Sport : Unter Verdacht

Stéphane Franke soll gestanden haben, dass er das Istaf-Fax gefälscht hat – das erklärt Ex-Istaf-Organisationschef Nowack an Eides statt

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Von Frank Bachner

Berlin. Irgendwann Mitte April sah Klaus-Peter Nowack zu Hause Fernsehen. Das Programm von TV Berlin lief, und irgendwann tauchte Stéphane Franke auf dem Bildschirm auf. Der frühere Istaf-Meetingdirektor sollte erklären, ob er Autor und Verbreiter des gefälschten Istaf-Faxes war, das seit Tagen für erheblichen Wirbel sorgte und unmittelbar vor der Vergabe der WM 2005 an die Delegierten des Leichtathletik-Weltverbands verschickt worden war (siehe auch beistehenden Kasten). Berlin, als Favorit gehandelt, verlor die Abstimmung. Franke dementierte in TV Berlin heftig. Er habe mit der Sache nichts zu tun, und zudem hätten noch erheblich mehr Personen als er Zugang zur Istaf-Geschäftsstelle. Dort war das Fax abgegangen, unter anderem ans Berliner Büro der Nachrichtenagentur Reuters. Als Franke den Kreis der Verdächtigen weit zog, erlitt Nowack, der Organisationschef des Istaf, einen Kreislaufzusammenbruch. Denn er stand hiermit auch unter Verdacht. Seine Tochter musste den Notarzt rufen. So erzählte er es später Vertrauten.

Einen Monat später reagierte Nowack. Inzwischen waren bei der Staatsanwaltschaft Anzeigen wegen Urkundenfälschung eingegangen, und Nowack teilte einem zuständigen Staatsanwalt in einer Eidesstattlichen Erklärung Brisantes mit: Stéphane Franke sei der Fax-Fälscher, Franke habe es gegenüber ihm, Nowack, zugegeben, als sie sich in Frankes Wohnung trafen (siehe Faksimilie).

Nowack sagte gegenüber Vertrauten noch mehr Details: Franke habe ihm, Nowack, an jenem Sonntag erklärt: „Das war der größte Fehler meines Lebens.“ Aber er, Franke, wolle nicht an die Öffentlichkeit, sondern verfolge eine andere Strategie. Welche, ließ er offen. Franke, erklärt Nowack, sei sauer auf die Politik gewesen, weil der Senat die drohende Insolvenz der Istaf GmbH nicht verhindert habe. Nowack: „Franke hatte schon Tage zuvor zu mir gesagt, wenn das Istaf nicht gerettet werde, habe Berlin auch keine WM verdient.“ Deshalb habe er sofort vermutet, dass Franke das Fax abgeschickt habe.

Allerdings erklärte der Berliner Mentaltrainer Hartwig Marx kurz nach Beginn des Wirbels, ihm habe sich der Fax-Fälscher offenbart. „Aber es war nicht Franke“, hatte Marx erklärt. Gestern bestätigte er diese Version. Marx darf gegenüber bestimmten führenden Politikern oder Personen in ähnlicher Funktion den n sagen. Aber bislang hat noch niemand nachgefragt.

Indizien sprechen gegen Franke

Trotz dieser Aussage blieb Franke unverändert unter Verdacht. Zumal es diverse Indizien gegen ihn gibt: Der Autor muss Insiderwissen gehabt haben, der Text ist in flüssigem Wirtschaftsenglisch abgefasst, das Franke aufgrund seines Marketing-Studiums in den USA perfekt beherrscht, der Text ging auch an Reuters, eine Adresse, an die außer dem Medienprofi Franke kaum jemand gedacht haben dürfte, und die anderen Personen, die in Frage kommen, darunter Nowack, haben klare Alibis. Nowack war am Donnerstag, 11. April, gegen 15 Uhr, als das Fax abging, im Bundesleistungszentrum Kienbaum. Dort ist er Geschäftsführer. Als er einen Tag später ins Istaf-Büro kam, habe er das Fax liegen sehen. Er habe, sagte er im kleinen Kreis, auch herausgefunden, dass Frankes Computer an jenem Donnerstag seit Mittag bis gegen 15 Uhr 30 angeschaltet war und sich jemand mit Frankes Passwort angemeldet hatte. Und Istaf-Geschäftsführer Jürgen Demmel und seine Sekretärin Antje Lange hätten erklärt, als sie gegen 13 Uhr 30 für einen Notar-Termin das Büro verlassen hätten, sei Franke noch dort gewesen.

Stéphane Franke dementiert energisch, gestern Abend auch noch über einen Anwalt, dass er Nowack die Fälschung gestanden habe. „Ich weiß nicht, wie er dazu kommt, so etwas zu behaupten. Ich habe das Fax nicht gefälscht. Vielleicht hat er nicht verdaut, dass er selber verdächtigt wird.“ Als das Fax abgeschickt worden sei, habe er einen Termin in Berlin gehabt. Seinen Gesprächspartner wollte er gegenüber dem Tagesspiegel nicht nennen, „aber ich werde ihn der Staatsanwaltschaft sagen. Ich bin doch nicht so verrückt und gefährde meinen Arbeitsplatz.“

Franke bestreitet den Vorwurf

Auch Jana Franke, die bei dem Gespräch mit Nowack anwesend war, bestreitet dessen Version. „Herr Nowack hat eine gute Phantasie. Er war zwar bei uns, er hat dabei auch Stéphane als Fälscher verdächtigt, aber der hat sofort und sehr klar dementiert.“ Sie habe ihren Gatten früher schon gefragt, ob er das Fax gefälscht habe. „Da sagte er: ,Natürlich nicht, ich gefährde doch nicht meinen Job.’“ Franke wollte bei der finanziell stark angeschlagenen Istaf GmbH als neuer Gesellschafter einsteigen. Er verzichtete dann doch darauf. Die GmbH ging insolvent. Franke arbeitet unter anderem für Eurosport als Kommentator. Jana Franke sagte: „Wir müssen jetzt überlegen, ob wir gegen diese Erklärung vorgehen.“

Nowacks Beschuldigung ist aber mehr als bloß ein Hinweis. Lügt er in der Eidesstattlichen Erklärung, macht er sich strafbar. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen diverse Zeugen vernommen, darunter auch Nowack. Der bestätigte der Kripo seine Version.

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