Sport : Unter falscher Flagge

Bayer Leverkusen demütigt den 1. FC Union mit einem 5:0 und einer Dynamo-Fahne

André Görke

Von André Görke

Berlin. Die Demütigung des 1. FC Union in den Wäldern der Wuhlheide begann schon vor dem Anpfiff: Die Anhänger von Bayer Leverkusen hissten in ihrem Fanblock eine Fahne des BFC Dynamo. Die Provokation durch das Symbol des Erzfeindes ließ die Fans des 1. FC Union aufschreien. Doch sie verstummten schnell. Nach 36 Sekunden fehlten ihnen die Worte. Auf dem Spielfeld stand der Leverkusener Hanno Balitsch an der rechten Außenbahn und schlug den Ball aus 30 Metern in den Strafraum. Der Ball flog einfach über Unions Torhüter Robert Wulnikowski hinweg ins Tor. „Das kann außer mir nur Beckham“, sagte Balitsch über seinen Treffer zum 0:1 in diesem DFB-Pokalspiel.

Es dauerte nur 24 weitere Minuten, bis sich Wulnikowski endgültig zum Gespött der 15295 Zuschauer im Stadion an der Alten Försterei machte. Da hoppelte ihm ein Schuss des Leverkuseners Dimitar Berbatow vor die Füße, Wulnikowski hechtete zu Boden und lenkte sich den Ball ins eigene Tornetz. Bei so viel Ungeschick des Torhüters konnte es nichts werden mit der „Sensation“, auf die Unions Präsident Jürgen Schlebrowski vor dem Anpfiff gehofft hatte. Am Ende verlor der Berliner Zweitligist 1. FC Union in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen den Bundesliga-Spitzenreiter Bayer Leverkusen gar 0:5 (0:2).

Torwart Wulnikowski sagte am Ende dieses verpatzten Abends: „Ich kann mich nur entschuldigen.“ Und sein Trainer Mirko Votava beschrieb die Gegentreffer so: „Da haben wir schön nachgeholfen.“ Das einzig Erfreuliche an diesem Abend war die Tatsache, dass Union das Erreichen der nächsten Runde nicht im Saisonetat eingeplant hatte. Über die 225000 Euro Garantiesumme für die Teilnahme am Achtelfinale des DFB-Pokals kann sich jetzt der Erstligist freuen.

Von einer Pokal-Überraschung war Union gestern so weit entfernt wie Hertha BSC derzeit von der Champions League. Die Berliner bemühten sich zwar, und wenn die Leverkusener zwischendurch einmal nicht so engagiert dem Ball nachjagten, sprangen sogar ein paar Chancen für Union heraus. Die beste sah so aus: Nach etwas mehr als 20 Minuten sprang ein Schuss von Unions Mannschaftskapitän Steffen Baumgart direkt vor die Füße seines Kollegen Sreto Ristic. Der demonstrierte mit seiner Körperhaltung beim Schießen, warum er in der Zweiten Liga seit 1155 Minuten nicht mehr ins Tor getroffen hat. Unions Stürmer drosch den Ball – freistehend – aus drei Metern Entfernung zwei Meter über das Tor. Zur Halbzeit ließ ihn Unions Trainer Votava in der Kabine.

Die Tore fielen weiterhin auf der anderen Seite. Erst tanzte der Leverkusener Berbatow die Berliner Abwehr aus, passte auf seinen Kollegen Daniel Bierofka, der zum 3:0 traf (62. Minute). Drei Minuten später tauschten beide die Rollen: Bierofka flankte, Berbatow erhöhte per Kopf auf 4:0. Und nicht mal zehn Minuten später traf Robson Ponte gar zum 5:0. Die Union-Fans reagierten mit Sarkasmus. Sie sangen „Fiiinaaale, ohoo“, schossen Raketen in den Himmel und feierten die Mannschaft mit einer Welle. „Ich habe gar nicht gemerkt, dass wir 0:5 zurückliegen“, sagte Votava. Der Sarkasmus der Fans war ihr einziges Hilfsmittel gegen die doppelte Demütigung: erst die falsche Fahne und dann auch noch fünf falsche Tore.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben