Sport : Unter falscher Flagge

Die Verwechslung der nordkoreanischen Fahne ist der erste Aufreger der Spiele.

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Politische Panne. Neben den Bildern der Nordkoreanerinnen wurde die Flagge Südkoreas eingeblendet. Foto: Reuters
Politische Panne. Neben den Bildern der Nordkoreanerinnen wurde die Flagge Südkoreas eingeblendet. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Das Unheil ereignete sich, da hatten erst ganz wenige Zuschauer Platz genommen im Glasgower Hampton Park. Vor dem Spiel zwischen Kolumbien und Nordkorea wurden die Spielerinnen auf der Anzeigentafel im Stadion vorgestellt. Mit Namen, Bild und Flagge. Unglücklich war nur, dass zu den Namen und Bildern der Fußballerinnen aus Nordkorea die Fahne Südkoreas aufleuchtete.

Wahrscheinlich wäre alles halb so schlimm gewesen, wenn die Verwechslung mit jeder anderen Flagge der Welt passiert wäre. China zum Beispiel. Oder Kuba. Aber Südkorea? Nordkoreas Spielerinnen weigerten sich, unter diesen Umständen aufs Feld zu gehen und schmollten für eine Stunde in der Kabine. Nur mit größter Mühe konnten sie zur Rückkehr auf den Rasen überredet werden.

Die politischen Spannungen zwischen beiden koreanischen Staaten haben in den vergangenen Jahren wieder zugenommen. Da kam das Flaggen-Malheur der Olympia-Organisatoren zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Vielleicht sahen sich die Veranstalter in Glasgow in der Pflicht. Gerade die olympische Bewegung hatte in der Vergangenheit versucht, die verfeindeten Länder einander näherzubringen. Bei den Spielen von Sydney im Jahr 2000 und vier Jahre später in Athen waren die Sportler beider Teams zur Eröffnung Hand in Hand hinter einer gemeinsamen Flagge einmarschiert. Der Fauxpas von Glasgow ging den Nordkoreanerinnen aber zu weit. Sie empfanden es als respektlos, dass ihre Gesichter neben der Fahne Südkoreas zu sehen waren. „Das ist eine Sache, die uns sehr nahegeht“, sagte Nordkoreas Trainer Gun Sin Ui den Journalisten vor Ort. Selbst eine Entschuldigung des britischen Premierministers David Cameron und des IOC-Präsidenten Jacques Rogge konnte kaum trösten. Auf skurrile Ausführungen wie sein Kollege Kim Kwang-Min bei der WM in Deutschland vor einem Jahr verzichtete Gun Sin Ui. Der Flaggenschreck beeinträchtigte seine Spielerinnen nicht, Nordkorea siegte 2:0. Kim Kwang-Min hatte damals die 0:2-Niederlage gegen die USA damit erklärt, dass einige seiner Spielerinnen vom Blitz getroffen worden seien.

Staaten, die aus einer Nation hervorgegangen sind, scheinen für Organisatoren eine besondere Herausforderung darzustellen. Skifahrer Markus Wasmeier war 1985 nach einem Rennen in Italien sichtlich überrascht, als bei der Siegerehrung die Hymne der DDR gespielt wurde. Auch Bundespräsident Roman Herzog wurde 1995 bei einem Brasilienbesuch in Porto Alegre mit „Auferstanden aus Ruinen“ gegrüßt. Herzog nahm es gelassen, Wasmeier ebenso.

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