Sport : Unter Tiger-Bedingungen

Woods gewinnt am Ende souverän die British Open

Petra Himmel[Liverpool]

Am Samstagabend, als die letzten der gut 46 000 Zuschauer den Platz von Royal Hoylake verlassen haben, bleiben zwei Männer auf dem Putting Green vor dem Clubhaus zurück. Der eine übt stoisch Ein-Meter-Putts. Der andere sitzt auf dem Boden hinter dem Loch und sieht zu. Tiger Woods und Hank Haney bekämpfen die Dämonen der dritten Runde: Drei-Putts, ungelochte Bälle aus weniger als zwei Metern. Am nächsten Morgen ist das Bild das gleiche. Woods puttet, Haney sieht zu. Nur die T-Shirts haben andere Farben. Das von Woods ist knallrot – wie immer während einer Finalrunde, die er als Sieger beenden will.

An diesem Sonntag wird der Triumph nicht an irgendwelchen verfehlten kurzen Putts scheitern. Die Dämonen des Vortags sind verscheucht. Das Spiel des 30-Jährigen wird zur Demonstration von Perfektion. Auf den ersten neun Löchern verpasst er kein Fairway und kein Grün, die Putts zum Par sind ein paar Zentimeter vom Loch entfernt. Das ist souverän. Am fünften Loch, einem Par 5, trifft er mit dem zweiten Schlag das Grün, locht einen langen Eagle-Putt. Das lockert das eintönige Bild der Pars ein wenig auf.

Derweil zerbricht neben ihm Sergio Garcia an der Aufgabe, dem Superstar Paroli zu bieten. Der Spanier schiebt Putts aus weniger als einem Meter Entfernung vorbei, findet mit seinem Ball tiefe Bunker. Nach neun Löchern in 39 Schlägen wünscht sich der Weltranglistenneunte wahrscheinlich, er hätte unauffälliges Beige statt leuchtendem Kanariengelb für sein Outfit gewählt und könne mit dem Beigebraun der Fairways und Grüns bis zur Unkenntlichkeit verschmelzen.

„Tiger-Bedingungen“, hatte Ernie Els noch am Vormittag mit einem Kennerblick Richtung Garcia angemerkt, „sind immer anders“. Will heißen: Zwei Bodyguards im Partnerlook verfolgen ihren Schützling Woods, Polizisten, eine Hundertschaft Journalisten, Scharen von Zuschauern am Fairwayrand. Nicht ungewohnt für den Superstar, höchst irritierend für jene, die dem Gewimmel zum ersten Mal ausgesetzt sind. Garcias Golf geht in dem Trubel verloren. Am Ende muss er mit elf unter Par und dem geteilten fünften Platz zufrieden sein.

Bessere Chancen hätten all jene gehabt, die sich vor diesem Spitzen-Flight in vergleichsweise ruhiger Atmosphäre auf ihr Spiel konzentrieren konnten. Doch zu Höchstleistungen konnten sich weder Ernie Els noch Chris DiMarco aufschwingen. Mark Calcavecchia, zusammen mit Adam Scott auf dem geteilten achten Rang in die Runde gestartet, kassierte eine katastrophale 80, während Scott mit einer 72 seinen achten Rang immerhin halten konnte. Der Australier bleibt zwar Weltklasse, ist bei den Major-Turnieren aber nie wirklich im Rennen um den Titel. Immerhin war er einer von nur drei Spielern aus den Top Ten, denen am Ende überhaupt eine Runde mit weniger als 70 Schlägen gelang. Ernie Els und Jim Furyk nämlich, als zwei der wichtigsten Woods-Konkurrenten gehandelt, verloren im Verlauf der Runde zunehmend Anschluss, um die Plätze drei und vier zu belegen.

Dass am Ende allein Chris DiMarco zumindest an der Dominanz des Weltranglistenersten kratzte, kam nicht überraschend. Schon bei den US Masters 2005 hatte er Tiger Woods in ein Playoff in Augusta gezwungen. Während er damals im gleichen Flight wie Woods über die Bahnen zog, startete er diesmal ein hochklassiges Fernduell: Durch einen Birdie am 13. Loch verkürzte er seinen Rückstand auf zwei Schläge, profitierte dann von einem Woods-Bogey an Bahn 12. Keine 45 Minuten hielt der knappe Abstand, dann zog Woods nach einem Birdie zum -16 wieder davon. DiMarco konterte mit einem Birdie an Loch 16 – das Gejubel der Zuschauer aus der Ferne ließ Woods kurz aufsehen, das Birdie ahnen – und dann zog er davon. Während DiMarco nach einem Birdie am 18. Loch zumindest sicher sein konnte, einem Platz im US Ryder Cup Team einen Schritt nähergekommen zu sein, wanderte Woods unter Beifall die Bahn 18 entlang, um das Par-5-Loch mit einem Par Vier zum Endstand von 270 Schlägen und 18 unter Par zu beschließen.

Drei Birdies auf den letzten fünf Bahnen, zwei Schläge Vorsprung auf den Zweiten, dazu mit 67 Schlägen die beste Runde des Tages: Typischer hätte das Ende dieser British Open kaum ausfallen können. Aus einer engen Ausgangssituation hatte der Weltranglistenerste einen souveränen Sieg gemacht.

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