Sport : Unter neuer Führung

Arne Friedrich ist jetzt Herthas Kapitän

Stefan Hermanns

Berlin - Arne Friedrich gilt als Spieler, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Das hat er schon am Anfang seiner Karriere getan. Friedrich war gerade 20 Jahre alt, spielte beim Regionalligisten SC Verl und musste in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Borussia Mönchengladbach antreten. Es kam zum Elfmeterschießen, und nachdem der sechste Gladbacher Schütze gescheitert war, nahm sich Friedrich den Ball, verwandelte und schoss Verl in die nächste Runde. Eigentlich war jemand anderes als Schütze vorgesehen. „Es konnte ja nichts passieren“, hat Friedrich einmal über die psychische Belastung in dieser Situation gesagt. Wenn er nicht getroffen hätte, wäre das Elfmeterschießen weiter gegangen. „Da habe ich mir schon was bei gedacht.“

Jetzt, fünf Jahre später, ist Friedrich wieder in eine Situation geraten, in der von ihm Verantwortung erwartet wird. Trainer Falko Götz hat ihn gestern zum neuen Kapitän von Hertha BSC ernannt. Friedrich wird damit Nachfolger von Dick van Burik, der nach nur einem Jahr sein Amt aufgegeben hat. Der Holländer bleibt allerdings in der neuen Saison erster Stellvertreter des neuen Kapitäns und ist gemeinsam mit Fredi Bobic von Götz in den Mannschaftsrat berufen worden. „Diese Mannschaft braucht Führung und Verantwortung“, sagt ihr Trainer. Friedrich selbst will sein neues Amt nicht überbewerten: „Natürlich brauche ich Hilfe. Ich kann das nicht alleine schaffen.“

Dass Friedrich schon mit 25 Jahren Kapitän eines Fußball-Bundesligisten ist, passt in seinen Lebenslauf, der sich durch eine erstaunliche Zielstrebigkeit auszeichnet. Als der Verteidiger vor zwei Jahren vom Zweitligisten Arminia Bielefeld nach Berlin kam, brauchte er nicht die geringste Eingewöhnungszeit. Vom ersten Spieltag an war er Stammspieler, und nach nur zwei Einsätzen in der Bundesliga gab Friedrich sein Debüt in der Nationalmannschaft. So schnell waren nicht einmal Franz Beckenbauer oder Wolfgang Overath.

Mit seinen Entscheidungen hat Trainer Götz ganz bewusst in mannschaftsinterne Prozesse eingegriffen. Fredi Bobic, der den Ruf hat, innerhalb des Kaders ein Einzelgänger zu sein, wird nun als Mitglied des Mannschaftsrates den Erfolg des großen Ganzen über sein eigenes Wohl stellen müssen. Das wird vor allem dann wichtig, wenn Bobic – wie in der vergangenen Saison – nur auf der Bank sitzen sollte.

Friedrich zum Kapitän zu machen war ebenfalls ein Signal des Trainers Falko Götz. Schon sein Vorgänger Hans Meyer hat den Nationalspieler in der Rückrunde der vorigen Saison in eine verantwortungsvollere Rolle gedrängt und ihn zum Kapitän gemacht, wenn van Burik fehlte. Friedrichs Leistung hat das sichtlich gut getan. Götz sagt: „Er hat die nötige Erfahrung und spielt innerhalb der Mannschaft eine wichtige Rolle. Aber ich möchte den Arne auch weiterentwickeln – damit er vom Mitspieler zum Führungsspieler wird.“ Das heißt, dass Friedrich bisher noch kein Führungsspieler war. Zwar hat er sich auch nach Niederlagen immer der Öffentlichkeit gestellt, doch Götz erwartet von einem Führungsspieler offensichtlich mehr als kluge Kommentare vor den Fernsehkameras.

Friedrich hat sich bisher zumindest verbal noch gesträubt, dieser Anforderung gerecht zu werden. Vor anderthalb Jahren hat er gesagt: „Ich kann doch nicht groß den Mund aufmachen und den älteren Spielern sagen, wie es zu laufen hat.“ Genau das wird jetzt von Arne Friedrich erwartet.

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