Sport : Unterfordert ohne Fehler

Nach anfänglichen Schwierigkeiten gewinnen die deutschen Handballer ihr Auftaktspiel gegen Griechenland sicher 28:18

Erik Eggers[Athen]

Stefan Kretzschmar war zufrieden. Deutschlands wohl bekanntester Handballer lächelte. Warum auch nicht, der erste Arbeitstag beim Turnier von Athen war nicht allzu anstrengend für Kretschmar und Kollegen. Sie besiegten Außenseiter Griechenland klar mit 28:18 (15:8). „Wir haben sehr hart und konzentriert gespielt“, sagte Kretzschmar. „Daher ist das Ergebnis so hoch ausgefallen. Die Griechen haben viele Fehler gemacht und waren nervöser als wir“, sagte der Magdeburger.

Rund 1000 deutsche Fans waren im mit 5500 Zuschauern nicht ganz ausverkauften Sports Pavillon des Faliro Komplex. Bereuen mussten die Handball-Anhänger ihr Kommen nicht. Denn in der Halle herrschte keineswegs die schale Stimmung eines Vorrundenspiels. Die Zuschauer ließen ab und an auch die Welle durch die steilen Ränge rauschen. Die Atmosphäre war also prächtig, die Spannung hingegen hielt sich in ganz engen Grenzen. Denn die deutsche Mannschaft hatte die Warnungen ihres Trainers Heiner Brand, den bisher drittklassigen Gegner nicht zu unterschätzen, offensichtlich ernst genommen. Zwar mussten die Deutschen gegen die von ihren Fans frenetisch angefeuerten Griechen anfangs einen Rückstand aufholen. Mit dem 4:3 durch Kehrmanns Tempogegenstoß in der 7. Minute jedoch ging der Europameister in Führung, und die war er nicht mehr abzugeben gewillt.

Heiner Brand, der zunächst sichtlich nervös das Geschehen auf dem Feld begleitete und immer wieder kleinere Stellungsfehler in der Abwehr korrigierte, immer ruhiger. Über 9:5 (15. Minute), 15:8 (28.) und 18:11 (39.) wurde der Abstand permanent vergrößert, der Klassenunterschied deutlich erkennbar. In den letzten 20 Minuten schonte Brand wichtige Kräfte wie Kreisläufer Christian Schwarzer, der wie der bereits glänzend aufgelegte Rechtsaußen Florian Kehrmann auf sechs Treffer kam. Bester deutscher Akteur war Torwart Henning Fritz (THW Kiel), der 45 Prozent der Bälle hielt.

Angesichts der Unterforderung waren kleinere Unkonzentriertheiten im deutschen Spiel wohl nicht zu vermeiden: Schwarzer, Stephan und Kehrmann scheiterten häufig frei vor dem Tor, und auch der derzeit etatmäßige Rückraum mit Zerbe, Stephan und Hens harmonierte nicht immer. Pascal Hens (Hamburg) war nach dem Spiel dann auch selbstkritisch. „Da ist noch einiges an Steigerungspotenzial in unserem Spiel“, sagte er.

Hens und Kameraden haben bereits am Montag die Chance, sich zu steigern – ob es gegen den nächsten Gegner notwendig sein wird, ist allerdings fraglich. Gegen die vom ehemaligen Bundesliga-Coach Jörn-Uwe Lommel (früher bei TuS Lübbecke) trainierten Ägypter sind die Deutschen klarer Favorit. Und mit einem Sieg könnten sie schon eine Vorentscheidung über den Einzug in die Runde der letzten acht schaffen.

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