Sport : Unter schlechtem Stern

Nach Schumacher kämpfen nun die Chefs bei Mercedes um ihre eigene Zukunft.

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Harmonie zu spielen, das fällt uns schwer. Haug, Schumacher und Brawn (von links) bei der Abschiedsvorstellung. Foto: dapd
Harmonie zu spielen, das fällt uns schwer. Haug, Schumacher und Brawn (von links) bei der Abschiedsvorstellung. Foto: dapdFoto: dapd

Suzuka - Wenn es einen Preis gäbe für den perfekten Angestellten des Mercedes-Formel-1-Teams, dann hätte ihn sich Nico Rosberg verdient. Denn keiner kann mit soviel Enthusiasmus und Zuversicht von einer großen Zukunft des Teams in der Formel 1 schwärmen wie der Sieger des diesjährigen Grand Prix von China. Rosberg erzählt nun auch, wie er versuchte, seinem Kumpel aus alten Go-Kart-Zeiten, Lewis Hamilton, einen Wechsel zu Mercedes schmackhaft zu machen. „Denn schließlich bin ich ja selbst von diesem Team so überzeugt, dass ich vergangenes Jahr langfristig verlängert habe“, sagt Rosberg.

Nico Rosberg malt ein intaktes Bild von seinem Team. Das will so gar nicht mit dem korrespondieren, was Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug und Teamchef Ross Brawn in Suzuka beim ersten großen öffentlichen Auftritt nach den Umstrukturierungen bei Mercedes vergangene Woche von sich gaben. Dass den beiden jetzt vom Aufsichtsrat ausgerechnet Niki Lauda als Kontrollorgan vor die Nase gesetzt wurde, kann ihnen nicht gefallen haben. Zumal es ein Lauda ist, der schon einmal zwei Jahre lang bei Jaguar bewies, dass die Führung eines Formel-1-Teams an die Spitze nicht unbedingt zu seinen allergrößten Qualitäten zu gehören scheint, das muss für Haug und Brawn wie ein eindeutiger Misstrauensbeweis und eine Bedrohung aussehen.

Aber etwas musste ja offenbar passieren, um dem allgegenwärtigen Grummeln in den obersten Führungsetagen von Mercedes angesichts ausbleibender Erfolge in den jüngsten drei Jahren etwas entgegenzusetzen. Die aus Konzernsicht durchaus nachvollziehbare Personalie der Auswechslung Michael Schumachers gegen den Briten Lewis Hamilton war nur ein Teil der Umstrukturierungen, die durchaus noch heftiger hätten ausfallen können. Bei dem Mercedes-Aufsichtsratsmeeting vergangene Woche, bei dem die Zukunft in der Formel 1 diskutiert wurde, hatten ja noch radikalere Szenarien auf dem Spielplan gestanden, eine totale Übernahme des Teams durch AMG etwa oder gar ein kompletter Ausstieg. Nicht umsonst hatte Ross Brawn vor einigen Wochen schon einmal verlauten lassen: „Vielleicht gehe ich ja nächstes Jahr fischen.“

So weit ist es noch nicht. Aber um zu erkennen, dass er und Haug die nächsten Opfer der Politik bei Mercedes sein könnten, wenn es jetzt mit dem neuen Frontmann Lewis Hamilton nicht klappen sollte mit den Siegen und WM-Chancen, dafür braucht es keine hellseherischen Fähigkeiten. Und so versuchen die zwei von Mercedes dann im Moment auch vor allem, ihr Ansehen und ihren Job zu retten. Das wirkt mitunter abenteuerlich.

Ross Brawn hatte vergangene Woche schon von einer „Mitschuld“ Michael Schumachers an der Verpflichtung von Lewis Hamilton gesprochen. Das war nicht gerade ein großer Freundschaftsbeweis seinem alten Kumpel gegenüber. Es war eher ein Einschwenken auf die Schumacher-kritische Linie, die auch Vorstandschef Dieter Zetsche mit eindeutigen Zitaten in Richtung des „mit Schumacher ausgebliebenen Erfolgs“ vorgab.

Inzwischen aber haben sie zurückgerudert bei Mercedes. Wohl auch angesichts eines zumindest in Teilen des Internets losgebrochenen „Shitstorms“ in Richtung Mercedes über den „unwürdigen Umgang mit einem Helden wie Schumacher“, wie es im Netz heißt. Nun also sagt Haug, dass den Fahrern ja „überhaupt keine Schuld“ am Misserfolg gegeben werden könne. Er dankte Schumacher jetzt auch ausführlich für die gemeinsame Zeit. Norbert Haug wirkte dabei im Gegensatz zu früheren Gelegenheiten aber eher distanziert und wenig emotional, auch wenn am Ende, passend zur inszenierten Abschiedsshow, die große fotogene Umarmung natürlich nicht fehlen durfte.

Bei Mercedes gibt es diesen Druck, diese Furcht, dass das unglückliche Ende mit Michael Schumacher auch ein Anfang mit neuen Problemen werden könnte. Karin Sturm

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