowitzki sind es dagegen die ersten Olympischen Spiele.

In den ersten Reihen liefen einige besonders bekannte Sportler: Tennisprofi Nicolas Kiefer, Hockeyspielerin Natascha Keller, Handballer Christian Schwarzer, Tischtennisspieler Timo Boll. Die Deutschen sind mit 435 startenden Athleten die viertgrößte Mannschaft bei diesen Olympischen Spielen. 198 von ihnen wollten an der Eröffnungsfeier teilnehmen. Wer nicht dabei war, hat entweder morgen schon einen Wettkampf, war gerade im Training, reist erst später an – oder hat politische Gründe für seine Abwesenheit.

Für Fahnenträger Nowitzki war die Eröffnungsfeier die Auftaktfete für die bedeutendste Sportveranstaltung der Welt. Politik? „Ich habe zu Politik nach wie vor nicht den Draht“, sagte er. „ Sport ist dafür da, um Brücken zu bauen. Es wird jedenfalls nichts ändern, wenn man nicht zur Eröffnungsfeier hingeht.“

Der Grund für Imke Duplitzer, die Fechterin, nicht zur Eröffnungsfeier zu gehen, war jedoch eher ein anderer. Sie wolle sich nicht vereinnahmen lassen für die Werbung der Olympia-Sponsoren und für mögliche Propaganda der Chinesen. Sie verbrachte den Abend mit dem „Kalten Krieg“. So lautet der Titel des Buchs, das sie gerade liest, „von einem amerikanischen Politikwissenschaftler“. Sie blieb jedenfalls dabei, nicht ins Stadion zu gehen. Politik ist im deutschen Team jedoch im Moment eine eher private Angelegenheit, diese Erfahrung hat Duplitzer im olympischen Dorf gemacht: „Unter den Sportlern und Offiziellen ist das weniger ein Thema.“ Die Eröffnungsfeier: Seite 3

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