Sport : Unter die besten Fünf

Deutsche Schwimmer haben ehrgeiziges Ziel

Frank Bachner

Berlin - Mark Warnecke hat 16 Kilogramm abgespeckt, er wiegt jetzt nur noch 95. Ende Mai war er noch drei Kilogramm schwerer, trotzdem erreichte er bei den deutschen Meisterschaften in Berlin 27,44 Sekunden über 50 Meter Brust. Damit schwamm der 35-Jährige nicht bloß deutschen Rekord sondern auch auf Platz eins der Weltrangliste. Dort steht Warnecke immer noch, und deshalb gehört er bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Montreal zu den deutschen Medaillenhoffnungen. Ralf Beckmann, der Chef-Bundestrainer des Deutschen Schwimm-Verbands, gibt ein klares Ziel aus: „Wir wollen uns unter den ersten Fünf der Welt behaupten.“

Das könnte gelingen, auch wenn es keine klaren deutschen Goldfavoriten gibt. Hannah Stockbauer, die bei der WM 2003 noch drei Siege feierte, hat ihre Karriere unterbrochen. Thomas Rupprath geht über 50 Meter Rücken zwar als Titelverteidiger, Weltrekordler und Weltranglisten-Erster an den Start, aber die Konkurrenz ist sehr stark. Auch Janine Pietsch tritt als Weltrekordlerin über 50 Meter Rücken an, aber diese Bestmarke kam bei den deutschen Meisterschaften so überraschend, dass Gold eine Sensation wäre. Antje Buschschulte, die Titelverteidigerin über 100 Meter Rücken, und Anne Poleska, die Olympiadritte über 200 Meter Brust, haben zwar viel Potenzial, konzentrierten sich aber in der nacholympischen Saison verstärkt auf ihr Studium. Ihre Chancen sind entsprechend schwer einzuschätzen. Beckmann wird daher verstärkt auf die Staffeln setzen. Dort sind die Deutschen traditionell stark. Die großen Unbekannten im deutschen Team sind die jungen Leute wie Marco di Carli, Helge Meeuw oder Daniela Götz. Sie haben bei den deutschen Meisterschaften überzeugt und könnten in Montreal für Überraschungen sorgen. Allerdings erst in der zweiten WM-Woche, wenn die Beckenschwimmer ihren Auftritt haben.

Die Langstreckenschwimmer beginnen schon heute mit ihren Wettkämpfen. Im deutschen Team hat Britta Kamrau die größten Medaillenchancen, vor allem auf ihrer Spezialstrecke über zehn Kilometer. Über fünf Kilometer, die heute stattfinden, wurde sie im vergangenen Jahr immerhin Europameisterin. Auch die Kunst- und Turmspringer greifen in der ersten Woche ins Geschehen ein. „Eine Medaille mehr als bei der WM 2003“ will Bundestrainer Lutz Buschkow – also drei. Für Andreas Wels und Tobias Schellenberg, die Olympiasilber im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett holten, wird ein Medaillengewinn in Montreal aber schwierig. Erstens konnten sie vor der WM weniger trainieren als vor Olympia. Zweitens profitierten sie in Athen davon, dass ein Flitzer die Konkurrenz unterbrach. Danach patzten gleich drei Weltklasse-Duos. Nur Wels/Schellenberg blieben nervenstark.

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